23.01.2021 11:07 |

Gesichtserkennung

Faces of the Riot: Kapitol-Stürmer am Netz-Pranger

Mehr als zwei Wochen nach dem Sturm auf das US-Kapitol in Washington sind viele der am Aufruhr Beteiligten nach wie vor nicht identifiziert. Um den Strafverfolgungsbehörden bei ihrer Suche nach mutmaßlichen Verdächtigen behilflich zu sein, setzt eine Website nun auf maschinelles Lernen und die Unterstützung der Internet-Community.

„Faces of the Riot“ - Gesichter des Aufruhrs - nennt sich die Website, auf der aktuell die Konterfeis von mehr als 6000 möglicherweise am Sturm auf das Kapitol beteiligten Personen zu sehen sind. Die Aufnahmen stammen aus mehr als 800 Videos, die zum größten Teil von den mutmaßlichen Verdächtigen selbst auf der inzwischen von Amazon vom Netz genommenen Twitter-Alternative Parler gepostet worden waren und nun mittels maschinellen Lernens ausgewertet wurden. Wie das Magazin „Wired“ berichtet, hatte eine Hackerin das Material wenige Stunden vor der Abschaltung von Parler gesichert.

Unter jedem der auf facesoftheriot.com zu sehenden Gesichter prangt nun eine Idenfitikationsnummer, mit der sich Nutzer der Seite über einen dort veröffentlichten Link direkt ans FBI wenden können, sollten sie Hinweise zu der abgebildeten Person haben. Ein Klick aufs Gesicht zeigt den jeweiligen Videoausschnitt, aus dem die Aufnahme stammt. Dadurch soll eine bessere Zuordnung ermöglicht werden.

Auch Unbeteiligte am Online-Pranger
Die Website rät dringend davon ab, auf eigene Faust Nachforschungen zu den gezeigten Personen anzustellen - wohl auch deshalb, weil sich unter den maschinell erkannten Gesichtern zahlreiche Personen befinden dürften, die nicht am Sturm auf das Kapitol beteiligt waren und die nun durch Menschen, die das Gesetz selbst in die Hand nehmen wollen, zu Schaden kommen könnten.

Evan Greer von der Bürgerrechtsorganisation Fight for the Future warnt deshalb gegenüber „Wired“ auch vor den Gefahren, die von Technologien zur Gesichtserkennung ausgehen. All jene, die sich aktuell über den Einsatz der Technologie freuten, sollten nicht vergessen, dass diese sonst überproportional zum Schaden von Minderheiten zum Einsatz komme.

 krone.at
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