08.04.2022 08:17 |

Bereits Tausende Tote

Russisches Hauptaugenmerk nun auf Mariupol

Nach dem Rückzug aus der Hauptstadtregion Kiew konzentrieren sich die russischen Truppen ukrainischen Angaben zufolge weiter auf die Eroberung der südlichen Hafenstadt Mariupol. Wie die von prorussischen Kräften eingesetzte Stadtverwaltung mitteilte, sind bei den dortigen Kämpfen bisher rund 5000 Zivilisten getötet worden. Wie die Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk weiters berichtete, sind am Donnerstag mehr als 4500 Menschen aus den umkämpften Gebieten in Sicherheit gebracht worden.

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Der „neue Bürgermeister“ von Mariupol, Konstantin Iwaschtschenko, sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass laut am Donnerstag vorab veröffentlichten Auszügen eines Interviews, dass in der Stadt zudem „60 bis 70 Prozent“ aller Wohnungen zerstört oder beschädigt seien.

Wie viele harren noch aus?
Iwaschtschenko schätzte außerdem, dass 250.000 Menschen die Stadt verlassen hätten, aber mindestens ebenso viele, wenn nicht sogar 300.000, noch in der Stadt seien. Die Ukraine schätzt hingegen, dass sich noch 100.000 Menschen in der Stadt befinden, in der die humanitäre Lage katastrophal ist. Die ukrainischen Behörden hatten die Zahl der zivilen Opfer zudem auf „Zehntausende“ geschätzt und die Zerstörung auf „90 Prozent“.

Russische Eroberung in den kommenden Tagen?
Die Militärexperten des US-Kriegsforschungsinstituts Institute for the Study of War (ISW) stellten in ihrer jüngsten Ukraine-Analyse fest, dass die russischen Streitkräfte „wahrscheinlich“ in den kommenden Tagen die Eroberung von Mariupol abschließen könnten. Das russische Staatsfernsehen hatte berichtet, das Zentrum der Großstadt am Asowschen Meer sei bereits eingenommen. In der Stadt seien aber noch 3000 ukrainische Kämpfer, hieß es.

Luftangriffe auch in Gebieten von Luhansk und Donezk
In einem ukrainischen Generalstabsbericht heißt es, russische Truppen legten ein Hauptaugenmerk auf eine Offensive rund um die von ihnen besetzte Stadt Isjum im Gebiet Charkiw im Osten des Landes. Dort hatte Russland zuletzt nach Angaben aus Kiew Truppen konzentriert, um so in Richtung der Stadt Slowjansk im Donezker Gebiet vorzustoßen. Es gebe weiter russische Luftangriffe und Beschuss durch Raketenwerfer in mehreren Städten in den Gebieten Luhansk und Donezk.

Rund 1200 der 4500 am Donnerstag Evakuierten stammten aus dem belagerten Mariupol, weitere rund 2000 aus mehreren Städten im Gebiet Saporischschja, teilte Wereschtschuk mit. Aus dem Gebiet Luhansk im Osten des Landes seien aus den Städten Lissitschansk, Sjewjerodonezk, Rubischne und Kreminna zudem weitere rund 1400 Menschen evakuiert worden. Die ukrainische Regierung hatte Donnerstagfrüh landesweit zehn Fluchtkorridore angekündigt. Die Routen werden jeden Tag neu eingerichtet.

Gegenseitige Beschuldigungen
Aus Moskau hieß es, aus Mariupol seien binnen 24 Stunden mehr als 2000 Menschen ohne Beteiligung ukrainischer Behörden evakuiert worden. Russland und die Ukraine werfen sich immer wieder gegenseitig vor, die Evakuierung von Ortschaften und Städten zu sabotieren.

Briten: „Vollständiger Rückzug der Russen aus der Nordukraine“
Die russischen Streitkräfte haben sich nach britischen Angaben indes vollständig aus der Nordukraine nach Weißrussland und Russland zurückgezogen. Zumindest einige dieser Truppen würden in die Ostukraine verlegt, um in der Donbass-Region zu kämpfen, teilt das britische Verteidigungsministerium auf Basis von Informationen des Militärgeheimdienstes auf Twitter mit.

Behörden fanden 26 Leichen in Borodjanka
Unterdessen sind nach dem Rückzug russischer Truppen aus der nordukrainischen Stadt Borodjanka nach ukrainischen Angaben Dutzende Leichen in Wohngebieten entdeckt worden. „Allein aus den Trümmern von zwei Wohnblöcken wurden 26 Leichen geborgen“, erklärte Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa. Wie viele weitere Tote in der nordwestlich von Kiew gelegenen Stadt noch gefunden werden, sei „unmöglich vorherzusagen“.

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