Neue Studie:

„G’sunde Watschn“ ist noch immer kein Tabu

„Junge Menschen haben das Recht, vor Gewalt geschützt zu werden“, sagt Christina Winkler-Kirchberger, Kinder- und Jugendanwältin des Landes OÖ. Eine aktuelle Studie aber belegt, dass Mobbing in der Schule 28 Prozent Kinder und Jugendliche erleben, Ohrfeigen von Eltern 24%, sexuelle Gewalt kennen 35 Prozent.

Gewalt gibt es in der Freizeit, aber auch in der eigenen Familie, in der Schule, im Internet. Die aktuelle Jugendstudie, durchgeführt vom Institut für Jugendkulturforschung, befragte 1000 14- bis 18-Jährige im Zeitraum zwischen Februar und Mai 2020 zu ihren Erfahrungen von Gewalt. „Mobbing in der Schule ist die Gewalt, die von den Jugendlichen am häufigsten erlebt wird“, bilanziert Studienautor Bernhard Heinzlmaier. So haben österreichweit 13 Prozent Mobbing in der Schule häufig beobachtet. 28 Prozent haben es selbst erlebt, also fast jeder dritte Schüler.

Streit sehr häufig
In OÖ haben 11 Prozent häufig und 46 Prozent ab und zu Mobbing beobachtet oder erlebt. Insgesamt wird Gewalt unterschiedlich erfahren. „Streit“ geben 54 Prozent als häufigste Situation an, gefolgt von „beschimpft werden“ (38 Prozent).

Mehr Schutz gefordert
Erschütternd: 24 Prozent Kinder und Jugendliche werden von Eltern geohrfeigt. Mit der „g’sunden Watschn“ wächst noch jedes vierte Kind auf: „Der Corona-Lockdown hat den Stress in Familien teils verstärkt“, diagnostiziert Heinzlmaier – siehe auch Interview.  Sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen passiert in allen Gesellschaftsgruppen, rund 35 Prozent weiblicher Jugendlicher werden ungewollt begrapscht, 27 Prozent unangenehm angeflirtet. Die Kinder- und Jugendanwaltschaften fordern nun eine umfassende „Kinderschutz-Strategie“, darin u.a. Schulsozialarbeit und Elternbildung.

„Wichtig wäre weniger Panik!“
„Corona, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit beschäftigen auch die Jungen sehr“, sagt Bernhard Heinzlmaier, Experte und Studienautor, im Interview.

„Krone“: Wie erleben Jugendliche die Corona-Krise?
Bernhard Heinzlmaier: Ob Lockdown oder Schulschließungen, besonders betroffen waren die unter 20-jährigen, sie wurden vom Freundeskreis abgeschnitten. Doch der ist wichtig, wenn es um Probleme mit Eltern, Lehrern geht. Viele haben psychischen Stress bekommen.

„Krone“: Welche Auswirkungen wird Corona haben?
Es wächst eine Generation heran, in der Angst und Furcht stärker herrschen. Die Generation blickt vielleicht nicht so selbstbewusst in die Zukunft. Wichtig wäre es, die Panik zurückzufahren! Wir dürfen für Jugendliche nicht alle Freiräume einschränken. Sie brauchen ihre Freunde, um erwachsen zu werden!

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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Sonntag, 25. Oktober 2020
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