02.11.2020 17:00 |

Wieder Stillstand

Verordnung ist schallende Ohrfeige für die Kultur

Ab Dienstag müssen im Zuge des zweiten Lockdowns alle Kultur- und Veranstaltungsbetriebe inklusive der Museen schon wieder ihre Tore schließen. Diese Hiobsbotschaft stellt eine Ohrfeige für Künstler und Veranstalter dar. Dank ihrer exzellenten Umsetzung der Verordnungen gab es keine Cluster-Bildungen bei Veranstaltungen. Die „Tiroler Krone“ suchte mit dem Veranstaltungszentrum Komma in Wörgl das Gespräch.

Die schon vor Monaten angekündigte zweite Welle hat uns erwischt, die Corona-Zahlen steigen täglich rasant an und es gilt nun, das Gesundheitssystem zu schützen. Die politisch Verantwortlichen in Bund und Land haben am Samstag in diesem Sinne Maßnahmen gesetzt, so wie es ihre Pflicht und ihre Aufgabe ist. Natürlich stellt sich hierbei die Frage, ob alle diese ab morgen geltenden Verordnungen gerechtfertigt sind.

Neue Wege brachten nichts
Insbesondere der schon seit dem Frühjahr stark geschädigte Kulturbetrieb wurde wiederum zu einem der Hauptleidtragenden der Pandemie erkoren. Dieser Schritt muss allen Künstlern und Veranstaltern wie eine gehörige Ohrfeige vorkommen. Während der ersten Schließungsphase haben sie versucht, neue Wege zu beschreiten, damit die bunte, vielfältige Fahne der Kultur nicht untergeht und ins Vergessen gerät.

Dazu nutzten sie alle sich bietenden Möglichkeiten des Internets, um mit Streams und anderen Online-Aktionen ihre Kunst den Menschen in deren eigenen vier Wände zu bringen. Wer in den letzten Wochen bei einer Kulturveranstaltung war, der weiß, wie komplex die gesetzlich vorgegebenen Vorkehrungen sind und wie aufwendig und kostenintensiv für den Veranstalter es ist, diese dann auch in die Praxis umzusetzen.

Keine Cluster bei Veranstaltungen
Besucher-Registrierung, Desinfektionsspender, Maskenpflicht, vermehrtes Personal, Reduzierung des Publikums (teilweise auf mehr als die Hälfte der Sitzplätze), damit der notwendige Hygieneabstand vorhanden ist. Für den Zuseher präsentiert sich das alles ungewohnt und hin und wieder auch unangenehm, aber es war und ist sicher, da es keine „Cluster-Bildungen“ bei Veranstaltungen gab. „Auch nicht bei den Salzburger Festspielen, wo insgesamt 80.000 Besucher waren“, wie vor kurzem Helene Schnitzer von den Tiroler Kulturinitiativen betonte.

Auch Landestheater Intendant Johannes Reitmeier und Hannah Crepaz von musik+ schlugen in diese Kerbe und verlauteten, dass bisher eine viertel Million Menschen in Österreich bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen waren, deshalb „sollte dies Beweis genug für effizientes Sicherheitsmanagement sein.“ Wie Kulturschaffende diese Hiobsbotschaft gestern aufnahmen und versuchen, damit umzugehen, davon machte sich die „Tiroler Krone“ ein Bild vor Ort im Unterländer Veranstaltungszentrum Komma in Wörgl.

„Waren sehr positiv eingestellt“
Dank Hilfe der Stadtgemeinde Wörgl, in welcher laut Komma-Geschäftsführer Luggi Ascher „Kultur auch in der Krise Bedeutung hat“, stand die Stadtführung hinter dem Komma-Personal und es konnten Instandhaltungsarbeiten in der Zeit des „Stillstandes“ erledigt werden. „Wir waren, nachdem ein sanfter Kulturbetrieb wieder erlaubt war, sehr positiv eingestellt“, meint die für die Koordination der Veranstaltung im Komma verantwortliche Petra Rodens.

„160 Veranstaltungen wurden vom März auf den heurigen Sommer gebucht, da wir die Verträge mit den Künstlern auch schon abgeschlossen hatten. Starten konnten wir aber dann erst im September“, führt Ascher weiter aus. Für den Herbst wurde dann ein komplett neues Konzept mit neuem Programm erarbeitet, in welchem wegen der Reisebeschränkungen nur nationale Künstler eingeplant wurden.

“Vorprogrammiertes Todesszenario“
So wurden die gesamten „nicht bestuhlten“ Veranstaltungen wie Metal- oder Rockkonzerte gestrichen. Die vollständigen Rücklagen des „Komma Kultur Vereins“ wurden hierfür aufgebracht. Den heurigen Betrieb können sich die Verantwortlichen aus den Rücklagen der Vermietungen gerade noch leisten. „Die Gesamtumsätze liegen bei zehn Prozent von einem normalen Jahresdurchschnitt. Die Situation stellt für uns, gelinde gesagt, ein vorprogrammiertes Todesszenario dar“, erklärt Luggi Ascher abschließend.

Hubert Berger, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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