18.04.2022 06:00 |

3 Österreich-Termine

Steiner & Madlaina: Indie-Pop á la Jamie Oliver

Nora Steiner und Madlaina Pollina verbindet eine tiefe Freundschaft, die Liebe zur Musik und zu ehrlichen Texten. Als Steiner & Madlaina zählen sie zu den spannendsten und vor allem kurzweiligsten Indie-Acts der Gegenwart. Ein neues Album scharrt in den Startlöchern, davor spielen sie dieser Tage in Linz, Graz und Wien. Wir haben mit ihnen über Freundschaft, den Lockdown und die Schönheit von physischer Zusammenarbeit gesprochen.

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Musik-Connaisseure wissen längst, dass Popmusik mit Tiefgang und Originalität eher nicht in Deutschland, sondern viel mehr in Österreich und der Schweiz zu finden ist. Die beiden Freundinnen Nora Steiner und Madlaina Pollina haben seit ihrem ersten musikalischen Zusammenfinden vor sieben Jahren sehr wenig Lust, nur spröde an der Oberfläche zu kratzen, sondern gehen lieber in medias res. Auf ihrem vor gut einem Jahr veröffentlichten Zweitwerk „Wünsch mir Glück“ kämpft man lyrisch gegen Pech in der Beziehung, prangert den fortlaufenden Sexismus an und übt durchaus auch Selbstkritik. Das besonders treffende Texten liegt der Familie Pollina im Blut. Madlainas Vater ist der polit- und systemkritische Cantautore Pippo Pollina, mit Bruderherz Julian aka Faber teilt sie seit Längerem die Wahlheimat Wien und ein untrügliches Gespür für lebensnahe Situationen. Faber verkauft schon wuchtige Open-Air-Arenen aus, da müssen bzw. können Steiner & Madlaina noch hin. Doch aus rein kommerziellen Ansprüchen macht von allen Beteiligten ohnehin niemand Musik.

Arbeit strikt getrennt
„Wünsch mir Glück“ wurde 2019 hauptsächlich auf Tour geschrieben, die Trostlosigkeit der Pandemie konnte sich dadurch nicht auf dem Werk entfalten. Als Duo mit viel Liebe zur Bühne fehlten nicht nur die Konzerte, die beiden Freundinnen fehlten sich vor allem auch selbst. „Wenn man sich ganz lange nicht mehr sieht, dann merkt man erst, dass etwas fehlt“, so Steiner im „Krone“-Gespräch, „da Madlaina in Wien wohnt und ich in Zürich konnten wir uns eine Zeit lang nicht besuchen. Früher haben wir sogar zusammengewohnt. Jetzt geht es wieder und wir sehen uns mindestens einmal im Monat. Das Hin- und Herfahren ist für uns beide gut, um einmal etwas Abstand von daheim zu gewinnen.“ So nahe sich die beiden auch stehen, die Arbeit ist davon strikt getrennt. Gemeinsames Songwriting kommt Steiner & Madlaina nicht ins Haus.

„Wir haben eine andere Sprache in der Musik“, so Pollina, „mir gefällt das aber, denn so hat man auf dem Album eine Abwechslung. Man hört sehr gut, dass zwei Personen schreiben und das möchten wir auch so beibehalten. Für mich wäre gemeinsames Songwriting unvorstellbar.“ Steiner gibt zu, dass die Unterschiede über die Jahre immer geringer wurden, aber noch immer markant sind. „Bei einem der neueren Songs habe ich den Grundstock geschrieben und Madlaina hat mir per SMS entscheidende Tipps gegeben, die ich übernommen habe. So können sich manchmal Knoten lösen. Ich bin eher erzählerisch und faktisch unterwegs, Madlaina schreibt mehr von ihren Gefühlen. Wir sind aber beide Frauen, gleich alt und fast gleich groß“, lacht sie, „wir erleben nur ähnliche Dinge und haben ähnliche Ansichten. Der Unterschied ist aber trotzdem gegeben.“

Musik für die Seelenhygiene
Die gesellschaftskritischen, persönlichen und alltäglichen Songs haben über die letzten Jahre an Opulenz gewonnen. War das 2018er-Debütalbum „Cheers“ noch geprägt von Folk-Anleihen und einer malerischen Zweistimmigkeit, wurde „Wünsch mir Glück“ zu einem kompakteren Bandalbum. „Ich hoffe nicht, dass wir stehenbleiben, sondern immer weitergehen“, erklärt Pollina energisch, „wir haben eine großartige Band und sind froh, wieder mit ihnen spielen zu können. Die Lockdowns waren hart, denn wir brauchen das richtige Spielen. Das Herumschicken von Files zählt nicht zu meiner Auffassung von Musik. Wir spielen ein bisschen so Musik, wie Jamie Oliver kocht. Der will auch alles selbst anfassen und zubereiten.“ Feministisches Empowerment zieht sich selbstbewusst durch die Songs, ohne zu plakativ oder allzu offensichtlich zu sein. In Songs wie „Wenn ich ein Junge wäre“ muss aufgestaute Wut manchmal auch raus. Musik war für die Seelenhygiene schon immer das ideale Ventil.

Das Duo setzt nicht nur auf bleierne Schwere. Die Texte changieren zwischen Ernsthaftigkeit, Spaß und pikanter Ironie. Auch wenn das vielleicht noch nicht die ausgefeilte Sven-Regener-Qualität hat, nähert man sich in dieser Form Idolen wie Element Of Crime an. Das nächste, wohl noch in diesem Jahr erscheinende Album sollte aber etwas lockerer werden. „Weniger Herzschmerz und mehr Spaß“, lacht Pollina, „wir lassen uns mehr musikalische Freiheiten und versuchen noch stärker die Band einzubauen. Jeder kann seine Ideen einfließen lassen, alle Vorschläge sind herzlich willkommen.“ Richtungsweisend für den Klang könnte eine entscheidende Justierung sein. Pollina spricht davon, das kommende Werk von gitarrenlastig auf schlagzeuglastig umzustellen und vermehrt auf die Tanzbarkeit zu achten. „Wie wir arbeiten gefällt mir extrem“, schwärmt Steiner, „wir skizzieren die Songs mit der Band, machen dann mit unserem Produzenten die Demos und feilen weiter daran. Das Album wird sicher leichter und luftiger als ,Wünsch mir Glück‘.“

Österreich-Tour
Bevor es soweit, sind Steiner & Madlaina direkt nach Ostern aber noch einmal auf kleiner Österreich-Tour. Wie sehr da Madlainas Wiener Einschlag womöglich schon auf die Schweizer Band abgefärbt hat, kann man am besten selbst nachprüfen. Am 19. April im Linzer AK Kongresssaal, am 20. April im Grazer Dom im Berg oder am 21. April im Wiener B72. Unter www.oeticket.com oder unter www.spoon-agency.at gibt es weitere Infos und die Karten für die drei Konzerthighlights.

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