18.02.2021 08:00 |

Betroffene erzählen

Diagnose Krebs: Wenn Opa und Papa Glatze tragen

Diagnose Krebs. Rund 200 Kinder unter 15 Jahren bekommen pro Jahr in Österreich diese Nachricht. Von einem Tag auf den anderen bricht eine ganze Welt zusammen. Betroffene steirische Familien erzählen.

Es macht oft fassungslos, wie klein, belanglos eigentlich - wie banal Dinge ihren Anfang nehmen können, die dann das ganze Leben verändern. Nicht nur so dahingesagt, sondern tatsächlich. Von null auf 100 bleibt kein Stein auf dem anderen.

Ihm tut die Hüfte ein bissl weh, klagte vor zwei Jahren ein fünf Jahre alter Bub seiner Mama. „Nichts, worüber man sich groß aufregt“, erzählt die Frau heute. Als es nicht besser wurde, fuhr man ins Krankenhaus zum Blutbild. Fröhlich, ohne sich viel zu denken, mit dem geplanten Mittagessen bei der Oma danach.

Am Nachmittag hatte das Kind schon die erste Chemotherapie. Leukämie. „Bei der Diagnose zieht es einem die Füße weg, man realisiert das gar nicht“, erzählt die Mutter. „Da gehst du in die Station, und da sind lauter Kinder mit Glatzen und du denkst dir: ,Ich hab doch ein gesundes Kind, wir sind doch völlig falsch hier!“

„Ihr Kind ist todkrank“ - erst diese klare Botschaft eines Arztes lichtete den Schleier für die Eltern. „Das mussten wir akzeptieren. Und von da an haben wir funktioniert.“ Die Steirerin war die meiste Zeit bei ihrem Kind, begleitete es durch Chemotherapien, schmerzhafte Eingriffe. „So viel ist auf dieses kleine Menschenkind zugekommen. Weg von daheim, keine Freunde mehr sehen, strenge Isolation.“ Ihr Rezept dagegen: „Ich war fast krampfhaft fröhlich, habe bei allem versucht, irgendetwas Positives daraus zu ziehen. Und immer wenn ich gedacht hab, ich kann nicht mehr, hat meine innere Stimme gesagt: Weitermachen! Kämpfen! Siegen!“

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"Meine innere Stimme hat gesagt: Kämpfen! Weitermachen! Siegen!"

Mama eines betroffenen Kleinkindes

So war es auch, als die Haare ausgingen: „Es ist so seltsam, dass man gegen eine tödliche Krankheit kämpft - und dann todtraurig ist über so etwas vermeintlich Banales. Trotzdem ist es so.“ Erst als der Papa und der Opa zur Schere griffen, ihr eigenes Haar auf Millimeter kürzten, „da passte es und war cool für mein Kind“.

Draußen war es oft noch schlimmer als auf der Station. „Am Anfang, weitab von Corona, ist es natürlich aufgefallen, dass da ein Kind Mundschutz trägt. Es war schon kränkend, wenn Leute auf die andere Straßenseite gegangen sind oder ihre eigenen Kinder auf dem Spielplatz weggezogen haben. Ihre Blicke, die vergisst man nicht.“ Aber ihren Sohn hat sie die niemals sehen lassen.

Heute, fast zwei Jahre später, ist er geheilt, fröhlich, „er vergisst. Doch wir Eltern, wir können das nie.“ Dankbar sind sie der Kinderkrebshilfe, „vor allem der Psychologin Andrea Mohapp und der Krankenschwester Doris, die ins Haus gekommen ist - sie sind wahre Engel.“

Dem Lob schließt sich eine Jugendliche an, die von „ein bisschen schwindlig“ hin zur Diagnose Leukämie kam und seit 1. Juli 2020 fast durchgehend auf der Station ist. Selten haben wir ein Mädchen gesehen, das so gefasst, so reif, so außerordentlich ist. Wir wünschen ihr und allen Betroffenen auf diesem Weg von Herzen rasche Genesung.

In der Grazer Kinderklinik werden jährlich 80 kleine Patienten betreut. Die steirische Kinderkrebshilfe leistet größte Hilfe, unterstützt Projekte, hilft Eltern, die ihre Jobs für die Begleitung der Kinder aufgeben müssen, finanziert Lehrer und Personal. Wer unterstützen möchte:

Steirische Kinderkrebshilfe, IBAN: AT683800000004426300

Christa Blümel
Christa Blümel
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