05.04.2021 15:01 |

„Geldbombe“ geplatzt

Trump-Fans wurden unwissentlich zu Spendern

Ehemalige Unterstützer erheben schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Dessen Wahlkampfteam soll mit einem simplen Trick aus einer Spende viele gemacht haben und mit dieser „Geldbombe“ seinen Fans zusätzliches Geld aus der Tasche gezogen haben. Mehr als 120 Millionen US-Dollar (knapp 102 Mio. Euro) mussten bereits erstattet werden.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Die Präsidentschaftskampagne des früheren Präsidenten Donald Trump soll im vergangenen Herbst vorausgefüllte Spendenzusagen benutzt haben, um aus einmaligen Zuwendungen dauerhafte Spenden zu machen. Außerdem sei den Betroffenen ohne dessen Wissen eine weitere Spende vom Konto abgebucht worden, wie die Zeitung „New York Times“ berichtet.

Im Kleingedruckten versteckt
Mit einem simplen Trick wurden demnach viele Unterstützer Trumps auf der Spendenseite „WinRed“ der republikanischen Partei dazu gebracht, anstatt einer einmaligen eine Dauerspende einzurichten. Die Einwilligung zu einer mehrfachen finanziellen Unterstützung sei im Kleingedruckten versteckt und als Standard-Option aktiviert gewesen. Spender hätten manuell auswählen müssen, dass sie nicht mit einer Dauerspende einverstanden sind.

Im Laufe des Wahlkampfes soll es sogar zunehmend schwieriger geworden sein, diesen Punkt im Spendenformular zu entdecken und ihm zu widersprechen. Was als kleine gelbe Box begann, sei später durch eine weitere Box ergänzt worden, mit der man den Spendenbetrag verdoppelte: genannt die „Geldbombe“. Auch diese Option sei automatisch aktiviert gewesen, berichtet die „New York Times“.

„Legal, aber unfair“
Die Praxis sei in den USA zwar legal, aber, wie die Geschäftsführerin einer US-Verbraucherschutzorganisation der New York Times sagte, „unfair, unethisch und unangemessen“. Ein anderer Experte, der von der New York Times zitiert wurde, sagte, dass ein solches „dunkles Muster“ des digitalen Marketings „in den Lehrbüchern darüber stehen sollte, was man in der Politik nicht tun sollte“.

Marode Finanzen aufgebessert?
Dem Bericht zufolge ließen die wiederkehrenden Spenden von unwissenden Unterstützern Donald Trumps Kassen anschwellen, gerade als sich seine Finanzen verschlechterten. Weil viele Spender ihre Beiträge zurückforderten, als sie merkten, dass sie viel häufiger oder mehr spendeten als sie wollten, erstattete die Trump-Kampagne ihnen das Geld.

Die Trump-Kampagne und das republikanische Nationalkomitee hatten bereits Ende 2020 mehr als 530.000 Rückerstattungen im Wert von 64,3 Millionen Dollar (54,5 Mio. Euro) getätigt. Zum Vergleich: Die demokratische Kampagne hatte lediglich Spenden in Höhe von 5,6 Millionen Dollar (4,7 Mio. Euro) zurückgezahlt. Rückzahlungen an sich seien durchaus üblich. Sie könnten beispielsweise erfolgen, wenn Personen mehr spenden, als sie nach dem Gesetz dürfen.

Spender bezeichnet Wahlkampfteam als „Banditen“
„In der Tat kam das Geld, das Herr Trump schließlich zurückzahlen musste, einem zinslosen Darlehen von unwissenden Unterstützern zum wichtigsten Zeitpunkt des Rennens 2020 gleich“, schreibt die New York Times. Eine konkrete Spende wuchs etwa von ursprünglich 990 Dollar (840 Euro) auf insgesamt fast 8000 Dollar (rund 6800 Euro) an - der Betroffene bezeichnete die Verantwortlichen dadurch als „Banditen“: „Ich bin im Ruhestand. Ich kann es mir nicht leisten, das ganze verdamme Geld zu bezahlen.“

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).