Rüsch im Interview

Graz-Reininghaus-Deal: “Risiko für Stadt sehr gering”

Steiermark
06.01.2011 11:15
Der 185,5-Millionen-Euro-Deal Graz-Reininghaus steht. Vom Noch-Eigentümer werden Schulden von 79,5 Millionen Euro übernommen, 106 Millionen Euro sollen in neue Infrastruktur investieren werden. Der Grazer ÖVP-Finanzstadtrat Gerhard Rüsch (Bild) stand der "Krone" zum Deal Rede und Antwort.

"Krone": Der Reininghaus-Deal steht. Angst, dass die Grünen noch umfallen könnten?
Gerhard Rüsch: Nein, wir sind uns einig.

"Krone": Sie übernehmen von Noch-Eigentümer Asset One Schulden von 79,5 Millionen Euro und wollen 106 Millionen Euro in die neue Infrastruktur investieren. Macht das beim städtischen Minus einen schlanken Fuß?
Rüsch: Unser oberstes Schuldenlimit ist 1,4 Milliarden Euro. Das geht sich aus. Gerechnet auf 40 Jahre werden die 185,5 Millionen Euro durch Aufwertungsgewinne und die größere Zahl an Bewohnern in der Stadt, für die wir ja vom Bund Geld bekommen hereingespielt. In die neue Infrastruktur müssten wir auf jeden Fall investieren, auch wenn ein privater Investor am Werk wäre. Weil uns die Grundstücke gehören, können wir durch Umwidmungen beim Verkauf Gewinne erzielen. Dieses Geld ist zweckgebunden und fließt in die Infrastruktur.

"Krone": Wie viel wird das sein?
Rüsch: Ich schätze, dass wir durch die Gewinne 30 bis 50 Prozent der 106 Millionen Euro abdecken können. 

"Krone": Die Stadt müsste doch nicht kaufen, könnte auch durch den Flächenwidmungsplan bestimmen, was und wie gebaut wird.
Rüsch: So ist das nicht, weil man nicht wirklich bestimmen kann, wie gebaut wird. Als Eigentümer können wir das schon. Unser Ziel ist ein Stadtteil für das 21. Jahrhundert, ein "Null-Emissions-Stadtteil".

"Krone": Wie hoch ist das Risiko, dass die Stadt auf ihren Investitionen sitzen bleibt?
Rüsch: Sehr gering. Wir haben ja einen Gegenwert in Gestalt der Grundstücke. Auch wenn es immer wieder Krisen gibt, sind Grundstücke bzw. Immobilien auf lange Sicht gesehen sicher.

"Krone": Wer soll in Reininghaus bauen bzw. investieren? Wohnbaugenossenschaften allein reichen nicht.
Rüsch: Es gibt Interessenten, auch im gewerblichen Bereich, mit denen ich verhandle. Aber ich bitte um Verständnis, dass ich jetzt noch keine Namen nennen kann, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

"Krone": Wer soll eigentlich in Reininghaus wohnen? Und fürchten Sie nicht, dass andere Stadtteile dann leergefegt werden könnten?
Rüsch: Wir rechnen mit 6.000 bis 7.000 Bewohnern. Die Grazer Bevölkerung ist in den vergangenen zehn Jahren um etwa 30 Prozent gewachsen. Die Menschen strömen weiterhin in die Städte. Aber wir müssen natürlich darauf achten, dass auch andere Viertel weiterhin attraktiv, etwa im ökologischen Sinn, bleiben!

"Krone": Wieso soll die Stadt schaffen, was Noch-Besitzer Asset One nicht gelungen ist?
Rüsch: Wir haben als Stadt einen längeren Atem als private Investoren, können 20 bis 25 Jahre am Projekt arbeiten. Wir werden sehr konventionell vorgehen, mit dem einen Ziel, der Errichtung eines "Null-Emissions-Stadtteils". Der Vorteil ist auch, dass wir als Eigentümer bestimmen, wo die neue Infrastruktur gebaut wird, also Schulen, Kindergärten, Öffis, Kanal un so weiter.

"Krone": Wer sind denn die Immobilienprofis der Stadt Graz, die das Projekt umsetzen?
Rüsch: Wir gründen eine Projektgesellschaft, die unter anderem für die Verwertung zuständig ist. Als Chef werden wir einen echten Profi engagieren. Die Stadt selbst übernimmt die Planungsarbeiten für das Areal.

"Krone": Es drängt sich der Verdacht auf, Sie würden ohne Not die Asset One retten.
Rüsch: Wenn wir das Areal nicht übernommen hätten, wäre es zerstückelt worden. Einzelne Industrie- bzw. Gewerbebauten wären schon jetzt möglich, weil es dafür ja eine Widmung gibt. Die Chance den Stadtteil zu entwickeln, wäre vertan. Wir haben niemanden gerettet. Für uns war die Frage entscheidend, ob die Übernahme für die Stadt Sinn macht.

Interview: Gerald Richter, "Steirerkrone"

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