08.11.2020 06:00 |

True-Wireless-Stöpsel

„Huawei FreeBuds Pro“: Aller Anfang ist schwer

„Öffnen, verbinden, los geht‘s“, wirbt Huawei für die Einfachheit im Umgang mit seinen „FreeBuds Pro“. Das gilt allerdings nur, wenn man vorher ein paar Dinge beachtet, wie wir beim Test der neuen True-Wireless-Ohrhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung lernen mussten.

Voraussetzung für die Nutzung der neuen Huawei-Stöpsel ist die Installation der dazugehörigen App „AI Life“. Entscheidend ist allerdings, wo man diese herunterlädt. Denn wer als Android-Nutzer wie gewohnt den Weg über Googles Play Store wählt, wird zu seiner Überraschung feststellen müssen, dass die Ohrhörer beim ersten Scan nach Bluetooth-Geräten in der Umgebung nicht gefunden werden und sich auch nicht manuell hinzufügen lassen. Sie scheinen im aufgelisteten Huawei-Sortiment schlichtweg nicht auf.

Verwenden kann man die Stöpsel bei direkter Verbindung über die Bluetooth-Einstellungen zwar, vom versprochenen Bedienkomfort fehlt allerdings jede Spur. Ganz anders beim Download der App über Huaweis hauseigene App Gallery: Plötzlich werden die FreeBuds schon beim Aufklappen des Lade-Cases erkannt und in der App selbst stehen nun sogar diverse Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung, die in der via Play Store verfügbaren Applikation fehlten. Wer sich einigen Ärger sparen möchte, sollte daher direkt die App Gallery ansteuern.

Schwer zu greifen
Dann könnte es eigentlich auch schon losgehen, jedoch hat Huawei noch eine kleine Hürde eingebaut: Die hochglänzenden und dementsprechend nicht gerade griffigen Stöpsel sitzen bombenfest im Lade-Case und sind daher nur schwer aus diesem herauszubekommen. Gut möglich, dass die jeweils lediglich sechs Gramm leichten FreeBuds für zartere (asiatische) Finger produziert wurden, wir konnten sie jedenfalls nur mit größerer Mühe aus dem 60 Gramm schweren Lade-Etui befreien. Selbst kräftiges Schütteln hilft da wenig, zumal das ebenfalls per Magnet gesicherte Scharnier dabei nur allzu leicht wieder zuklappt.

Ein Tutorial in der App zeigt, wie man es richtig macht: Daumen auf den schwarzen Punkt, Zeigefinger an den Stiel - und tatsächlich geht das Herausnehmen danach leichter. Dass es eine derartige Anleitung überhaupt braucht, deutet aber darauf hin, dass sich Huawei der Problematik durchaus bewusst ist. Hier ging die Funktion offenbar auf Kosten der zugegebenermaßen jedoch sehr schönen Form.

Guter Halt, einfache Bedienung
Hat man die FreeBuds dann erst einmal draußen, sitzen sie nicht zuletzt dank der in drei verschiedenen Größen beigelegten Silikon-Ohrinlets bequem und fest in der Ohrmuschel und lassen sich selbst durch Laufen oder Hüpfen nicht mehr aus dieser herausbefördern. Die Bedienung funktioniert tadellos durch ein- oder mehrfaches „Zwicken“ der Stiel-Außenseite bzw. Entlangstreichen an dieser zur Regulierung der Lautstärke. Die aktive Geräuschunterdrückung wird durch längeres Drücken des Stiels aktiviert, über die (per App Gallery heruntergeladene) App ist es allerdings auch möglich, die Belegung zu ändern, um etwa stattdessen einen Sprachassistenten aufzurufen.

Solide Rauschunterdrückung und sehr guter Klang
Die aktive Rauschunterdrückung leistet per se bereits solide Arbeit. Wer dennoch nicht zufrieden ist, findet über die (korrekte) App neben dem dynamischen Modus, in dem sich die Rauschunterdrückung recht zuverlässig automatisch an die jeweilige Umgebung anpasst, weitere Optionen bzw. Presets für stille, laute und sehr laute Umgebungen.

Um die Geräusche dieser bei Bedarf doch einblenden zu können, steht ein „Aufmerksamkeitsmodus“ zur Verfügung - praktisch, wenn man beispielsweise zwischendurch kurz Gespräche führen muss. Auf Knopfdruck lassen sich dabei „Stimmen hervorheben“, in der Praxis konnten wir allerdings keinen hörenswerten Unterschied durch die Aktivierung dieses Features ausmachen.

Auch in puncto Klang können die FreeBuds Pro überzeugen. Die 11-Millimeter-Treiber liefern einen warmen, dynamischen Klang, der trotz Betonung der Bässe auch Mitten und Höhen nicht vernachlässigt und somit Liebhaber von Rock wie Klassik gleichermaßen zufriedenstellen dürfte. Auch wenn es am Sound demnach wenig zu bekritteln gibt: Ein Equalizer in der App wäre dennoch wünschenswert gewesen.

Lange Laufzeit
Die Akkulaufzeit gibt Huawei mit vier (bei aktiver Geräuschunterdrückung) bis sieben Stunden an - ein Wert, der sich mit unseren Praxiserfahrungen deckt. In Verbindung mit dem Lade-Case lässt sich die Laufzeit auf ungefähr 30 Stunden verlängern, ehe dieses wieder an die Steckdose muss. Per USB-C-Kabel lassen sich die Ohrhörer binnen 40 Minuten vollständig laden. Dank Unterstützung des Qi-Standards können die FreeBuds übrigens auch kabellos geladen werden, per „Power Sharing“ sogar von anderen Smartphones, was dann allerdings mit rund zwei Stunden entsprechend länger dauert.

Lobend erwähnt werden darf abschließend noch, dass sich die Huawei-Stöpsel via Bluetooth simultan mit zwei Geräten verbinden lassen. So kann schnell und unkompliziert zwischen verschiedenen Geräten hin- und hergewechselt werden.

Fazit: Sieht man von der anfänglichen Fummelei bei der Herausnahme und der wohl dem US-Handelsstreit mit China geschuldeten App-Problematik einmal ab, dann bieten Huaweis FreeBuds Pro keinen Anlass zur Kritik. Verarbeitung, Design, Klang, Bedienung sowie Akkulaufzeit überzeugen. Einziger Wermutstropfen bleibt somit der mit 179 Euro (UVP) zwar recht hohe, im Vergleich zur Konkurrenz von Apple dann aber durchaus fair erscheinende Preis.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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