Di, 14. August 2018

"Haben die Nase voll"

31.05.2011 12:09

Leiter von "Kunst im öffentlichen Raum" wirft das Handtuch

Nach der 50-prozentigen Kürzung der Mittel für die steirische "Kunst im öffentlichen Raum" werfen der bisherige Leiter des Instituts, Werner Fenz, sowie Projektkoordinatorin Evelyn Kraus das Handtuch. Sie gaben am Montagnachmittag ihre Kündigung bekannt.

"Unter diesen Umständen kann unser Anspruch von qualitätvoller Arbeit nicht mehr gesichert werden", begründete Werner Fenz am Dienstag die Entscheidung. Der Vertrag des 67-Jährigen wäre Ende 2011 ausgelaufen, Kraus war per Sondervertrag angestellt.

Fenz und Kraus: Kürzung "nicht rechtskonform"
Das im Jahr 2006 gegründete Institut wurde bisher als inhaltlich weisungsfreie Stabsstelle in der Geschäftsführung des Universalmuseum Joanneum (UMJ) geführt und wurde mit 1. Mai in die neue Abteilung "Kunst im Außenbereich" (die auch den "Österreichischen Skulpturenpark" südlich von Graz umfasst) eingegliedert. Finanzielle Grundlage für die Tätigkeit des Instituts ist ein auf Basis des steirischen Kultur- und Kunstförderungsgesetzes (2005) eingerichteter Fonds, in den jährlich ein Prozent der Ausgaben des Landes für sämtliche Bauten fließen sollten. Bei Gründung des Instituts im Oktober 2006 ist die Summe für dasselbe Jahr pauschal mit einer Million Euro festgelegt und in den folgenden Jahren fortgeschrieben worden. Die Kürzung ist aus Sicht von Fenz und Kraus "nicht rechtskonform". Nach der freiwilligen Kündigung der beiden verbleibt im Institut bis auf weiteres eine wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Während bisher 220.000 Euro in die Administration und 780.000 Euro jährlich für die vom Fach- und Förderbeirat beschlossenen Kunstprojekte flossen, sieht das Doppelbudget des Landes 2011/12 jährlich nur noch 500.000 Euro vor. "350.000 Euro sind für die Kunstprojekte und 150.000 für Verwaltung, Personal und Wartung der Kunstwerke vorgesehen", erläuterte Fenz. Vonseiten des UMJ wurde bereits eine Sekretärin abgezogen und vorgeschlagen, das Arbeitsausmaß der beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen auf 50 Prozent zu kürzen. "Wir waren bereit, die hohe Qualität zu halten, auch wenn gespart werden muss, aber so geht es nicht mehr. Wir haben die Nase voll von den Frechheiten gegen das Gesetz und gegen die Künstler", so Fenz. Er halte es für "unverantwortlich, unseren Auftrag, der uns bis vor Kurzem Weisungsfreiheit garantierte, unter den neu produzierten willkürlichen Bedingungen der Kulturpolitik und der Kulturverwaltung, zu der wir auch das Joanneum zählen, weiter - so, als ob nichts gewesen wäre - zu erfüllen".

"Hausinterne Lösung" wird gesucht
Vonseiten des UMJ bestätigte der wissenschaftliche Direktor Wolfgang Muchitsch den Eingang der Kündigung, die mit 1. Juni rechtswirksam werde. Für die Abwicklung der bereits laufenden sowie der erst in der Vorwoche neu beschlossenen rund zehn Projekte werde "eine hausinterne Lösung" gesucht. Welche Funktion dem Institut bzw. der Kunst im öffentlichen Raum in der Steiermark künftig zukommen solle, wolle man "noch im Sommer auf allen involvierten Ebenen" klären.

Bild: In die Stadt einschreiben (Ingeborg Strobl), eine Projektreihe des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark


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