10.09.2021 14:45 |

Schmutziges Geheimnis

Amazon-Zentrum in Mexiko sorgt für Aufregung

Bilder eines Amazon-Lagers inmitten eines Elendsviertels im mexikanischen Tijuana sorgen derzeit in den USA und darüber hinaus für Aufregung. Grund: Der weltgrößte Online-Händler soll dort für US-Kunden bestimmte Waren aus China zerlegen bzw. umverpacken, um sie dann unter Umgehung der ansonsten fälligen Zollkosten in die USA zu transportieren.

„Das wertvollste Unternehmen der Welt, dessen Besitzer zum Spaß ins Weltall geflogen ist, entwickelt eine Anlage in einem Slum in Tijuana, nutzt superausgebeutete Arbeitskräfte und eine Klausel, um Waren steuer- und kontrollfrei einzuführen, um sein Einzelhandelsmonopol auszuweiten, während die Arbeitnehmer 60-Stunden-Wochen, obligatorische Überstunden und bestrafende Megaschichten leisten? Das ist Kapitalismus“, schreibt Charmaine Chua auf Twitter - und sorgt damit für mächtig Wirbel.

Zoll-Schlupfloch
Chua ist Assistenzprofessorin an der Fakultät für Global Studies an der University of California in Santa Barbara. In einer Reihe von Tweets berichtet sie unter Berufung auf Recherchen des Doktoranden Spencer Potiker, wie Amazon - moralisch zwar fragwürdig, aber ansonsten ganz legal - Zollkosten in Millionenhöhe umgeht, indem der Online-Händler aus den USA in China bestellte Ware zunächst in einem Verteilzentrum im mexikanischen Tijuana „umverpackt“.

Die Waren werden demnach dort auf Päckchen und teils sogar Tragetaschen verteilt, deren Wert jeweils unter 800 Dollar liegt - die seit einem 2016 zwischen beiden Ländern geschlossenen Handelsabkommen geltende Zollfreigrenze für die Einfuhr von Waren aus Mexiko in die USA. Anschließend würden die Waren in das nur 24 Minuten entfernte Amazon-Zentrum Otay Mesa im kalifornischen San Diego über die US-Grenze gebracht, wo sie dann wieder zusammengeführt und versandt würden.

Direkteinfuhr aufgrund von Strafzöllen zu teuer
Hintergrund sei, so Chua, dass der direkte Handel zwischen den beiden Ländern durch die von Ex-US-Präsident Donald Trump auferlegten Strafzölle für Waren aus China für E-Commerce-Unternehmen zu teuer geworden sei. „Das neue Werk in Tijuana ist nicht dazu da, den lokalen Markt zu bedienen. Es wird superausgebeutete mexikanische Arbeitskräfte beschäftigen, um Waren für den Import über die Grenze zu zerlegen“, kritisiert Chua.

Amazon verweist auf Arbeitsplätze
Gegenüber amazon-watchblog.de erklärte ein Amazon-Sprecher, dass das Unternehmen in Mexiko mehr als 15.000 Arbeitsplätze, davon 250 in Tijuana, geschaffen habe. Dies seien „gute Jobs mit wettbewerbsfähigen Gehältern und Zusatzleistungen“, die den Gebieten helfen würden, „zu wachsen und eine bessere Zukunft aufzubauen“. 

Dem hält Chua dagegen: „Amazon wird von den Befürwortern für die Schaffung von Arbeitsplätzen gelobt, wird aber mehr stabile Arbeitsplätze vernichten, als es jemals schaffen könnte? Das ist Kapitalismus, alles klar.“

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