27.03.2021 13:30 |

Harter Weg zurück

„Wenn es eine schafft, dann sicherlich die Nici!“

Mission Neuangriff! Die Wintersport-Saison geht zu Ende. Für manche Profisportler war sie ein Traum, für einige allerdings war’s ein Winter zum Vergessen. Vor allem für Athleten, denen leider schwere Verletzungen früh das Handwerk legten. Für ein steirisches Quartett etwa beginnt zu Frühlingsbeginn der Startschuss für den Neustart in Richtung nächstem Winter. Nicole Schmidhofer, Franz-Josef Rehrl, Sebastian Kislinger oder Tatjana Meklau erzählten der „Steirerkrone“, wie sie mit ihrem Schicksal umgehen und was ihnen Mut macht.

„Brutal zäh! Es gab Phasen, da war mir zum Weinen und ich hab gedacht, das wird nix mehr mit dem Knie, aber dann hat der Wunsch wieder Ski zu fahren die Oberhand gewonnen!" Nach ihrem Horror-Crash in Val d’Isere hat Nicole Schmidhofer die ersten Schritte am steinigen Weg zurück zur Normalität absolviert. Mit Krücken! Denn das linke Knie war so zerstört, dass das Ärzte-Team Mandl/Steinböck/Kohrgruber im UKH Graz all seine Künste aufbieten musste. Die Metallplatten nach dem Verrenkungsbruch sind mittlerweile draußen, die gerissenen Bänder mittels Spendersehnen rekonstruiert. „Alles ist wieder da“, sagt Dr. Mandl, „aber das Knie muss erst laufen lernen.“

Nur sechs Tage daheim
Seit der ersten OP am 18. Dezember war die 32-Jährige nur sechs Tage zuhause: „Ich wohne jetzt in Graz, tu’ alles, dass mein Knie wieder wird.“ Zweimal täglich schuftet die Ex-Weltmeisterin mit Therapeut Wolfgang Neubauer, der auch mit Conny Hütter gearbeitet hat. Im April geht’s zum Muskelaufbau für vier Wochen nach Tobelbad: „Im Mai will ich ohne Krücken gehen können!“ In Momenten des Zweifels führt sich die ungeduldige Nici eins vor Augen: „Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte die Krücken für immer gebraucht. Ich hab großes Glück gehabt!“ „Wenn eine den Weg zurück auf die Ski schafft, dann die Nici“, sagt ihr Onkel Karl Schmidhofer, „sie ist eine Kämpferin.“ Die eine unbändige Triebfeder in sich hat: „Ich will nochmals so geile Schwünge fahren wie vorm Crash!“

Nach seinem Sturz beim Heimweltcup in der Ramsau samt Kreuzbandriss wusste indes Kombinierer Franz-Josef Rehrl sofort, dass der Weg zurück ein harter wird. „Die Ärzte und Trainer haben sofort gesagt, dass es ein Jahr dauern wird, bis ich wieder Skispringen kann. Das hat man auch bei meinem Zimmerkollegen Mario Seidl gesehen, der ein Jahr zuvor die gleiche Verletzung gehabt hat.“

Aufbauende Worte gab es prompt von Ski-Ass Nici Schmidhofer: „Die Nici hat fast zeitgleich ihre schwere Verletzung erlitten, wir haben manchmal hin- und hergeschrieben. Geteiltes Leid ist ja doch halbes Leid.“ Über drei Monate ist die Verletzung nun schon wieder her. Und Rehrl ist am Weg der Besserung. „Ich war auch dreimal für je eine Woche zur Reha in Deutschland, habe sieben Stunden am Tag trainiert. Dort kommen auch immer die Fußballstars nach ihren Verletzungen hin.“

Eigener Fitness-Tempel
Mittlerweile schwitzt der Steirer meistens daheim in der Ramsau. „Ein bisserl Langlaufen konnte ich auch schon. Aber das war mehr ein therapeutischer Schneekontakt. Ansonsten trainiere ich viel vorm Haus.“ Vom ÖSV bekam der „Überflieger“ einen Container mit Fitnessgeräten vor die Tür gestellt. Rehrls eigener Fitness-Tempel! „Da ist ein Laufband drinnen, auch zum Skirollerfahren.“ Wann Rehrl genau wieder zurückkommt, lässt er offen. „Das hängt vom Knie ab. Die anderen Burschen haben es im Weltcup und bei der WM aber auch ohne mich gut gemacht. Ich muss mich auf jeden Fall nach meiner Rückkehr neu beweisen.“

Bitter! Beim Zurückfahren ins Hotel nach ihrem Weltcup-Debüt just daheim auf der Reiteralm (Platz acht!) brach sich Skicrosserin Tatjana Meklau Schien- und Wadenbein. Drei Operationen folgten. „Das war eh genug“, kann die 21-Jährige heute aber wieder lächeln. „Bei der Kontrolle hat alles gepasst. Jetzt gehen dann die Therapien los.“

Eine große Hilfe ist die Frau Mama. „Sie ist Masseurin und macht die Lymphdrainage.“ Ehe es Anfang Mai mit der Reha losgeht. „Die Ärzte haben gemeint, es hat erst Sinn, wenn ich den Fuß belasten darf“, so die Spielbergerin, die acht Wochen mit Krücken gehen muss. „Sobald ich selbstständiger bin, geht es ins Olympiazentrum Salzburg, wo ich bis auf den linken Fuß alles trainieren kann.“ Und die „Teilzeit-Hammerwerferin“ verspricht: „Man wird mich im Wurfkreis sehen, den Hammer hänge ich nicht an den Nagel!“

Das Spital in Graz-Ragnitz hat Snowboarder Sebastian Kislinger nach seiner Kreuzband-Operation schon wieder verlassen. „Das war nicht mein Winter. Erst habe ich die WM verpasst, das erste Großereignis seit ich im Weltcupteam bin. Und dann diese Verletzung. Für mich war sofort klar, dass ich mich zurückkämpfen will“, steckt der 32-Jährige den Kopf aber nicht in den Sand.

„Es werden jetzt sicher schwierige, harte Tage auf mich zukommen. Und am Anfang werden es wohl nur kleine Schritte mit Krücken sein.“ Kislingers Ziele sind aber schon wieder groß: „Ich will so jedenfalls nicht meine Karriere beenden“, ballt der Weststeirer die Faust. „Ich wollte immer am Höhepunkt meiner Karriere aufhören. Deshalb ist für mich auch klar, dass ich noch einmal zu Olympia will. Das motiviert mich für die Rückkehr aufs Snowboard!“

Christoph Kothgasser
Christoph Kothgasser
Michael Gratzer
Michael Gratzer
Volker Silli
Volker Silli
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