24.10.2020 12:55 |

Besonders in Europa

WHO in Sorge: Weltweit neue Corona-Rekordzahlen!

Die Pandemie hat Europa und die Welt fest im Griff: Aus vielen Ländern wurden am Samstag wieder neue Rekordzahlen an Infizierten gemeldet, die Maßnahmen gegen die Ausbreitung wurden vielerorts massiv verschärft. Gleichzeitig zeigt sich in der Bevölkerung wachsende Corona-Müdigkeit, die in Protesten Ausdruck findet: In Italien gab es Festnahmen. Die WHO zeigt sich angesichts der rasanten Ausbreitung der Pandemie, vor allem auf der Nordhalbkugel, sehr besorgt.

Die weltweiten Infektionszahlen bleiben auf hohem Niveau. So meldet etwa Belgien bei 11,5 Millionen Einwohnern mit 15.432 Corona-Infektionen binnen eines Tages einen neuen Höchstwert. Die Zahl sei bereits am Dienstag registriert worden, meldete die Nachrichtenagentur Belga am Samstag. Der vorherige Tages-Höchstwert lag bei 12.969 (18. Oktober). Die EU-Seuchenbehörde ECDC meldete am Freitag für Belgien pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen rund 1020 Neuinfektionen. Der Trend geht trotz massiver Gegenmaßnahmen - geschlossene Lokale, eine nächtliche Ausgangssperre, Kontaktvermeidung und Heimarbeit - weiterhin nach oben.

Proteste gegen Maßnahmen in Süditalien
Eine nächtliche Ausgangssperre gibt es auch in einigen Regionen Italiens. Dort kam es in Neapel in der Nacht auf Samstag zu gewaltsamen Protesten gegen die Maßnahme, bei denen zwei polizeibekannte Männer wegen eines Angriffs auf Polizisten festgenommen wurden. Demonstriert wurde auch in Salerno, wo einige Hundert Menschen gegen die vom Präsidenten der Region, Vincenzo De Luca, beschlossenen Restriktionen protestierten, die am Freitag in Kraft traten. In Italien wurden allein am Freitag 19.000 Neuinfektionen gemeldet.

Mehr als 80.000 neue Fälle in den USA
Einen neuen Tagesrekord meldeten die Gesundheitsbehörden in den USA. Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) verzeichnete am Freitag 83.757 neue Fälle, rund 12.000 mehr als noch am Vortag. Die Gesamtzahlen der Infektionen liegen generell über denen vom Frühjahr. Sie sind aber nur bedingt vergleichbar, weil mittlerweile auch in den USA wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Insgesamt wurden laut JHU in den USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern seit Beginn der Pandemie knapp 8,5 Millionen Coronavirus-Infektionen bestätigt. Etwa 224.000 Menschen starben bisher - mehr als in jedem anderen Land.

Ausgangssperren für zwei Drittel der Franzosen
In Frankreich sind in der Nacht auf Samstag neue Maßnahmen in Kraft getreten, rund zwei Drittel der Franzosen leben nun in Regionen mit nächtlichen Ausgangssperren. Auch für die Zahl der registrierten Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden wurde mit 42.032 ein neuer Spitzenwert vermeldet. In ganz Frankreich habe es bis Freitagabend bereits mehr als eine Million bestätigte Fälle gegeben, teilten die Behörden mit. Im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Coronavirus starben bisher mehr als 34.500 Menschen. Seit einer Woche gilt erneut der Gesundheitsnotstand, mit dem die Regierung weitgehende Beschränkungen per Dekret durchsetzen kann.

Reproduktionszahl in Deutschland bei 1,23
Auch Deutschland kämpft mit neuen Höchstwerten. Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter dort nach Angaben des Robert-Koch-Instituts von Samstagfrüh 14.714 neue Corona-Infektionen gemeldet, so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie in Deutschland. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung überschritt am Samstag die Marke von 10.000. Da es allerdings am Donnerstag zeitweise zu Datenlücken bei der Übermittlung von Infektionszahlen gekommen war, könnten in der jüngsten Zahl der Neuinfektionen entsprechende Nachmeldungen enthalten sein. Insgesamt haben sich in Deutschland bisher rund 418.000 Personen infiziert. Die Reproduktionszahl liegt derzeit bei etwa 1,23 - zehn Infizierte stecken also im Schnitt zwölf Personen an.

13.600 Infizierte in Polen - auch der Präsident
Im schwer gebeutelten Polen hat sich Präsident Andrzej Duda (48) mit dem Coronavirus infiziert - und neben ihm am Freitag rund 13.600 weitere Menschen, ein neuer Höchstwert. Die Regierung verschärft deswegen die Schutzmaßnahmen. So dürfen einander von Samstag an nur noch maximal fünf Personen treffen, Präsenzunterricht an Schulen gibt es nur noch bis zur dritten Klasse, Restaurants dürfen Essen nur noch außer Haus verkaufen. Älteren Menschen wurde empfohlen, möglichst zu Hause zu bleiben.

Mehr als 156.000 Tote in Brasilien
Brasilien meldet mittlerweile mehr als 156.000 Todesfälle durch Covid-19. Und die Krankheit breitet sich auch dort weiter aus. Das Gesundheitsministerium meldete zuletzt 30.026 Neuinfektionen. Damit steigt die Gesamtzahl der Ansteckungen auf mehr als 5,3 Millionen. Brasilien weist in der Coronavirus-Pandemie nach den USA und Indien weltweit die meisten Infektionen und Todesfälle auf.

Nächtliche Ausgangssperre in Wales
In Großbritannien trat in der Nacht auf Samstag ein regionaler zweiwöchiger Lockdown in der Region Wales in Kraft. „Unser Ziel ist es, dass wir dieses Maß an Einschränkungen in Wales vor Weihnachten nicht mehr brauchen werden“, sagte der walisische Regierungschef Mark Drakeford. 3,1 Millionen Menschen sind in dem britischen Landesteil von der Maßnahme betroffen. Großbritannien gehört zu den am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern Europas. Mit mehr als 44.000 Corona-Toten weist es die höchste Opferzahl des Kontinents auf.

Mehr als zehn Millionen Infizierte in Asien
Asien hat am Samstag als zweite Weltregion nach Lateinamerika die Marke von zehn Millionen Corona-Infektionen überschritten. Das sind rund ein Viertel der global registrierten 42,1 Millionen Ansteckungen, wie aus einer Reuters-Erhebung aus offiziellen Daten hervorgeht. Experten vermuten allerdings eine hohe Dunkelziffer. In Asien besonders betroffen von der Pandemie sind Indien, Bangladesch, Indonesien und die Philippinen. China und Neuseeland haben das Virus dagegen eindämmen, Japan eine beschleunigte Ausbreitung verhindern können.

WHO-Chef: „Sind auf einem gefährlichen Pfad“
Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die von rasant steigenden Corona-Infektionen betroffenen Länder zum Handeln aufgerufen. „Zu viele Länder sind auf einem gefährlichen Pfad“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus bereits am Freitag. „Wir sind an einem kritischen Punkt, vor allem in der nördlichen Hemisphäre. Die nächsten Monate werden sehr schwierig.“

Er beschwor Regierungen, sofort neue Maßnahmen zu ergreifen, um weitere Todesfälle zu verhindern und die Gesundheitsdienste vor dem Kollaps zu bewahren. Wenn Regierungen die Kontaktverfolgung rigoros durchführten und Infizierte isolierten sowie deren Kontakte in Quarantäne schickten, könnten Ausgangsverbote noch vermieden werden. Länder müssten es den Menschen allerdings auch einfach machen, Quarantäneauflagen einzuhalten. Unterstützung sei für Einzelne und Familien nötig.

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