07.03.2021 07:55 |

Winterpilze

Schwammerl für Experten

Judasohr, Samtfußrübling, blutroter Prachtbecherling: Drei Pilze, die sich auch in den Wintermonaten sammeln lassen. Wo sie zu finden sind, verrät der Experte Klaus Zimmermann.

Für die meisten Pilzsammler gilt: Legt sich der erste Frost über die Wiesen, ist die Pilzsaison für dieses Jahr wieder vorbei. Das stimmt auch, wenn es um Pfifferlinge und Steinpilze, die zwei beliebtesten Hutträger im Wald, geht. Allerdings wachsen auch in den Wintermonaten Schwammerl. Sogar solche, die von Experten sehr geschätzt werden. Einer dieser Experten ist Klaus Zimmermann von der inatura Dornbirn. Sein Lieblingswinterpilz ist das Judasohr. Von fleischfarben bis dunkelbraun nimmt es - in manchen Fällen anatomisch erschreckend genau - die Form eines menschlichen Ohrs an. „Das Judasohr liefert ein Beißerlebnis, das Spaß macht.“ Der Pilz besticht durch seine knackig-gallertartige elastische Konsistenz. Geschmacklich gibt das Judasohr hingegen nicht allzu viel her. „Beliebt ist dieser Pilz vor allem in asiatischen Gerichten, in einem Pilzragout ist er eine gute Ergänzung“, klärt Zimmermann auf. In der traditionellen chinesischen Medizin gilt das Judasohr sogar als Heilmittel, etwa bei Entzündungen. Zu finden ist das interessante Gewächs meist an Holundersträuchern.

Während das Judasohr kaum mit anderen Pilzen zu verwechseln ist, ist ein anderer Winterpilz, der Samtfußrübling, weit schwerer zu bestimmen: Er kann einerseits mit dem harmlosen Stockschwämmchen verwechselt werden, allerdings auch mit dem Gifthäubling, von dem bereits 100 Gramm tödlich sein können. „Das ist also ein reiner Expertenpilz. Anfänger sollten die Finger davon lassen.“

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Das ist also ein reiner Expertenpilz. Anfänger sollten die Finger davon lassen!

Klaus Zimmermann

Gänzlich unproblematisch ist dagegen der Austernseitling, der gerne auf Holzstümpfen wächst. Hat man einmal einen Fundort entdeckt, kann man reichlich ernten, allerdings gibt es davon nicht allzu viele. „Ich persönlich weiß nur von einem einzigen Platz in Vorarlberg, wo Austernseitlinge wachsen,“ so Zimmermann. Auch der aufsehenerregende Prachtbecherling ist im Winter (und Frühjahr) zu finden. Die knallroten Fruchtkörper sind kaum zu übersehen. Der Prachtbecherling ist zwar ungiftig und kann ohne Bedenken verspeist werden, wird aber kaum für kulinarische Feuerwerke sorgen.

Wer sich im Winter auf die Suche nach Schwammerl macht, darf nicht damit rechnen, kiloweise Beute zu machen. Wer aber einmal Fundorte entdeckt hat, kann im Speiseplan immer wieder mit den winterharten Gewächsen für Abwechslung sorgen. Klaus Zimmermann fasst es so zusammen: "Winterpilze zu sammeln kann funktionieren, breitensporttauglich ist es aber nicht.

Angelika Drnek
Angelika Drnek
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