01.09.2021 10:57 |

Besser als erwartet?

Dacia Sandero: Der billigste Neuwagen Österreichs

Der Dacia Sandero ist in dritter Generation zwar deutlich teurer als sein Vorgänger, aber noch immer der billigste Neuwagen Österreichs. Mit 8790 Euro steht die Basisversion in der Preisliste, inklusive Auslieferungspauschale werden gut 9000 Euro fällig. „Krone“-Motorredakteur Stephan Schätzl wollte wissen, wie viel Verzicht man in einem Billigauto üben muss. Zunächst einmal musste er aber auf das Basismodell verzichten - lieferbar war nur eine Version mit recht guter Ausstattung und dem stärkeren Motor. Wie gut sich nun der billigste erhältliche Kleinwagen fährt, erfahren Sie hier im Video!

Bei einem Testwagenpreis von 14.754 Euro wird dem einen oder anderen ein „von wegen billig!“ entfahren. Tatsächlich kosten vergleichbar ausgestattete Autos anderer Hersteller aber deutlich mehr. Ein Renault Clio, mit dem sich der Dacia die Plattform teilt, kommt locker 5000 Euro teurer. Und Basispreise sind häufig reine Papiertiger, denn wer will - wie im Fall des Sandero - schon auf eine Klimaanlage oder ein Radio verzichten? Man kann die nackte Basis nicht einmal ab Werk aufrüsten. Ein Radio müsste man selbst kaufen und an die immerhin vorhandene Verkabelung anschließen. Immerhin kann man sein Smartphone auf sehr praktische Art integrieren (siehe Video!).

Der Testwagen hat die Comfort-Ausstattung, plus einige Extras, wie Metalliclackierung, Klimaautomatik statt Klimaanlage, „Media Nav“-Navitainment, elektrische Fensterheber hinten (die vorderen sind serienmäßig) oder auch die Parksensoren rundum sowie die (wirklich miese) Rückfahrkamera. Der blanke „Comfort“ mit dem stärkeren Motor kostet 12.090 Euro.

Die einzige aufpreisfreie Lackierung ist Weiß, mit unlackierten Stoßfängern. Die anderen kosten 470 Euro Aufpreis. Das Exterieur-Design ist ansprechend und wirkt tatsächlich nicht billig. LED-Scheinwerfer mit kantigem Tagfahrlicht sind serienmäßig (Fernlicht ist aber grundsätzlich Halogen).

Temperamentvoller Turboloch-Motor
Der Motor ist ein Einliter-Turbo-Dreizylinder, der für recht ordentliche Fahrleistungen sorgt. In 11,7 Sekunden erreicht der 1088 kg schwere Kleinwagen Tempo 100, als Höchsttempo gibt Dacia 178 km/h an. Das maximale Drehmoment von 160 Nm wird bei 2100/min. erreicht, das Turboloch ist deutlich spürbar und nervt bisweilen. Abhilfe schafft das Aktivieren des Eco-Modus, der den Motor sanfter ansprechen lässt. Ein Verbrauchswunder ist der Motor nicht. Der Testverbrauch lag bei ausgerechneten 6,8 l/100 km. Das Datenblatt verspricht 5,1 bis 5,8 Liter.

Geschaltet wird per Sechsganggetriebe. Das ist leichtgängig, aber auch ein wenig hakelig.

Komfortables Fahrwerk …
Das Fahrwerk ist komfortabel ausgelegt und sorgt tatsächlich für überraschend guten Komfort. Andererseits neigt der Sandero zum Untersteuern und wankt in Kurven vernehmlich. Es empfiehlt sich, Kurven gelassen anzugehen. Wirklich vertrauenerweckend ist das Fahrverhalten nicht, aber auch nicht unsicher, solange man es nicht allzu eilig hat. Die Lenkung agiert recht indirekt und vermittelt wenig Kontakt zur Fahrbahn.

… aber dennoch Abstriche beim Komfort
So leise der Motor ist, so laut sind die Windgeräusche. Insgesamt ist der Dacia Sandero dann also doch laut. Das stört vor allem auf längeren Autobahnfahrten. Aber es ist erträglich. Ebenfalls unangenehm auf Langstrecken: die labberigen Sitze, die man irgendwann im Kreuz spüren kann.

Perfekte Klimabedienung
Der Innenraum ist durchaus ansprechend gestaltet, auch wenn vor allem hartes Plastik verwendet wurde. Aber auch etwas Stoff, der für einen Hauch Wohnlichkeit sorgt. Das Menü, das man am 8-Zoll-Touchscreen des Media Nav aufrufen kann, ist zweckmäßig und übersichtlich. Apple CarPlay ist sehr gut integriert. Die Klimaanlage wird mit drei Drehreglern gesteuert - perfekt! Auch die Lenkradtasten sind echte Tasten, die gut zu bedienen sind. Ein Segen, dass es hier keinerlei Touchelemente gibt (außer dem Display).

Gutes Platzangebot
Das Platzangebot im Innenraum geht in Ordnung, auf der Rückbank kommen auch 1,80 Meter große Menschen gut zurecht. Der Kofferraum fasst 328 bis 1200 Liter. Gegen Aufpreis gibt es einen variablen Ladeboden, der bei Umklappen der geteilten Rücksitzlehne für eine ebene Ladefläche sorgt.

Kein Crashtest-Held
Der Dacia Sandero hat im EuroNCAP-Crashtest nur zwei Sterne erhalten. Obwohl er jetzt sechs Airbags hat. Serienmäßig ist auch der autonome Notbremsassistent. eCall ist auch immer an Bord. Gegen Aufpreis kommt er auch noch mit einem Totwinkelwarner. Und ab Essential serienmäßig ist der Tempomat.

Fahrzit:
Ja, man muss bei einem so billigen Auto wie dem Dacia Sandero Abstriche machen. Das fängt leider bei der passiven Sicherheit an und geht beim Fahrverhalten weiter. Vieles ist sehr einfach gelöst, was aber nicht immer ein Nachteil ist. Siehe die einfache Bedienung ohne Elektronik-Overload. Dass die Scheinwerfer LEDs sind, ist super, das Fernlicht sind aber Halogenlampen, das heißt es leuchtet gelblich und vergleichsweise dunkel. Und der Lichtsensor schaltet das Licht erst ein, wenn es eigentlich schon zu dunkel ist und man längst Abblendlicht statt Tagfahrlicht bräuchte.

Unterm Strich bekommt man aber richtig viel Auto fürs Geld, vor allem, wenn man ihn neu kauft. Meistens sind Gebrauchtwagen im Verhältnis billiger als Neuwagen. Der Dacia Sandero ist gebraucht aber ziemlich teuer. Er gehört zu den Autos mit dem besten Werterhalt. Allerdings traditionell auch zu denen, die bei der Pannenhäufigkeit ganz vorn dabei sind.

Die meisten Auto-Grundbedürfnisse deckt der Sandero jedenfalls ab. Ob das viel genug Auto für wenig genug Geld ist, das hängt von den persönlichen Ansprüchen ab.

Warum?
Konkurrenzlos günstiger Preis
Im Vergleich zum Vorgänger deutlich aufgewertet

Warum nicht?
Man merkt ihm den günstigen Preis an.

Oder vielleicht …
… Renault Clio, Hyundai i20, Seat Ibiza, Kia Rio …

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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