02.02.2022 12:15 |

Studentinnen erlaubt

Taliban öffnen erste Unis seit Machtübernahme

Erstmals seit der Machtübernahme durch die Taliban vor rund einem halben Jahr haben in Afghanistan einige Hochschulen wieder ihre Tore geöffnet. Auch eine kleine Zahl an weiblichen Studentinnen nahm am Mittwoch an den Vorlesungen teil, die laut Angaben der Behörden einer strikten Trennung der Geschlechter unterliegen.

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„Wir sind froh, dass der Unterricht wieder begonnen hat“, sagte Zarlashta Haqmal, die an der Universität Nangarhar Rechts- und Politikwissenschaften studiert, der Nachrichtenagentur AFP. „Aber wir sind immer noch besorgt, dass die Taliban ihn wieder einstellen könnten.“ In Laghman betraten Mittwoch früh nur sechs Frauen die Universität. Alle trugen eine Burka, wie ein AFP-Reporter berichtete. Bewaffnete Taliban-Kämpfer bewachten den Eingang. Ein Mitarbeiter der Universität sagte, der Unterricht für Frauen finde am Vormittag und für Männer am Nachmittag statt.

Islamisten wollen moderater regieren
Die Taliban hatten nach ihrer Machtübernahme im August angekündigt, diesmal moderater vorzugehen als während ihrer ersten Herrschaft von 1996 bis 2001. Berichte über Frauen, die an der Rückkehr an ihre Arbeitsplätze gehindert werden, und Mädchen, die nicht in die Schule gehen können, schüren jedoch starke Zweifel an diesen Zusicherungen.

Die Wiedereröffnungen erfolgen eine Woche nach Gesprächen zwischen einer Taliban-Delegation und westlichen Diplomaten in Norwegen. Dort wurde einmal mehr betont, dass humanitäre und finanzielle Unterstützung an die Einhaltung der Menschenrechte im Land am Hindukusch geknüpft sei. Die humanitäre Krise in Afghanistan hat sich seit der Machtübernahme der Taliban drastisch verschärft. Nach Angaben der Vereinten Nationen leiden rund 55 Prozent der Afghanen Hunger. Angesichts der Krise hatte der UNO-Sicherheitsrat im Dezember die Ermöglichung humanitärer Hilfen für Afghanistan beschlossen. Allerdings soll die Hilfe nicht direkt in die Hände der Islamisten geraten.

Taliban nicht als Regierung Afghanistans anerkannt
Das Treffen in Norwegne stieß auch auf Kritik. Doch die Regierung in Oslo wurde nicht müde zu betonen, dass es sich dabei um keine Anerkennung der Taliban als Regierung Afghanistans gehandelt habe. Ein großer Teil der Bevölkerung Afghanistan sei auf humanitäre Hilfe angewiesen, um zu überleben, sagte Ministerpräsident Jonas Gahr Störe. Die Weltgemeinschaft könne daher nicht einfach zuschauen, sondern müsse im aktiven Dialog bleiben. Das bedeute keine Anerkennung der Islamisten als Regierung Afghanistans. Bisher hat kein Land der Welt die Taliban-Regierung anerkannt.

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