15.03.2022 10:55 |

Walchs Schwung-Ansatz

Diese Tränen lügen nicht

Es gibt Momente, in denen man von Emotionen übermannt wird. Momente, in denen Tränen stärker sind als unser Wille. Man kämpft gegen sie an. Aber man hat keine Chance. Darum sind Tränen so ehrlich, darum lügen Tränen nicht. Es können Niederlagen, Verluste, Angst oder Schmerz sein, die sie auslösen. Oder paradoxerweise die genau gegenteiligen Situationen.

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Magdalena Egger hat diese Situationen in den vergangenen Tagen erlebt. Diese gegenteiligen. Und das gleich mehrfach. Als erfolgreichste Athletin aller Zeiten bei alpinen Junioren-Weltmeisterschaften kehrte sie am Freitag aus Kanada zurück, heim nach Lech. Mit im Gepäck: drei Gold- und zwei Silbermedaillen.

Sie hat wieder abgeliefert, hat all ihr skifahrerisches Können, ihre Routine und ihre mentale Stärke ausgespielt und triumphiert. Ich habe Maggy viel zugetraut, wusste, dass sie Großveranstaltungen liebt. Nach einer Saison, die nicht ganz nach Wunsch verlief, konnte aber nicht einmal sie selbst mit einer solchen Performance rechnen: „Dass es mir auch im Riesentorlauf so aufgeht, in der Disziplin, an der ich so hart gearbeitet habe, ist einfach nur berührend.“ Was das Ganze noch berührender für sie machte: ihr Vater konnte sich kurzfristig frei nehmen und live dabei sein. Gibt es etwas Schöneres? Kein Wunder, dass da Tränen flossen. Freudentränen natürlich.

Wer meine Kolumnen kennt, weiß, dass ich ein emotionaler Mensch bin. Tränen haben auch mich in meiner Zeit als Athlet begleitet. Sie gehören einfach dazu, sind Teil des Sports. Ein wunderschöner Teil, wie ich finde. Sie zeigen nämlich, wie viel einem all das bedeutet. Sie sind das Spiegelbild der harten Arbeit und der stärkste Ausdruck von Emotion. Tränen zuzulassen fiel mir nie leicht. Ich habe sie aber als sehr befreiend empfunden. In den unterschiedlichsten Situationen. Wenn beim Training einfach nichts funktionierte, ich vor Hilflosigkeit und Ärger nicht mehr klar denken konnte, halfen sie mir, meinen Kopf wieder freizubekommen. Und wenn andererseits nach einem hart erkämpften Sieg der ganze Druck endlich abfiel, brachten sie die langersehnte Entspannung.

Zeit für Entspannung ist bei Magdalena noch nicht angesagt. Durch ihre Siege bei der Junioren-WM stehen gleich drei Debüts beim Weltcupfinale in Courchevel zu. Sie wird in der Abfahrt, im Super-G und im Riesentorlauf an den Start gehen. Was schon mehrfach angesprochen wurde, zeigt sich immer klarer: Maggy ist eine Allrounderin und kann in allen Disziplinen schnell Skifahren. Worauf in Zukunft ihr Hauptfokus liegen wird, ist noch offen. Egal ob im Slalom oder in der Abfahrt: Ich bin mir sicher, sie wird uns noch viel Freude bereiten. Und für so manche Freudenträne sorgen.

Magnus Walch
Magnus Walch
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