03.12.2020 17:18 |

Attacken und Spott

Brüsseler Sex-Party bringt Viktor Orban in Nöte

Die Nachricht schlug in Ungarn ein wie eine Bombe: Ein prominenter EU-Abgeordneter des Landes und enger Vertrauter des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban ist in Brüssel bei einer Sex-Party mit Homosexuellen erwischt worden. Nach den peinlichen Enthüllungen musste Jozsef Szajer, der als wichtige Stütze der Regierungspartei Fidesz galt, zurücktreten.

Szajer hatte bei der Orgie nicht nur gegen die belgischen Corona-Beschränkungen verstoßen, er war von der Polizei auch mit Drogen in seinem Rucksack erwischt worden. Der ungarische EU-Politiker ist Gründungsmitglied der Fidesz-Partei.

Für Orban bedeutet das nicht nur Attacken der Opposition und Spott in der Presse. Der Fall dürfte auch Ungarns Position in der EU schwächen - gerade jetzt, inmitten des Streits um den Abbau der Rechtsstaatlichkeit in Ungarn und um die Blockade des EU-Haushalts.

Fidesz als Verfechterin „traditioneller Werte“
Die Affäre ist für die nationalkonservative Regierungspartei auch deshalb besonders peinlich, weil sie als Verfechterin traditioneller Werte auftritt und die Ehe als „Bund zwischen Mann und Frau“ in der Verfassung verankert hat. Der Jurist Szajer, verheiratet mit einer Richterin, spielte bei der Ausarbeitung der Verfassung von 2011 eine Schlüsselrolle.

Derzeit soll in die Verfassung auch noch eingefügt werden, dass „die Mutter eine Frau, der Vater ein Mann“ ist; eine Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare soll verboten werden.

Journalist warf Szajer Scheinheiligkeit vor
Der ungarische Journalist Szabolcs Panyi warf Szajer und seiner Partei deshalb Scheinheiligkeit vor. Auch die Opposition äußerte sich empört: „Während Fidesz-Politiker uns über Christentum, Familie, traditionelle Geschlechterrollen und Moral belehren, leben sie in Wirklichkeit ein völlig anderes Leben“, sagte der Vorsitzende der Oppositionspartei DK, Ferenc Gyurcsany.

Ungarn in Brüssel massiv unter Druck
Für Orban ist der Skandal auch auf EU-Ebene mehr als misslich. Dabei steht Ungarn in Brüssel gerade massiv unter Druck, weil es zusammen mit Polen ein Veto gegen den mehrjährigen EU-Haushalt und den Corona-Hilfsfonds eingelegt hat. Der Fall Szajer stärkt eine Woche vor dem EU-Gipfel nicht gerade Orbans Verhandlungsposition.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).