13.03.2019 01:00 |

Luxus ist relativ

Dacia Duster: So viel Auto gibt‘s um so wenig Geld

Autos werden immer teurer und für viele von uns immer weniger leistbar. Zumindest, wenn man ein wenig Ausstattung, Platz haben will. Und vielleicht auch noch Allradantrieb, der oft auch noch mit teureren Ausstattungen verbunden ist. Ja, und dann gibt es da den Dacia Duster, der einen gewissen Luxus tatsächlich leistbar macht.

Jetzt werden viele sagen, ein Dacia ist doch kein Auto, sondern eine billige Schüssel, die sich schlecht fährt. Weit gefehlt! Ja, billig ist er, aber so unangenehm die erste Generation des Duster noch zu fahren war mit ihrem schaukeligen Fahrwerk und der völlig gefühllosen Lenkung - das aktuelle Dacia-SUV macht das richtig gut.

Aber schauen wir uns den Rumänen erst einmal an:
Nicht einmal das Design wirkt billig. Klar, von LED-Scheinwerfern träumen Dacia-Fahrer nur, aber der Wagen hat stimmige Proportionen, einen adäquaten Kühlergrill, Unterfahrschutz für die Optik vorne und hinten und geschmackvolle Heckleuchten, die an den Jeep Renegade erinnern. Die Plastik-Luftauslässe an den vorderen Kotflügeln sind Attrappen.

Allradantrieb und Topausstattung
Es handelt sich beim Testwagen um einen Allradler mit dem aktuellsten Dieselmotor (115 PS stark, Euro-6d-temp-konform) und der Topausstattung namens Charisma. Echtes Charisma kann man zwar nicht erwarten, aber dafür rote Akzente im Innenraum und jede Menge Ausstattung.

Die erste Überraschung höre ich schon, als ich auf das Fahrzeug zugehe: Die Zentralverriegelung entriegelt, noch bevor ich die Hand zum Türgriff ausstrecke. Das fängt ja gut an bei einem dezidierten Billigauto. Und es geht weiter mit Ausstattungshighlights: 17-Zoll-Alufelgen, Klimaautomatik, Navitainment samt DAB und Apple CarPlay, Sitzheizung, eine Schublade unter dem Beifahrersitz, Parksensoren hinten und sogar vier Kameras rundum (einzeln anzuwählen, kein Birdview). Kurz: Es ist eigentlich alles da, was man braucht.

Die größte Überraschung ist dann bereits der Preis: 22.475,85 Euro, laut Liste, inklusive Mehrwertsteuer und sieben Prozent NoVA. Darin enthalten sind 317,60 Euro für drei Kameras seitlich und vorne (die hintere ist ab „Prestige“-Serie), 88,90 Euro für ein vollwertiges Reserverad, 215,90 für die Sitzheizung und 463,55 für die „Metallisée-Lackierung Fusion-Rot“.

Ein paar Kompromisse gibt es schon
Wo man Abstriche machen muss, ist natürlich bei den Materialien. Das ist alles billiges, hartes Plastik ohne Anspruch auf Luxus oder fancy Design. Aber: Immerhin hat die Klimakontrolle metallene Drehregler. Ein Hauch von Luxus sogar bei den Materialien! Man kann es hier gut aushalten. Die Sitzposition ist okay, der Fahrersitz höhenverstellbar. Im Detail merkt man klarerweise, dass man nicht in einem Mercedes sitzt. So ist der Schalter für die Sitzheizung nur fummelig seitlich am Sitz erreichbar, außerdem hat sie nur eine Stufe - und die heizt ziemlich ein. Auch das Anschnallen ist etwas fummelig, weil das Gurtschloss am Fahrersitz an einer Art Peitsche angebracht ist und so hoch liegt, dass die Armlehne im Weg ist. Und der Fensterheber hat nur an der Fahrertür eine Automatikfunktion - hier hätten sie eigentlich nicht sparen müssen.

Nicht gespart wird beim Platzangebot des 4,34 Meter langen Kompakt-SUV. Mehr als 400 Liter Kofferraum, fast 1600 Liter, wenn man die geteilten Rücksitzlehnen umklappt. Ohne Reserverad ist es sogar noch mehr. Man muss nur beim Lehnenaufstellen aufpassen, dass man den Gurt nicht einklemmt.

Auch auf der Rückbank herrscht keine übertriebene Enge, hier kommen sogar groß Gewachsene hinter ebensolchen zurecht.

Gewöhnungsbedürftig beim Fahren
Wie eingangs erwähnt: Der neue Dacia Duster fährt sich deutlich besser als sein Vorgänger. Das Fahrwerk ist sehr komfortabel abgestimmt und lädt nicht zum Kurvenräubern ein. Wer zu schnell ums Eck will, bekommt es mit Untersteuern und starker Seitenneigung zu tun, aber es bleibt alles in einem sicheren Rahmen. Auch die Lenkung macht einen guten Job. Und 10,15 Meter Wendekreis sind hervorragend für ein Allrad-SUV.

Wirklich gewöhnungsbedürftig ist nur die Getriebeabstufung. Die ist im Allrad-Dacia so wie bei keinem anderen Auto. Weil: Der erste Gang ist extrem kurz übersetzt und fungiert als eine Art Untersetzung im Gelände. Der zweite Gang wiederum ist eine Spur länger übersetzt als ein normaler erster Gang. Die übrigen Gänge sind dann eben auch etwas anders als gewohnt. In der Praxis fährt man im zweiten Gang an, was besser funktioniert als bei der ersten Duster-Generation, als man jedes Mal extrem die Kupplung beleidigt hat. Aber es dauert einige Zeit, bis man im Gefühl hat, wann welcher Gang dran ist.

Bei der Frontantriebsversion gibt es ein ganz normal gestuftes Getriebe. Die brauchbare Bodenfreiheit von 21 Zentimetern gilt aber für alle.

Angenehmer Motor
Der neue 115-PS-Dieselmotor im Duster ist absolut angenehm, weil er so unauffällig ist. Richtig leise. Außerdem hat er einen Harnstoff-Kat und erfüllt die Euro-6d-temp-Abgasnorm. Verbrauchsmäßig bin ich bei 6,6 Litern im Schnitt. Mit einem cW-Wert von 0,42 und Allradantrieb geht‘s wohl nicht besser.

Vor allem mit der speziellen Getriebeabstufung stört nur, dass er erst über 2000 Touren wirklich kräftig zieht, da wird das maximale Drehmoment von 260 Nm erreicht. Den Standardsprint absolviert das (ohne Fahrer) 1456 kg schweere SUV in 12,1 Sekunden, das Maximaltempo liegt bei 175 km/h. Auch das ist dem Luftwiderstand geschuldet.

Noch ein Wort zur Bedienung
Die Entertainmentbedienung funktioniert wie in handelsüblichen Renaults (in vielen Ländern wird der Duster auch als Renault verkauft) per Bediensatellit am Lenkrad. Der Touchscreen ist okay, für einen reibungslosen Umgang mit der Menüführung braucht man aber ein wenig Forschergeist. Nicht alle Punkte heißen so, wie man es erwartet, bzw. verbirgt sich hinter manchen Begriffen Unerwartetes. Unter „Ton“ findet man etwa nicht die Klangeinstellungen für die Musik, sondern die Lautstärkeeinstellung für Navi, Systemtöne etc.

Apropos: Der Radarwarner piepst penetrant bis zur vermuteten Radarfalle, wenn man laut Tacho schneller als erlaubt fährt. Aber erstens geht der Tacho wie üblich ein wenig vor, zweitens kommt es vor, dass das Auto von einem falschen Tempolimit ausgeht, und drittens warnt der Duster auch vor Stellen, wo die fest installierte Radarfalle schon vor Jahren abgebaut wurde (z.B. A22 Richtung Norden, nach der Brigittenauer Brücke).

Unterm Strich
Wer mit den Schrullen des Duster, wie etwa der Getriebeübersetzung, zurechtkommt, wird seine Freude haben. Es ist natürlich alles ein wenig einfacher gestrickt als anderswo, aber so viel Auto um so wenig Geld bekommt man sonst nicht.

Warum?
Unschlagbarer Preis für einen derart gut ausgestatteten Diesel-Allradler
Man muss sich mit ihm auch optisch nicht verstecken
Sehr komfortables Fahrwerk

Warum nicht?
Das mit dem Getriebe sollte man dringend vor einem etwaigen Kauf ausprobieren
Keine Automatik verfügbar

Oder vielleicht …
… auf Allrad verzichten? Dann gibt‘s mehr Kofferraum, deutlich bessere Fahrleistungen und ein normales Getriebe. Und das um 2000 Euro weniger.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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