Ex-Aston-Martin

Chefdesigner erklärt Wandel der Billigmarke Dacia

Motor
03.05.2022 16:24

Es ist auf den ersten Blick zu sehen: Heutige Dacias haben kaum noch etwas mit dem zu tun, wie die Marke mal war. Design war nicht die Stärke der Marke Dacia, als sie vor 18 Jahren eine Renaissance erlebte. Das hat sich über die Jahre und speziell in jüngster Zeit grundlegend geändert. Mittlerweile ist für das Dacia-Design der Ex-Design-Direktor von Aston Martin zuständig.

(Bild: kmm)

Früher war Dacia so etwas wie „designfreie Zone“, wie wir im einen oder anderen Testbericht konstatiert haben. „Die erste Generation des Logan sollte vor allem der günstigste Neuwagen auf dem Markt werden“, sagt der Brite Miles Nürnberger und blickt damit auf eine Zeit zurück, kurz bevor er bei Aston Martin Lagonda anheuerte.

Dacia Bigster Concept (Bild: Dacia)
Dacia Bigster Concept

Mittlerweile ist billig nicht mehr die einzige treibende Kraft, man will Autos nicht mehr ausschließlich über den Preis verkaufen. „Gutes Design muss nicht unbedingt teuer sein. Jeden Tag ermutigen wir das Team dazu, clever zu denken und intelligente Technik zu entwickeln, die für den Kunden einen Wert hat“, erklärt der Leiter der Dacia-Designabteilung.

„Die Zweckbestimmung eines jeden Modells muss auf den ersten Blick klar erkennbar sein. Der Duster ist ein ‚echter‘ Geländewagen, der Jogger ein ‚echter‘ Familienwagen. Die Philosophie von Dacia ist es, eine sehr pragmatische Vorstellung von Autos zu verwirklichen.“

Miles Nürnberger, Leiter der Dacia-Designabteilung (Bild: Dacia)
Miles Nürnberger, Leiter der Dacia-Designabteilung

Der Unterschied zu Aston Martin?
„Man muss einen reinen, fast fundamentalen kreativen Ansatz verfolgen“, so Nürnberger. „Dacia ist eine Herausforderung. Man muss wirklich genügsam sein. Bei Aston Martin haben Sie eine geringe Investition, aber einen hohen Anschaffungspreis. Bei Dacia ist es genau umgekehrt. Aber die Dinge werden dadurch nicht einfacher.“

Tatsächlich wirkt vor allem der jüngste Dacia, der Jogger, besonders stimmig. Optisch hat er nichts Billiges an sich. „Der Erfolg eines Autodesigns, die Schönheit jedes Objekts und jedes Automobils hängt vor allem von seinen Proportionen ab“, erklärt Nürnberger. Aber für gutes Design braucht es auch entsprechende Technik. „Mit einem größeren Radstand, größeren Raddurchmessern, die in die vier Ecken geschoben werden, und einer breiteren Spur bietet die Verwendung der neuen CMF-B-Plattform neue Möglichkeiten. Diese moderne technische Grundlage ist für die neuen Modelle unerlässlich, um harmonische und zeitgemäße Proportionen zu erreichen.“

Das Preisniveau erkennt man also nicht mehr am Design, sondern im Detail. Keine Motorabdeckung, Sitze, die zwar gut aussehen, aber den Rücken kaum stützen, viel Plastik im Innenraum. Aber dadurch sind die Oberflächen auch relativ unempfindlich. Was einem der propagierten Markenwerte entspricht: „Robustheit“. Dazu kommen „vielseitige Einsatzmöglichkeiten“ und „Geräumigkeit im Innenraum“.

Reduziert auf das Wesentliche
Die Ausstattung moderner Autos ist teilweise extrem geworden. Das meiste davon wäre zu teuer für Dacia, aber das muss kein Nachteil sein. Viele Kunden empfinden es als angenehmer, wenn das Ambiente schlicht statt überladen ist, mit echten analogen Knöpfen und Reglern. Manchmal ist weniger mehr. „Es ist nicht unbedingt eine natürliche geistige Haltung, alle Spielereien und Gadgets zu verbannen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, sagt Nürnberger.

Bei Dacia sei der Designer frei vom Diktat der Kurzlebigkeit. Trotzdem geht die Ästhetik der Dacia-Modelle mit der Zeit, so der Designer. Die Frontscheinwerfer sind jetzt LEDs, die Radioantenne hat die Form einer Haifischflosse, die Türgriffe sind im „Kühlschrank“-Design usw. Nur das Nötigste, um zeitgemäß zu sein.

Dacia Bigster Concept (Bild: Dacia)
Dacia Bigster Concept

Das Ziel: Zeitloses Design
„Wir sprechen von echtem Design, nicht von einem Stil, der aus der Mode kommt. Das trifft sich gut, denn unsere Kunden behalten ihre Autos lange. Man muss den Akzent an der richtigen Stelle setzen, dort, wo es für den Kunden sichtbar ist, dort, wo es nützlich ist. Nichts anderes.“ Einfachheit führe zu Genügsamkeit, aber auch zu Leichtigkeit, einfacher Herstellung und Reparatur. „Niemand mag etwas, das kompliziert ist. Weniger Technik bedeutet weniger Veralterung und mehr Zuverlässigkeit“, so der Designer.

Nun muss sich die Zuverlässigkeit nur noch beim TÜV-Report und ähnlichen Mängelstatistiken durchsetzen. Dann gibt es weitere Gründe, einen Dacia zu kaufen. Neben dem Design. Und dem Preis.

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(Bild: kmm)



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