Linhart in Usbekistan

„Humanitärer Korridor“ nach Afghanistan geplant

Politik
08.11.2021 09:53

Usbekistan stellt einen „humanitären Korridor“ in Aussicht, um diese Hilfe in das Nachbarland Afghanistan zu bringen, erklärte Außenminister Abdulasis Kamilow am Montag nach einem Treffen mit seinem österreichischen Amtskollegen Michael Linhart (ÖVP) in der Hauptstadt Taschkent. Dieser Korridor soll die Hilfsgüter über die Grenze bringen. „Wir wissen, dass die Lage in Afghanistan schwierig ist und wollen eine innere Eskalation vermeiden“, stellte Kamilow fest. Usbekistan sei ein ganz wichtiger Partner in der Region, bekräftigte Linhart. Ziel sei der gemeinsame Kampf gegen Terrorismus, organisierte Kriminalität und Menschenhandel.

Es gebe da „Kontakte in verschiedene Richtungen und Erfahrungen, die genutzt werden können, um über die Situation mehr Informationen zu bekommen“, sagte Linhart und erinnerte daran, dass Österreich selbst bereits 20 Millionen Euro für humanitäre Hilfe gespendet und sich auch an der Gabe von einer Milliarde Euro seitens der EU beteiligt habe. Er bedankte sich aber auch dafür, dass Usbekistan bei der Evakuierung von Österreichern aus Afghanistan geholfen habe. Dies sei ein „starkes Zeichen“ der Freundschaft gewesen.

150.000 Dosen AstraZeneca für Usbekistan
Kamilow erklärte seinerseits, sein Land wisse das humanitäre Engagement Österreichs zu schätzen. Ebenso wie die 150.000 Dosen AstraZeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus, die Linhart im Rahmen seiner Zentralasienreise für Usbekistan zumindest bildhaft im Gepäck hatte.

Usbekistan ist mit 35 Millionen Einwohnern das größte und einflussreichste Land in der Region rund um Afghanistan. Präsident Schawkat Mirsijojew wurde Ende Oktober mit 80,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt, wobei die Wahl keineswegs westlichen Demokratiestandards entsprach. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stellten „erhebliche Unregelmäßigkeiten“ fest und kritisierten den Ausschluss der Opposition.

Bilaterales Wirtschaftsforum als weiterer Schritt Richtung Westen
Mirsijojew hat die frühere Sowjetrepublik bereits nach dem Tod von Diktator Islam Karimow 2016 in Richtung Westen geöffnet und will ihr weitere liberale Reformen verordnen. Dies erfolgt hauptsächlich aus einem Pragmatismus, der erkennt, dass das Land sonst wirtschaftlich nicht vorankommen kann. Daher findet am Montag ein bilaterales Wirtschaftsforum statt, das aus österreichischer Sicht auch unter dem von Außenministerium und Wirtschaftskammer Österreich lancierten Corona-Wiederaufbauprogramm „ReFocus Austria“ steht.

Jetzt, wo die Corona-Pandemie „einigermaßen im Griff“ sei, gelte es den Blick nach vorne zu richten, bekräftigte Österreichs Außenminister. Die diesbezüglichen Beziehungen seien durchaus ausbaufähig, waren sich die beiden Chefdiplomaten einig und unterzeichneten auch ein Kooperationsabkommen.

Turkmenistan nächste Station für Linhart
Am Nachmittag wird Linhart in Taschkent mit Vertretern der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und der 1999 gegründeten „International Islamic Academy of Uzbekistan“ zusammenkommen. Am Abend erfolgt die Weiterreise nach Turkmenistan. Das von Präsident Gurbanguli Berdimuchamedow totalitär geführte Land gilt in der Region als das „Nordkorea Zentralasiens“.

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