Das Unternehmen sei ausreichend liquid um den Betrieb für die Verfahrensdauer von 90 Tagen fortzuführen, sagte Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Er könne sich auch vorstellen, dass die Banken zur Verfügung stehen werden. Die Verkaufsgespräche laufen weiter, mit drei Interessenten werde verhandelt. Weitere Pleiten aus der AE&E-Gruppe seien derzeit nicht aktuell. Nur die australische Tochter werde Insolvenz anmelden. Den Gläubigern wird im Rahmen des Sanierungsverfahrens die gesetzliche Mindestquote von 30 Prozent angeboten.
Probleme bei Tochtergesellschaft
Die wirtschaftlichen Probleme haben sich schon vor Monaten abgezeichnet, ausschlaggebend waren Probleme bei der australischen Tochtergesellschaft AE&E Australia Pty Ltd, die bei einem Kraftwerkprojekt in Westaustralien Verzögerungen von mehreren Monaten zu verkraften hatte, heißt es im Insolvenzantrag. Dadurch fielen Zusatzkosten von rund 100 Millionen Euro und Schadensersatzkosten von 20 Millionen Euro an. Da hinsichtlich der Garantieinanspruchnahmen wechselseitige Haftungen im Konzern bestehen, wurden Finanzierungsverhandlungen mit den Syndikatsbanken aufgenommen.
Nur gegen Vorauskasse geliefert
Während der laufenden Verhandlungen wurde dann am 20. Oktober 2010 über das Vermögen der A-Tec Industries AG beim Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnet, welches auch auf den Anlagenbereich Auswirkungen hatte. So waren nicht nur einzelne Ausleihungen an die A-Tec wertzuberichtigen, sondern Lieferanten waren zusehends nur mehr bereit, Lieferungen gegen Vorauskasse vorzunehmen, sodass es schließlich zu einem erhöhten Gesamtfinanzierungsbedarf von rund 100 Millionen Euro kam. Diese Finanzierungsverhandlungen konnten zu keinem positiven Abschluss gebracht werden, und auch einzelne Investoren und Kaufinteressenten aus dem In- und Ausland haben sich zurückgezogen.
Die AE&E Gruppe ist mit einem Anteil von 50 bis 60 Prozent am Gesamtumsatz die größte Sparte der A-TeC Industries AG. Hergestellt werden Kesselanlagen, Gasreinigungssysteme, thermische Abfallbehandlungsanlagen, Gesamtkraftwerke, Kohlevergaser und Ventile sowie Services vom Engineering über Modernisierung und Umbau bis zum Anlagenbetrieb. Die gesamte Gruppe hat im letzten Jahr 2009 einen Umsatz von rund 1.812 Millionen Euro erzielt und beschäftigte weltweit rund 5.200 Mitarbeiter.
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