19.01.2021 15:00 |

Luegbrücke am Brenner

Neues Gutachten: Ist Tunnel doch bessere Lösung?

Für hitzige Debatten sorgt seit Jahren die veraltete Luegbrücke auf der Brennerautobahn bei Gries. Wie berichtet, standen sowohl ein Neubau als auch eine Tunnellösung zur Diskussion. Ein Gutachten im Oktober 2020 stufte den Neubau als die „Bestvariante“ ein. Nun liegt jedoch ein weiteres Gutachten vor.

Dieses stammt von dem in Innsbruck tätigen Zivilingenieur Max John und kommt zu dem Schluss, dass der Bau des Tunnels doch die bessere Lösung sein soll. John nahm das Gutachten, das ein Team internationaler Sachverständiger unter der Leitung des ehemaligen Vorstandes des Brennerbasistunnels, Konrad Bergmeister, erstellt hatte, unter die Lupe. Auf neun Seiten legt er dar, warum der Tunnel besser wäre.

Besser für die Natur
Das gewichtigste Argument sind demnach die Faktoren Mensch, Tier und Natur. „Dass die Brücke, welche die Landschaft verändert, besser bewertet wird als der Tunnel, ist nicht erklärbar.“ Für Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume könne laut John nicht vom Status quo ausgegangen werden. Denn „durch einen Rückbau der Brücke kann neuer Lebensraum entstehen“. Auch die Emissionsbilanz für Luft und Klima ergebe eine klare Bevorzugung des Tunnels. „Da der Bewertung eine zu lange Baudauer zugrunde liegt, wurde der Tunnel unterbewertet.“

Gesamtkosten niedriger
Laut John’s Berechnungen würde diese nicht 72, sondern nur 48 Monate in Anspruch nehmen. Der Zivilingenieur rechnet weiters vor, dass der Tunnel 210 Millionen Euro kosten würde und somit sogar um 15 Millionen Euro günstiger wäre als eine neue Brücke. Auch die in weiterer Folge laufenden Kosten für Betrieb und Instandhaltung seien beim Tunnel deutlich niedriger anzusetzen als bei der Brücke. Weitere hitzige Diskussionen dürften somit folgen.

„Halten am Bau der neuen Brücke fest“
Im „Krone“-Interview nimmt Alexander Walcher, GF der Asfinag Bau Management GmbH, Stellung zum neuen Gutachten.

Krone: Wie bewerten Sie das neue Gutachten?
Alexander Walcher: Aus ihm geht hervor, dass man den Tunnel nicht so breit machen müsste, wie von uns berechnet, und er deswegen günstiger sei. Wegen eines Pannenstreifens, den es benötigen würde, stimmen diese Berechnungen aber nicht.

Wo orten Sie noch eine Schieflage?
Es wird der Vorwurf erhoben, dass wir auf der Brücke einen Pannenstreifen machen würden, der eine versteckte Kapazitätserweiterung sei. Dieser ist aber tatsächlich nur als Pannenstreifen gedacht. Es wird hier sicher keine dritte Fahrspur daraus entstehen.

Wie sehen die weiteren Schritte aus?
Das ist ein Bruch seitens der Gemeinde. Vereinbart war, dass Herr Bergmeister das Gutachten erstellt und dieses bindend ist. Wir gehen davon aus, dass das hält. Am 4. Februar findet eine Gemeinderatssitzung statt, wo wir unsere Pläne nochmals vorstellen. Wir halten am Bau der Brücke fest. Sie ist die beste Lösung.

Manuel Schwaiger, Kronen Zeitung

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