05.01.2022 05:45 |

Thema des Tages

Das ewige Leid mit dem Atomkraftwerk Krsko

Atomstrom soll „grün“ werden, das plant die EU. Anhand von Krško zeigt die „Krone“ einmal mehr Gefahren der Atomkraft auf.

Bestärkt dürfte sich der Krško-Konzern Gen Energija durch das Vorhaben der EU-Kommission fühlen – diese will, wie berichtet, Atomenergie als ökologische und nachhaltige Energiequelle einstufen. Der slowenische Energiekonzern möchte den veralteten Reaktor zwanzig weitere Jahre laufen lassen und damit noch einmal richtig Geld verdienen. Sogar ein zweiter Reaktor soll von Gen Energija errichtet werden. „Das wäre völlig absurd, ein Wahnsinn!“, sagte Atom-Experte Reinhard Uhrig von der Umweltschutzorganisation Global 2000 bei einem Besuch in der „Krone“-Redaktion im Juli 2021. Auch bei Landeshauptmann Peter Kaiser lassen diese Pläne die Alarmglocken schrillen – wir berichteten.

Atommeiler über vierzig Jahre alt
Doch nicht nur bei Umweltschützern und der heimischen Politik sorgen die Pläne der EU-Kommission und der Gen Energija für Kopfschütteln, auch Experten warnten in der Vergangenheit mehrmals vor dem über vierzig Jahre alten Atommeiler und dessen Gefahren. Denn das Kraftwerk befindet sich nur 70 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt und bringt ein hohes Gefahrenpotenzial mit sich. Das Alter, die Zwischenfälle und die geografische Lage sprechen für Experten klar gegen den Erhalt und den Ausbau des Atomkraftwerkes Krško.

Mitten auf einer Erdbebenzone errichtet
Kernreaktoren bergen von Haus aus eine Gefahr in sich, sind sich Kritiker einig. Diese Gefahr wird in Krško noch zusätzlich verstärkt, da es genau auf einer Erdbebenzone errichtet wurde. Slowenische Wissenschaftler errechneten, dass der Meiler maximal einer Erdbebenstärke von 7,0 auf der Richterskala standhalten würde. Das schwere Erdbeben im Dezember 2020 in Kroatien wies eine Stärke von 6,4 auf und war nur 85 Kilometer von Krško entfernt – also an der Belastungsgrenze.

Sechs Störfälle im Reaktorblock
Der slowenische Reaktor ist nicht nur einer Gefahr aus der Tiefe ausgesetzt. Die veraltete Technik von Krško führt immer wieder zu Störfällen. 2017 musste das letzte Mal eine Notabschaltung durchgeführt werden, da es zu einem Fehler an einem Entlastungsventil gekommen war. Von 1989 bis dato kam es zu insgesamt sechs Störfällen im Reaktorblock – klingt zwar wenig, aber jeder Störfall könnte zum befürchteten Super-Gau führen, sind sich Umweltschützer einig.

Trotz aller Kritik bewirbt der slowenische Stromlieferant Kernenergie als „sichere und kohlenstoffarme Energiequelle“. Immerhin produziert das Atomkraftwerk Krško mit einer Leistung von 696 Megawatt rund 40 Prozent des benötigten Stroms von Slowenien.

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