15.05.2022 17:00 |

Familienkrise

Wie soll ich das alles alleine stemmen?

Erschöpfung und kaum Zeit für den Nachwuchs beklagt ein Familienvater, weil seine Partnerin es ablehnt mitzuarbeiten. Dabei würde es nicht nur die finanzielle Situation des Hauhalts verbessern, sondern wäre auch für das Selbstwertgefühl der Frau von Bedeutung.

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Heutzutage ist es nicht nur für die meisten Frauen wichtig und üblich, einen Beruf auszuüben, viele Haushalte kommen ohne den Doppelverdienst gar nicht mehr über die Runden, besonders, wenn die Kinder schon größer sind. Das Alltagsleben hat sich enorm verteuert, Ausbildung, Bekleidung und andere Ansprüche des Nachwuchses schlagen sich auf das monatliche Budget. In so einer Situation befindet sich auch Herr M. (41). Er ist Alleinverdiener und lebt mit seiner Frau sowie den gemeinsamen Kindern (12 und 15) im Familienverband. Sie ist zwar gelernte Bürokauffrau, aber ausschließlich Hausfrau. Jetzt hat die 38-Jährige ein Jobangebot, das sie jedoch nicht annehmen möchte. Entgegen dem ausdrücklichen Wunsch ihres Partners. Das Argument: Sie benötige auch Zeit für sich.

Nun sind Kinderbetreuung und Haushaltsführung durchaus anzuerkennende Tätigkeiten, der Ehemann hat damit aber weiterhin sowohl die Belastung, die Familie komplett alleine zu erhalten, möchte aber auch als Vater präsent sein und Zeiten mit seinen Kindern verbringen. Das ist zeitmäßig nur sehr schwierig zu bewerkstelligen. Auch der psychische Druck wird immer größer, sodass er erschöpft und ausgebrannt ist. Schließlich bekommt er von seiner Frau Vorwürfe, sich nicht genug um sie zu kümmern. In dieser verstrickten Situation sucht das Paar professionelle Hilfe.

Den Weg als Partner gemeinsam gehen
In der Mediationsarbeit wird dargelegt, dass eine Beziehung wie ein Weg zu sehen ist, den beide gehen müssen und nicht nur einer alleine. Je länger eine Partnerschaft dauert, desto mehr rückt dieses Bild in den Fokus. Aufmerksamkeit auf die Belastungsgrenzen des jeweils anderen zu richten ist unabdingbar. Ebenso wie ein empathischer Umgang mit der Situation und den Lebensumständen des Partners. Zudem ist es für den Selbstwert der Frau durchaus wichtig, finanziell etwas beizutragen und stellt auch eine Notwendigkeit für ein ausgewogenes Eltern/Kind-System dar. Es wird geraten, dass der Mann darauf dringt, seine Frau zu veranlassen, anteilsmäßig - nach ihren Möglichkeiten - etwas zur Entlastung der Gesamtsituation beizutragen. Andernfalls besteht leider die Gefahr, dass die Paarbeziehung in die Brüche geht. In diesem Fall konnte aber ein Konsens erzielt werden, und die Ehefrau fand einen Teilzeitjob, der ihr mittlerweile viel Spaß bereitet.

Hilfe für Betroffene

Die Initiative ZIL (Zurück ins Leben) unterstützt Menschen mit Belastungen in der Partnerschaft, Familie, Gesundheit oder am Arbeitsplatz. Weitere Informationen finden Sie hier.

Wann auch die Frau zum Unterhalt beitragen muss
Wie im oben beschriebenen Fall ist die Beziehung nicht dahingehend einvernehmlich gestaltet worden, dass die Ehefrau sich ausschließlich um den Haushalt und die Pflege der Kinder kümmert, wäre diese beieiner Scheidung„anzuspannen“. Das bedeutet, dass selbst unter bestimmten Umständen die schuldlos geschiedene Ehefrau ein Einkommen entsprechend der konkreten Arbeitsmöglichkeit am Arbeitsmarkt erzielen muss.

Zitat Icon

Es ist für den Selbstwert von Frauen durchaus wichtig, zum Familieneinkommen etwas beizutragen.

Mag. Marie- Christine Pranter, Praxis für Konfliktlösung

Kommt es zu beiderseitigem Verschulden, wird von der Ehefrau erwartet, dass sie auch Tätigkeiten annehmen muss, die unter ihrer Qualifikation liegen. Anders wäre es, wenn einvernehmlich vereinbart wurde, dass die Frau Haushalt, Pflege und Erziehung der Kinder ausschließlich übernehmen soll, ihr aufgrund dieser Aufgaben eine Aus- und Weiterbildung nicht möglich und daher ein Wiedereinstieg in den Beruf, nach jahrelangem Fernbleiben vom Arbeitsmarkt, nicht zumutbar ist.

Karin Podolak
Karin Podolak

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