30.01.2021 06:15 |

Einsatzzahlen steigen

Steirische Alpinpolizei auf Nachwuchs-Suche

Die steirischen Retter stehen jetzt im Winter im Dauereinsatz. Vermehrt werden sie zu Unfällen wegen schlechter Planung gerufen, zudem bereitet eine bevorstehende Pensionierungswelle Sorgen.

„Manchmal hat man schon von Beginn an ein ungutes Gefühl“, erzählt Siegmund Schnabl, Leiter der steirischen Alpinpolizei. Dennoch funktioniere man in jeder Situation, nicht selten geht es um Minuten: „Nachdem einen der Notruf erreicht hat, vereinbart man mit den Kollegen von Bergrettung usw. einen Treffpunkt, bespricht dort den Lageplan sowie mögliche Gefahren und los geht’s", schildert der 59-Jährige das typische Szenario.

Schlimme Schicksale
Zuletzt war es ein Einsatz am Admonter Kaibling, bei dem sich das ungute Gefühl auf tragische Weise bestätigt hat: Auf einer Seehöhe von 1800 Metern stürzte eine 41-jährige Frau rund 300 Meter in felsdurchsetztes Gelände. Die Grazerin konnte nur noch tot geborgen werden. „Es ist immer wieder schlimm, solche Schicksale mitzuerleben“, sagt Schnabl.

Vorsatz oder Fahrlässigkeit?
Dennoch muss stets ein kühler Kopf bewahrt werden, denn für die Alpinpolizei ist die Arbeit nach einem Einsatz im Gelände zumeist noch lange nicht beendet: „Wir müssen jeden Vorfall auf Vorsatz oder Fahrlässigkeit prüfen, kontrollieren ob ein Materialfehler vorliegt oder vielleicht der Sicherungspartner beim Klettern einen Fehler gemacht hat“, weiß Viktoria Steinberger aus St. Gallen.

Von 68 Einsatzkräften nur fünf Frauen
Die 27-Jährige ist eines der großen Nachwuchstalente in der steirischen Alpinpolizei und gehört als Frau zu einer absoluten Minderheit in der Branche: “Derzeit versehen 68 Beamte ihren Dienst bei uns, darunter nur fünf Damen„, erzählt Schnabl.

Personalunterstand in Liezen
Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Einsätze kontinuierlich steigt (zuletzt um zehn Prozent) und in den nächsten Jahren aufgrund von Pensionierungen mit vielen Abgängen zu rechnen ist, starteten die Verantwortlichen bereits 2017 eine Ausbildungsoffensive: „Dennoch fehlen beispielsweise in der Einsatzgruppe Liezen aktuell sieben bis acht Leute“, erzählt der steirische Leiter.

Corona als Ausbildungsbremse
Die lange Ausbildungszeit von zumeist fünf Jahren sowie zuletzt auch noch die Corona-Krise bremsen die Dynamik: „Für den letzten Ausbildungsturnus gab es Covid-bedingt erstmals keinen Abschluss und somit auch keine Einsatzberechtigung. Eine nicht ganz einfache Situation für uns“, betont Schnabl.

Gute Ausbildung
Dabei ist es - vorausgesetzt die sportliche Affinität ist vorhanden - ein „ganz wunderbarer Beruf“, wie Steinberger bekräftigt. „Die Arbeit ist wahnsinnig spannend, das Ausbildungsniveau in Österreich exzellent“, berichtet die junge Obersteirerin.

Routine als größte Gefahr
Während für den Laien die größte Gefahrenquelle die schlechte Vorbereitung darstellt, ist es für den Profi die Routine: „Man wächst im Bergsport nur, wenn man sich ständig hinterfragt“, weiß Steinberger, die privat etwa schon die legendären Pumprisse am Wilden Kaiser, ein Extremklassiker im 7. Grad ohne Bohrhaken-Sicherung, gemacht hat.

Lichtblicke
Übrigens muss sich ein schlechtes Gefühl nicht immer als richtig erweisen: „Ich erinnere mich an einen Einsatz in Eisenerz, wo eine Schülerin aus Kärnten auf einem Schneefeld ausgerutscht und tief in eine Höhle gefallen ist. Die Chancen, das zu überleben, standen denkbar schlecht - dabei konnten wir das Mädchen beinahe unverletzt bergen", erzählt Schnabl.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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