21.02.2021 06:00 |

Seit Jänner abgängig

Das mysteriöse Verschwinden eines Installateurs

Er wollte Geschirr abwaschen und ein Bad nehmen. Aber dann verließ ein 36-jähriger Vorarlberger am 17. Jänner plötzlich seine Wohnung. Und ist seitdem abgängig. Der Fall gilt als ein Kriminalrätsel.

Wie kann ein Mensch quasi von einer Sekunde auf die nächste verschwinden? Spurlos, beinahe so, als hätte er niemals existiert? Das ist die quälende Frage, die sich Jürgen Grubers verzweifelte Familie, seine Freunde und Kollegen jetzt ständig stellen, die sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Seit dem 17. Jänner.

Seit dem Tag, als der 36-Jährige – den Ermittlungsergebnissen der Polizei zufolge – vermutlich am späten Nachmittag, aus bis dato völlig ungeklärten Gründen, überraschend seine rund 50 Quadratmeter große Wohnung in Nenzing, Vorarlberg, verlassen hat – und danach angeblich nie mehr wieder von irgendwem irgendwo gesehen wurde.

Die Badewanne war eingelassen
Sein Handy, sein iPad lagen auf dem Wohnzimmertisch, in der Küchenspüle das Geschirr vom Frühstück und Mittagessen zum Abwasch bereit; die Wanne im Bad war eingelassen. Jürgen Gruber muss, das haben Rekonstruktionen ebenfalls ergeben, bekleidet mit Jeanshosen und einer schwarz-gelb-gemusterten Jacke des Fußballclubs Bettler-Äule, bei dem er seit vielen Jahren Mitglied war, losgegangen sein; und er dürfte lediglich seine Schlüssel, die Brieftasche und seinen Reisepass mitgenommen haben.

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Es gibt ein Gerücht, das in der Gegend kursiert.

Heike Lampert, Vorarlbergs Bereichsleiterin des Vereins „Österreich findet euch“

Der Abgängige „besitzt keinen Führerschein oder Personalausweis“, so sein Bruder Marcel (30), „deshalb hat er dieses Dokument, selbst bei kleinen Wegen, immer bei sich getragen“. Was könnte mit dem 36-Jährigen geschehen sein? „Ich weiß es nicht, ich weiß es einfach nicht. Vielleicht hatte er schwere seelische Probleme, von denen wir alle nichts ahnten. Und er hat sich deswegen umgebracht – oder abgesetzt. Aber dann hätte doch entweder mittlerweile seine Leiche gefunden werden müssen, oder er hätte Geld von seinem Bankkonto behoben.“

Die Befürchtung der Eltern des Vermissten: Dass ihr Sohn einem Verbrechen zum Opfer gefallen, „dass er entführt worden ist, nun an einem geheimen Ort festgehalten und misshandelt wird“. Dass er – im schlimmsten Fall – ermordet wurde. Wer allerdings sollte ein Interesse daran haben, diesen harmlosen und nicht begüterten Mann zu kidnappen und ihm Böses anzutun?

Ein ominöser Streit in einem Supermarkt
„Es gibt ein Gerücht, das in der Gegend kursiert“, erzählt Heike Lampert, Vorarlbergs Bereichsleiterin des Vereins „Österreich findet euch“, „demzufolge er Anfang Jänner in einem Supermarkt mit einer angeblich amtsbekannten Person in Streit geraten wäre.“

Was ist über Grubers Vita, was über sein Dasein in den letzten Monaten vor seinem Verschwinden bekannt?

Er wuchs mit vier Brüdern auf; in behüteten, geordneten Verhältnissen. Der Vater Schlosser, die Mutter Reinigungskraft. Nach der Pflichtschule begann er eine Installateurlehre, danach arbeitete er – zwischendurch einige Zeit hindurch auch in Liechtenstein – bei verschiedenen Firmen; in den vergangenen fünf Jahren für ein Unternehmen in seinem Heimatort. Bei allen seinen Dienstgebern galt er stets als besonders fleißig und zuverlässig.

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Am Ende verkehrte er fast nur noch mit unseren Eltern.

Jürgens Bruder Marcel

Und privat? Der Vorarlberger war zuletzt Single, davor hatte er einige längere Beziehungen mit Frauen. „2020 ist eine Verbindung gescheitert“, so Bruder Marcel.

„Er hat sich durch Corona verändert“
Und ja, berichtet der 30-Jährige, der Installateur habe sich seit dem Ausbruch von Corona „ziemlich verändert. Er, der früher gerne auf Partys gegangen und in Gesellschaft gewesen ist, traf sich laufend weniger mit seiner Clique“, aus Angst, sich mit dem Virus anzustecken, „am Ende verkehrte er fast nur noch mit unseren Eltern“. Sogar zu Silvester sei er bei ihnen gewesen, er habe mit ihnen gegessen, eine Flasche Sekt getrunken und Karten gespielt.

Seine Stimmung? „Wegen der Pandemie war sie eher gedrückt.“

Ab dem 5. Jänner war der Installateur wegen einer Darmgrippe krankgemeldet; am 15. Jänner kaufte er nachweislich in einer Trafik in Nenzing Zigaretten; bis zum 17. Jänner chattete er regelmäßig mit Familienmitgliedern, Freunden und Kollegen. Seine letzte – belanglose – WhatsApp-Nachricht stammt von 16.45 Uhr. Und dann „war er plötzlich weg“.

Hinweise zu Jürgen G. Verbleib werden in jeder Polizeidienststelle entgegengenommen.

Martina Prewein
Martina Prewein
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