5010 Exemplare in OÖ

Zu Besuch in der weltgrößten Gartenzwerg-Sammlung

Helga und Sepp aus dem oberösterreichischen Pfaffstätt haben in über drei Jahrzehnten die weltweit größte Sammlung an Gartenzwergen zusammengetragen. Eine einzigartige Schau, vom biederen Schubkarrenschieber mit der roten Mütze bis Lewis Hamilton im Mercedes. Besucher kommen aus dem Staunen nicht heraus. Zwerg an Zwerg an Zwerg an Zwerg an Zwerg.

Es war eine Schreckensmeldung, die von der altehrwürdigen BBC Mitte April in die Welt hinausgeschickt wurde: „In Großbritannien sind die Gartenzwerge ausverkauft!“ Vom Gartencenter in Gloucestershire kam die Bekräftigung: „Wir haben seit sechs Monaten keinen Gartenzwerg mehr gesehen!“ Ja wie konnte das denn geschehen? Ein englisches Gartencenter ohne Gartenzwerg? Nun, im Corona-bedingten Lockdown war die Nachfrage nach den Kleinen riesig gestiegen, und dann kamen noch Lieferschwierigkeiten dazu. Die Briten waren über diesen Mangel not amused, gilt doch ein englischer Garten ohne entsprechenden Rasen und einen Gartenzwerg darauf als unvollständig.

Helga Eidenhammer und Sepp Schmölzer im oberösterreichischen Pfaffstätt hingegen können sich nicht über einen Mangel an rotmützigen Gartenbewohnern beklagen. Das Willkommensschild über der Haustür vermerkt es: „Hier wohnen Helga, Sepp & 5010 Zwerge“. Die Ziffern können je nach aktuellem Stand umgesteckt werden, schließlich herrscht bei einer so großen Zwergenschar ein stetes Kommen und Gehen. Genauer: mehr Kommen als Gehen. Die Begründer dieser fröhlichen Gartenzwerge-WG: „Etwa ein Drittel unserer Sammlung haben wir von Freunden und Besuchern geschenkt bekommen. Zu uns kommen Menschen von überall her, aus Deutschland etwa Gruppen von Gartenbauvereinen. Gartenzwerge aus Überraschungseiern haben uns die Kinder der Volksschule gebracht.“

Wie begann das mit Helga und den kleinen Männern? „Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich war zwölf Jahre alt und bei meiner Tante Kathi auf Besuch. Sie hatte einen Gartenzwerg, und ich konnte mich nur unter Tränen von ihm trennen. Als ich wieder zu Hause war, habe ich gesehen, dass sie ihn mir ins Gepäck gepackt hatte.“ Die nächste große Liebe war Sepp aus dem Mölltal, den sie vor 36 Jahren bei einer Geburtstagsfeier kennengelernt hatte und der ihr schon bald einen Gartenzwerg schenkte. Um sage und schreibe 3000 Schilling. „Das war damals sehr viel Geld!“ Den Gartenzwerg gibt es bis heute, und die Liebe hält bis heute.

Die Zwergen-WG: klassische Biedermänner und skurrile Typen
Seit über 30 Jahren sammeln die beiden nun gezielt, und diese Sammlung kann sich sehen lassen. In Wikipedia wird sie als die größte der Welt bezeichnet. Neben dem klassischen Zwerg, der in siebenfacher Ausführung dem Schneewittchen zu Diensten ist, findet sich jede Menge arbeitsfreudiger Biedermänner und skurriler Typen. Man kann immer nur schauen und schauen und entdeckt doch stets wieder etwas Neues. Hier kurvt Sebastian Vettel im Ferrari, dort Lewis Hamilton im Mercedes, daneben Mister Obercool auf der Harley und der Bauer auf dem Traktor. Der Müllmann steht neben der Mülltonne, der Zwergenpilot kreist in der Propellermaschine über der Haustür, im Apfelbaum schwingt sich Zwergentarzan von Liane zu Liane, und über der Garage befindet sich Superman im Anflug. Wenn man den Kirchenplatz hinauffährt, wird man von einer stattlichen Zwergenparade begrüßt.

Das Haus ist ein einzigartiger Anblick mit Zwergen bis unter den letzten Dachsparren. Sie sind nach Themengruppen geordnet. Die Wikinger auf ihrem Schiff neben den Flößern und Ruderern und dem Faulenzer in der Wanne. Die Musiker, die Fußballer und im Rasen Zwerge & Crime: ein Zwergen-Mordopfer mit Messer im Rücken. Im Haus ist nur das Schlafzimmer zwergenfrei (d. h. bis auf die Bettwäsche), der selbst gemachte köstliche Apfelstrudel wird mir auf einer Zwergentischdecke serviert.

Im Oktober wäscht Zwergenlogistikerin Helga jeden einzelnen Knirps und verstaut ihn bis zum April platzsparend im Container. Sepp, „der einzige Mann im Haus ohne Zipfelmütze“, hilft dabei. Wie soll es mit dieser grandiosen Sammlung später weitergehen? „Am liebsten möchten wir, dass sie hier im Ort bleibt, vielleicht in einem kleinen Museum.“ Es sind eben echte Pfaffstätter Zwerge. Sie wollen sich nicht, wie so manch andere Exemplare, oft auch unerlaubt von ihren Besitzern, auf die Reise machen.

Helgas Gartenzwerge gehen nicht auf Reise
Bekanntestes Beispiel ist der Gartenzwerg aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“, der auf Weltreise ging und von überall her Ansichtskarten schickte. Helga hält nichts von fernwehgeplagten Zwergen. „Ich bemerke sofort, wenn einer fehlt.“ (Sicherheitshalber gibt es auch eine Kamera.) Es gibt ja auch wirklich keinen Grund, diese einzigartige Gartenzwerge-WG unter der liebevollen Obhut von Zwergerlhelga und Oberzwerg Sepp zu verlassen.

Katharina Messner, Kronen Zeitung

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