Entsetzen über Videos

Sterbendes Wild: „Der Mensch stört. Überall“

Wie berichtet, gehen auf Facebook Videos von verendeten Hirschen, Rehen und Co viral. Der Kärntner Weidmann Lukas Obernosterer sprach mit der „Krone“ darüber, wie er den Wildtieren durch den Winter hilft. Die „Krone Tierecke“ reagierte wiederum sofort und holte Stellungnahmen ein. So betont etwa die Forstdirektion Foscari: „Die Videos sind nicht bei uns entstanden!“ Bei länger andauernder kalter Wetterlage seien tote Tiere aber nicht zu vermeiden.

„Wir Menschen nehmen Tieren zunehmend den Lebensraum“, sorgt sich „Krone“-Tierexpertin Maggie Entenfellner. „Aber wie kann es sein, dass wir Hirsch & Co. elendiglich eingehen lassen? Der Tierschutz will keine hungernden Tiere im starken Winter, Forstwirte wollen ihren Baumbestand schützen. Wäre es angesichts solcher erschreckender Bilder nicht humaner, das Wild zum Abschuss freizugeben, um die Bestände zu regulieren?“ Wie bereits im Jahr 2019, als alarmierte Leser auf das Thema aufmerksam machten, reagierte Entenfellner umgehend auf die neuen Videos und ließ die Telefone heiß laufen.

Was sagt die Forstdirektion Foscari zu den Videos?
„Diese Bilder sind nicht im Jagdgebiet des Forstbetriebes Foscari entstanden.“ Der am Bildanfang ersichtliche Flusslauf und bachbegleitende Vegetation könnten der Möll oder dem oberen Gailtal zugeordnet werden, die wenigen gesprochenen Wörter ließen ebenfalls auf diese Regionen schließen. Wann, wo und von wem dieses Video letztendlich aufgezeichnet wurde, ist nicht bekannt.

Wie überwintern Wildtiere?
Ungefüttertes Kahlwild überwintert in kleineren Gruppen von zwei bis fünf Stück, angeführt von einem Leittier. Sie wissen aus jahrzehntelangen Traditionen, wo sie überwintern. Auch die Geweihträger – zumeist vom Kahlwild getrennt, wissen wo, in welchen Lagen, sie Überwinterungslebensräume finden. „In unserem Rotwildprojekt haben wir diese Ergebnisse ausgearbeitet und mit offenem Visier darüber berichtet“, so Martin Straubinger von der Forstdirektion Foscari. Er kritisiert, dass viele „angemeldete“ oder einfach nur gut gemeinte Rotwildfütterungen viel zu klein dimensioniert seien und auf falschen Plätzen stünden.

Zitat Icon

Was bis vor 30 Jahren selbstverständlich und normal war wird heute als außerordentlich und katastrophal empfunden. Ist es aber nicht!

FD DI Martin Straubinger, Forstdirektion Foscari

Wann müssen Wildtiere gefüttert werden?
Grundsätzlich ist die Frage der Fütterung eine viel diskutierte. In den meisten Regionen Kärntens sei eine Fütterung aufgrund der geografischen Umstände und der Witterungsumstände aber kein relevantes Thema, so Foscari. In alpinen Regionen hingegen könne diese Frage bei Schneemengen, mit welchen man sich zurzeit in Oberkärnten konfrontiert sieht, jedoch für Wild und Jäger zur großen Herausforderung werden.

„Fütterung ist unsere moralische Pflicht!“
„Es ist unsere moralische Pflicht, Rot- und auch Rehwild zu füttern“, sagte dagegen Franz Mayr-Melnhof-Saurau, steirischer Landesjägermeister und Holz-Industrieller. Weil? „Der Mensch nimmt dem Wild Wohnung und Nahrung. Da ist es wohl klar, dass wir es im Gegenzug füttern müssen!“ Ins selbe Horn bläst Johannes Schwarzenberg (Fürstlich Schwarzenberg’sche Familienstiftung Vaduz): „Ich hätte nicht die menschliche Härte, Wildtiere beinhart verhungern zu lassen. Oder Urlauberkindern, die ein totes Tier finden, zu erklären, dass wir das hier so handhaben.“

Was sagt das Gesetz?
Gemäß § 61 K-JG darf während der Vegetationsruhe das Wild gefüttert werden. Eine Fütterungsverpflichtung gibt es seit der Jagdgesetznovelle 2018 nicht mehr. Grundsätzlich muss man zwischen einer „regelmäßigen“ Fütterung und einer sogenannten Streckenfütterung oder Notfütterung unterscheiden, wie diese momentan auch in Oberkärnten praktiziert wird. Eine solche Kettenfütterung ist dann gestattet, wenn in der Vegetationsruhe durch außerordentliche Witterungsverhältnisse eine Gefährdung des Wildes eintritt. Solche Strecken- oder Kettenfütterungen werden zurzeit von vielen Jägern unter enormen Einsatz durchgeführt, um das Wild in dieser Situation zu unterstützen.

Der Mensch stört überall
Eine wichtige Botschaft hat der Landesjägermeister von Kärnten an all die Freizeitsuchenden, die momentan in der Natur unterwegs sind: „Eine gefährdende Störung des Wildes geschieht in den meisten Fällen sicherlich unabsichtlich. Doch meiden Sie es momentan bitte, diese Gebiete für ihre Freizeitaktivitäten zu nützen. Bleiben sie auf den Pisten und Wegen und queren sie nicht in Einstandsgebiete und Ruhezonen!“ Denn der Mensch stört. Überall. Er entnimmt dem Wald Bäume, treibt Wildtiere durch Bauten und Lifte in die Höhe. Oder ins Tal, wo Straßen ihren Lebensraum durchschneiden. Oder er hetzt es als Wintersportler abseits der Pfade - in Zeiten, wo Flucht der Tod sein kann.

Die Besucherströme in Wald und Natur werden immer größer, vieler Orts nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht. Angesichts der kursierenden Fotos und Videos in den sozialen Medien erfährt dann auch jeder Einzelne davon, was er mit seinen Streben nach „Natur“ anrichten kann...

Übrigens: „Krone“-Tierexpertin Maggie Entenfellner hat bereits 2019 zum großen Wildtier-Gipfel gerufen - mit Ergebnissen. Mehr darüber lesen Sie HIER.

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Sonntag, 07. März 2021
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