15.10.2021 06:00 |

Heute großer Gipfel

Personalmangel: Im Pflegebereich brennt der Hut

Seit Jahren wird gewarnt, nun scheint der Personalmangel in der Pflege dramatisch zu werden. Nach eineinhalb äußerst fordernden Corona-Jahren werfen viele das Handtuch, dazu gehen geburtenstarke Jahrgänge in Pension - und viel zu wenig Nachwuchs kommt nach. Verzweifelt wird versucht, entgegenzusteuern. Die steirische Landesregierung lädt am Freitag etwa zu einem großen Pflegegipfel.

„Ich kann nicht mehr.“ Ein Satz, den Beatrix Eiletz immer öfter hört. Die Gewerkschafterin ist Landesvorsitzende bei den Gesundheits- und Sozialberufen und erlebt viele Pflegekräfte, die aussteigen und sich einen anderen Job suchen. Neue Mitarbeiter zu bekommen, ist schwierig. Viele Betten in Heimen müssen leer bleiben.

„Die Personalsituation war auch schon vor Corona angespannt. Dann kam die Pandemie. Viele haben das noch durchgetaucht, aber jetzt geben sie auf“, erzählt Eiletz. Was vielen besonders zu schaffen macht: Sie haben kaum mehr Zeit, sich wirklich um die Bedürfnisse der Älteren und Gebrechlichen zu kümmern. Der Druck und der administrative Aufwand sind einfach zu groß geworden.

Auch die Spitäler kämpfen um Personal
Auch die Landeskrankenhäuser mit 10.000 Pflegekräften verzeichnen derzeit einen „etwas erhöhten Abgang“, sagt Zentralbetriebsrat Michael Tripolt. Um Nachwuchs wird gekämpft: 50 Neuzugänge gab es im Oktober, weitere 30 folgen.

Langfristige Sperren von Abteilungen aufgrund von Personalmangel gibt es laut Kages noch nicht. In den Ferien waren aber einige Stationen in den LKH vorübergehend geschlossen.

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Seit Jahren wird vor dem Mangel an Pflegekräften gewarnt, passiert ist aber gerade in letzter Zeit gar nichts.

Kages-Betriebsratsvorsitzender Michael Tripolt

Die Lage wird sich weiter zuspitzen
Als eine Wurzel des Übels bezeichnet Betriebsrat Michael Tripolt die „verbockte“ Reform der Pflegeberufsgruppen 2016. Es fehle an Akzeptanz und auch an Ausbildungsplätzen. Hier wird zwar entgegengesteuert - doch das mache sich erst in einigen Jahren bemerkbar. Bis dahin wird sich die Lage wohl weiter zuspitzen.

Fakten

Wie viele Pflege-Ausbildungsplätze gibt es an der Fachhochschule Joanneum?
Seit 2016 gibt es das FH-Bachelorstudium „Gesundheits- und Krankenpflege“. Zuletzt waren es 144 Anfängerplätze, seit heuer sind es 216 - der Ausbau wurde vom Land um ein Jahr vorgezogen. Ein weiterer Standort in Kapfenberg ist in Planung.

Welche Ausbildung ersetzt das FH-Studium?
Die schulische Ausbildung „Gehobener Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege“, die es nur noch bis 2024 gibt. Das Land startet angesichts des akuten Personalmangels im nächsten Frühjahr noch einmal diese dreijährige Ausbildung im alten Modus in Graz und Leoben.

Welche weiteren Maßnahmen werden gesetzt?
Es gibt auch verkürzte Ausbildungen für Pflegeassistenzberufe an den Standorten Frohnleiten, Stolzalpe und Bad Radkersburg - in Summe 100 Plätze. Dazu wird die Pflegestiftung des Sozialressorts bis Ende 2023 verlängert und um 350 weitere Plätze aufgestockt. 

„Man muss endlich ins Tun kommen
Am Freitag findet auf Einladung der Landesregierung ein großer Pflegegipfel statt, bei dem auch eine Studie zur Übersterblichkeit in steirischen Heimen während der Corona-Hochphase und der Untersuchungsbericht zum Pflegeheim Tannenhof im Mürztal vorgestellt wird.

Die Botschaft von Gewerkschafterin Eiletz im Vorfeld des Treffens ist klar: „Es gibt schon 100.000 Studien und Forderungskataloge. Man muss aber endlich ins Tun kommen, es besteht dringender Handlungsbedarf!“

Jakob Traby
Jakob Traby
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