01.06.2021 12:28 |

Regierungsklausur

Den Preis-Wahn beim Wohnen durchbrechen

Die Neue Heimat Tirol zeigte beim Projekt Pradl-Ost in Innsbruck, wie leistbares Wohnen funktioniert. Die schwarz-grüne Koalition berät bei einer Regierungsklausur am Dienstag über die Novelle der Wohnbauförderung. Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt sich anhand der Entwicklung in Innsbruck, wo eine Garconnière um 360.000 Euro verkauft wurde.

Zehntausend Euro pro Quadratmeter im Neubau: Diese haarsträubenden Preise sind leider kein Einzelfall. Die „Krone“ berichtete in der Vorwoche über einen Fall im Speckgürtel Innsbrucks, wo für 100 Quadratmeter Neubauwohnung eine Million Euro verlangt wird.

Blindkauf um 360.000 Euro
In Innsbruck werden mittlerweile astronomische Preise nicht nur verlangt, sondern auch bezahlt. Eine Neubau-Garconnière wurde um 350.000 Euro angeboten – für 40 Quadratmeter. Ein Käufer (Name der Redaktion bekannt) wurde trotzdem rasch gefunden, doch er kam nur deswegen nicht zum Zug, weil ein anderer Interessent blindlings 360.000 Euro geboten hat, ohne die Pläne auch nur einmal gesehen zu haben!

Alte Siedlungen weichen Neubauten
Über Auswüchse wie diese kann Markus Pollo, GF der Neuen Heimat Tirol, nur den Kopf schütteln. Dennoch ist auch er in der Preisspirale gefangen. „Es wird für uns immer schwieriger, Grundstücke zu erwerben“, erklärt er beim Lokalaugenschein in Pradl-Ost in Innsbruck. Hier wurden vorhandene Grundreserven in Form alter Südtirolersiedlungen neu verbaut und die Wohnfläche fast verdoppelt. „Wir sind voll in den Planungen für die dritte und vierte Baustufe mit rund 180 weiteren Wohnungen. Der Baustart soll spätestens 2023 erfolgen.“

Reform der Wohnbauförderung
Bei einer Klausur Dienstag Abend unternimmt die Landesregierung nun einen weiteren Anlauf, den Preis-Wahn zu durchbrechen oder zumindest zu verlangsamen: Auf der Agenda steht die Reform der Wohnbauförderung. „Um Wohnraum in Tirol wieder leistbar zu machen, müssen wir an vielen Schrauben drehen und ein Bündel an Maßnahmen setzen“, erläutert VP-Wohnsprecher Dominik Mainusch. Das Reformpaket umfasst 47 Millionen Euro.

Grüne: „Korrigierend eingreifen“
Bei den Tiroler Grünen hat man zuletzt eher reserviert auf die Frage reagiert, ob die Regierungsklausur einen Durchbruch bei leistbarem Wohnraum bringen werde. „Wo der Markt versagt, da muss die Politik korrigierend eingreifen. Die davongaloppierenden Preise müssen eingefangen werden“, sagt der grüne Wohnsprecher Michael Mingler.

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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