11.05.2022 12:17 |

Nach Enthauptungsvideo

„Lebe in Horrorfilm“: Moderator verklagt Facebook

Gewaltexzesse, Kinderpornos, Krieg, Tierquälerei: Soziale Medien kämpfen seit Jahren mit immer größeren Moderationsteams gegen verstörende Uploads. Doch die Arbeitsbedingungen, unter denen diese häufig bei Leiharbeitsfirmen beschäftigten Moderatoren tätig sind, sind schlecht. In Kenia wurde Facebook-Betreiber Meta deswegen nun verklagt.

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Laut einem Bericht des „Guardian“ arbeiten in Kenia beim Facebook-Partnerunternehmen Sama in Nairobi rund 200 Personen als Moderatoren für das soziale Netzwerk. Der Ex-Mitarbeiter Daniel Motaung erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Leiharbeitsfirma.

Er berichtet von unangemessenen Arbeitsbedingungen, schlechter Bezahlung, mangelnder psychologischer Unterstützung, Sabotageversuchen im Zusammenhang mit einer Gewerkschaftsgründung, Verletzungen der Privatsphäre und Würde.

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Bei mir wurde eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ich lebe in einem Horrorfilm.

Ex-Moderator Daniel Motaung

Als er den Job 2019 antrat, habe man ihn nicht adäquat darüber aufgeklärt, was er sich als Moderator alles ansehen müsse, klagt Motaung. Einer der ersten Uploads, die er dann zu sehen bekam, zeigte eine Enthauptung. Die Folge: „Bei mir wurde eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ich lebe in einem Horrorfilm.“

Für Gewerkschaftsgründung geworben - Kündigung!
Motaung versuchte, bei dem Facebook-Partner in Nairobi ein Gewerkschaftsbüro zu installieren, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Daraufhin sei er gefeuert worden - eine Motivkündigung, betont sein Anwalt. Damit verstoße der Facebook-Partner gegen in der kenianischen Verfassung festgeschriebene Arbeitnehmerrechte.

Motaung, der im Namen einer Gruppe von Moderatoren gegen Facebook-Mutter Meta klagt, fordert von dem US-Konzern Schadensersatz. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass bei Outsourcing-Partnern Gehälter und Versicherungsleistungen an jene direkt bei Meta beschäftigter Mitarbeiter angeglichen werden und Arbeitnehmerrechte respektiert werden.

Meta: „Nehmen unsere Verantwortung ernst“
Ein Meta-Sprecher zu Reuters: „Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber den Personen ernst, die Inhalte für Meta prüfen, und verlangen von unseren Partnern branchenführende Bezahlung, Leistungen und Unterstützung.“ Man ermutige Moderatoren auch, Probleme mit den Arbeitsbedingungen zu melden. Vom Facebook-Partner Sama gab es keinen Kommentar.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook-Moderatoren über psychologische Belastung, geringen Lohn und schlechte Arbeitsbedingungen klagen. Bereits 2018 brachten Moderatoren in den USA eine Sammelklage ein, auch in Irland und Deutschland gab es Berichte über posttraumatische Belastungsstörungen.

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