25.04.2021 06:00 |

„Ultimate Collection“

Erinnerungen an John Lennon früh nach den Beatles

1970 nahm John Lennon sein erstes Album nach dem Ende der Beatles auf. Herausgekommen ist mit „John Lennon/Plastic Ono Band“ ein raues, ehrliches Werk ohne kunstvollen Aufputz. „Es war fantastisch“, sagte Klaus Voormann, oft als fünfter Beatle bezeichnet, über die Sessions anlässlich der Veröffentlichung einer „Ultimate Collection“ mit neuen Mixes und Bonusmaterial aus dem Archiv. „Das war das erste Mal, dass ich John wirklich glücklich erlebte.“

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„Er war glücklich mit Yoko und immer noch total aufgedreht von der Schreitherapie, die beide gemacht hatten. John war begierig, diese Songs aufzunehmen. Er weinte, er lachte, er hatte Spaß, er umarmte Yoko, und er war nett zu uns. Die Stimmung war wunderbar“, erinnerte sich der deutsche Musiker und Grafiker, der am 29. April seinen 83. Geburtstag feiert.

Fokus auf John
„John Lennon/Plastic Ono Band“ zählt zu den wichtigsten Klassikern der Popgeschichte. „Man wird dieses Album nie vergessen. Es ist ein Meilenstein“, betonte Voormann in einer Online-Präsentation der Neuausgabe (seit 23. April im Handel). Die „Ultimate Collection“ beinhaltet das Werk im zeitgemäßen Sound: „Es geht allein um John, lautete der Auftrag von Yoko Ono“, berichtete Paul Hicks, einer der Remixer. „Wir verhielten uns sehr respektvoll gegenüber dem Original. Wir haben aber Johns Stimme klarer hervorgehoben.“

Behutsam aufpoliert wurden auch Outtakes, Demos und Session-Mitschnitte. Eine Auswahl findet man auf einer Doppel-CD-Version des Albums. Auf Fans wartet außerdem eine „Super Deluxe Edition“ mit sechs CDs (sechs Stunden Musik) und zwei Blu-Ray-Audio-Discs (elf Stunden Material) sowie einem Buch und Poster. Von den zahlreichen erstmals offiziell zugänglichen Schätzen hob Hicks eine bisher unbekannte Version von „Cold Turkey“ hervor. Hicks fertigte auch einen Dolby Atmos Mix des Albums an: „Das ist eine Herausforderung, wenn man es mit mehr Lautsprechern als Tonspuren zu tun hat“, lachte er.

Kein Thema
Rückblickend auf die Sessions betonte Voormann, dass die Beatles-Trennung im Studio kein Thema war: „Ich kannte die Situation, wir mussten darüber nicht sprechen. Das wäre uns nur im Weg gestanden. Also wurden die Beatles gar nicht erwähnt. Nach dem Motto: Das war damals, jetzt bin ich solo. Bei George (Harrison, Anm.) war es übrigens genauso. Ringo (Starr, Anm.) war anders, er liebte die Beatles und hätte bis zu seinem Lebensende mit der Band weitergespielt.“

Hat Lennon klare Vorgaben gemacht? „Sobald John am Piano saß oder Gitarre spielte, musste nichts mehr erklärt werden“, antwortete Voormann. „Ich habe mir die Sachen in der Box angehört und Dinge entdeckt, die ich komplett vergessen hatte. Ich dachte, wir hätten viel schneller gearbeitet. Aber von manchen Songs gibt es eine Unmenge an Takes.“

Experimentell
Man habe gejammt, „weil John in Stimmung kommen wollte. Wir haben mit einem Groove begonnen und John entschied, ob das zum Song passt. Manchmal hat er die schrägsten Sachen gespielt, die überhaupt nicht gepasst haben“, schmunzelte der Deutsche. „Aber das hat überhaupt nichts ausgemacht, weil er Dinge ausprobieren wollte. Das ist großartig, wenn man dabei eine kleine Band hat - wie Ringo und mich. Wir haben Verschiedenstes ausprobiert, bis wir an dem Punkt angelangt sind, an dem John gesagt hat: Jetzt haben wir einen Song.“

Bei dem Online-Pressegespräch erzählte Voormann Anekdoten, etwa über die unterschiedlichen Herangehensweisen der Ex-Beatles bei ihren Soloalben: „Wenn George ins Studio kam, hat er zuerst einmal einen kleinen Altar mit Kerzen und Räucherstäbchen aufgebaut. Dann hat er das Licht gedimmt und sich für die Songs viel Zeit genommen. Ringo braucht immer Hilfe. Wenn er an einem Song arbeitet, erinnert er mich an einen Cocker Spaniel. Man hat immer viel Spaß mit ihm, aber er ist von seinen Freunden abhängig. John war von Yoko abhängig. Das John-Album ist John allein. Aber Yoko war ein großartiger Katalysator.“

Endlich bei sich
‘Und über Lennons Gemüt sagte Voormann: „John war immer frustriert, meiner Meinung nach seit ‘Sgt. Pepper‘s‘. Da begann sein Abschied von der Band. Dann fand er Yoko. Ab dem Moment war er glücklich. Das war der neue John, der echte John, meiner Meinung nach. In Hamburg (zu Beginn der Karriere der Beatles, Anm.) war er großspurig, er wollte Elvis Presley sein, ein Rocker. Da wollte er von Kunst nichts wissen, sondern nur Rock-&-Roll-Songs spielen. Da war er unglaublich lustig, er musste ja nicht überlegen, was er sagte, weil die Band noch komplett unbekannt war. Später konnte er in der Öffentlichkeit nicht mehr so offen sein.“

APA/Wolfgang Hauptmann

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