31.12.2021 14:00 |

Steiermark History

Darum beginnt das neue Jahr am 1. Jänner

Heute um Mitternacht feiern wir den Jahreswechsel - das war aber nicht immer so: Für die Römer startete das Jahr am 1. März. Danach gab es zwei Kalenderreformen, die letzte sorgte für Wirbel in der Steiermark.

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Datteln, Feigen und Honig - diese süßen Leckereien verschenkten die alten Römer am 1. März. Zur Feier des Tages wurde im Tempel der Vesta auch das heilige Feuer entzündet. Doch was war der Grund der kollektiven Freude? Die Menschen zelebrierten den Jahresbeginn. Wenn die Bauern mit der Aussaat begannen, startete auch das altrömische Jahr. Es zählte lediglich zehn Mondmonate, was sich noch heute an den Monatsnamen September (der von März gerechnete siebente Monat des Jahres) und Dezember (der zehnte) ablesen lässt.

Der große Feldherr und Staatsmann Gaius Julius Cäsar jedoch machte Schluss mit dieser Zählung, führte den nach ihm benannten julianischen Kalender ein - und verlegte den Beginn des neuen Jahres kurzerhand auf 1. Jänner. So wie wir ihn heute kennen.

Doch im 16. Jahrhundert gab es Ärger: Der im Vergleich zum Sonnenjahr etwas längere julianische Kalender hinkte dem Jahreslauf der Sonne bereits um zehn Tage nach. So passierte das Kuriosum, dass Ostern in einigen Regionen unterschiedlich berechnet und gefeiert wurde. Eine neue Reform musste her!

Als „Retter“ des christlichen Abendlandes und seiner Feste sollte Papst Gregor XIII. auftreten. Mit einer Bulle vom 24. Februar 1582 verordnete er vom Heiligen Stuhl herab den gregorianischen Kalender. „Das Greifbarste an dieser Einrichtung war, dass zehn Tage förmlich gestrichen wurden. Sie sollte im Oktober 1582 beginnen, und zwar statt des 5. gleich der 15. gezählt werden“, schrieb Josef von Zahn, Gründer des Steiermärkischen Landesarchivs, im 19. Jahrhundert.

In Graz entbrannte ein heftiger Kalenderstreit
„Die katholischen Staaten nahmen die Neuerungen an, nicht jedoch die protestantischen, obwohl die evangelischen Astronomen Johannes Kepler und Tycho de Brahe sie befürworteten“, weiß Alois Kernbauer, Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Uni Graz.

Und was geschah in der Steiermark? Hier entbrannte ein wilder Kalenderstreit. Denn die innerösterreichische Regierung in Graz war das erste Land des Heiligen Römischen Reiches, das - ein Jahr nach der päpstlichen Anordnung - seinen Kalender gleichsam über Nacht umstellte. Wie durch Zauberhand sollte auf den 5. Oktober der 15. Oktober 1583 folgen. Damit wurden die protestantischen Landstände eiskalt erwischt - und wehrten sich gegen die forsche Überrumpelungstaktik von „ganz oben“. Ins Visier geriet Erzherzog Karl - aber auch Aushänge zur Zeitumstellung an der Grazer Burg und dem Paulustor, die einfach herabgefetzt wurden.

„Ein protestantischer Theologe nützte die Reform zur Polemik. Darin zeige sich die ganze Verdorbenheit des Papstes, der der wahre Antichrist sei. Denn er wolle damit den Weltuntergang um zehn Tage früher herbeiführen“, berichtet Kernbauer.

Im Dezember 1583 kam der Landtag zusammen, bei dem die Kalenderreform freilich am Tapet stand. Erzherzog Karl verbot sich ausufernde Diskussionen darüber - und hatte auch gleich eine Strafe parat: 1000 Dukaten für Zuwiderhandeln.

„Keine Neuerungen von Ketzern mehr vornehmen“
Der Landtag gab klein bei und seinen Sanctus zum neuen Kalender. Die Mandatare hielten aber fest, den Kalender „nur aus Gehorsam und nicht der Strafandrohung wegen angenommen“ zu haben und baten, „künftig solche von Ketzern stammende Neuerungen nicht mehr vorzunehmen“.

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