06.04.2021 06:00 |

Hygiene Austria:

„Jeder hat gemerkt, dass die Qualität anders war“

Dank des Slogans „Made in Austria“ wurde der Masken-Produzent Hygiene Austria von der Regierung regelrecht hofiert und zog lukrative Aufträge an Land. Seit einer Razzia ist das Unternehmen wegen Umetikettierungen und zahlreichen Vorwürfen über unzumutbare Arbeitsbedingungen in Verruf geraten. Eine ehemalige Mitarbeiterin berichtet Schockierendes.

Marion Huber (Name geändert) kam im vergangenen Dezember über eine Leiharbeitsfirma zu Hygiene Austria. „Von Anfang an gab es einen enormen Druck durch die Schichtleiter. Es hieß, wenn wir unser Pensum nicht schaffen, werden wir gefeuert“, so die Frau, die es ziemlich genau zwei Monate in dem Job aushielt. Jede Schicht dauerte acht Stunden, nach der Hälfte gab es eine Pause, in der Halle herrschten extrem hohe Temperaturen. Trinken war jedoch verboten, ein entsprechendes Papier mussten die Arbeiter vorab unterschreiben. „Ich habe immer gehofft, dass es besser wird. Aber das wurde es nicht“, sagt Marion Huber.

„Anderes Material, andere Qualität“
Die Frau berichtet von zwei Hallen, sie war dort, wo verpackt wurde. In der anderen wurde produziert, das haben zumindest die Mitarbeiter angenommen. Nach vier Wochen seien plötzlich andere Masken zum Verpacken da gewesen. „Es war ein anderes Material, eine andere Qualität. Das hat jeder gleich gemerkt“, schildert Marion Huber.

Wie viele andere, die bei Hygiene Austria gearbeitet haben, hat sie sich an die Arbeiterkammer gewandt. Diese ortet Ausbeutung und Lohndumping. Offiziell hatte Frau Huber einen 38,5-Wochenstunden-Vertrag. Für 1600 Euro netto. Allerdings: „Auf dem Dienstzettel waren keine genauen Stunden aufgelistet“, so Huber. Auch keine Nachtschichten, die es zweimal pro Woche gab. Manche ihrer Kollegen und Kolleginnen wurden entlassen, weil sie beim Verpacken nicht schnell genug oder weil sie im Krankenstand waren.

Lenzing räumt „Fehler“ ein
Unterdessen räumte der Faserhersteller Lenzing, der bis vor Kurzem 50,1 Prozent an der Hygiene Austria hielt, „Fehler“ ein und stieg komplett aus. Die Anteile wurden an den zweiten Eigentümer, Palmers, übertragen. Geschäftsführer Tino Wieser ist sich weiterhin keiner Schuld bewusst. Aus der jüngsten Lenzing-Bilanz geht übrigens hervor, dass Hygiene Austria im vergangenen Geschäftsjahr 5,7 Millionen Euro Gewinn erzielte.

Doris Vettermann
Doris Vettermann
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