17.09.2020 06:00 |

Ein Experte erklärt

So verändert die Krise die steirische Wirtschaft

Die Folgen der Corona-Pandemie beschleunigen Wandel in Unternehmen. Die Steiermark hat einen Aufholbedarf bei Digitalisierung, Globalisierung wird derzeit etwas eingebremst. Das große „Krone“-Interview mit dem Grazer Volkswirtschaft-Uni-Professor Michael Steiner.

Herr Professor Steiner, insbesondere für die Industrie wird aufgrund der Corona-Krise ein schwieriger Herbst prognostiziert. Teilen Sie diese Einschätzung?
Ja. Die Industrie ist bisher nicht schlecht durch die Krise gekommen, doch die vorhandenen Aufträge sind weitgehend abgearbeitet, die Akquisition von neuen Aufträgen ist schwierig.

Die Steiermark ist stark exportorientiert. Erweist sich das in Zeiten der Krise, wo Grenzen dichtgemacht werden, als Nachteil?
50 Prozent der in der Steiermark produzierten Ware gehen in die Welt. Es ist eigentlich die steirische Stärke, die in den vergangenen 20 bis 30 Jahren sukzessive aufgebaut wurde. Ich wäre vorsichtig, das jetzt infrage zu stellen.

Die steirische Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gewachsen. Hilft dieser „Polster“ jetzt in der Krise?
Ja, die steirische Wirtschaft ist insgesamt gut aufgestellt. Aber es gab noch nie so einen Einbruch. Joanneum Research rechnet für heuer mit einem Rückgang der steirischen Wirtschaftsleistung von acht Prozent. Wenn wir aber im zweiten Halbjahr 2021 oder 2022 wieder das Niveau von früher erreichen, kann der steirische Weg weitergehen.

Wie wird die Krise die steirische Wirtschaft verändern?
Die Corona-Krise wird die Welt nicht substanziell verändern, aber Prozesse beschleunigen. Die steirischen Stärkefelder, wie die nach wie vor wichtige Automobilindustrie, werden wohl weiter diversifiziert (breiter aufgestellt, Anm.). Bei der Digitalisierung haben wir Aufholbedarf, die Infrastruktur weist noch weiße Flecken auf, auch die Bevölkerung muss eingebunden werden. Und die Wertschöpfungsketten werden nicht mehr ganz so globalisiert sein wie zuvor, wobei wir vor einer allzu engen Regionalisierung aufpassen müssen - die Steiermark will ja auch Produkte wie etwa den Wein exportieren.

Können diese Veränderungen die steirische Wirtschaft letztlich sogar verbessern?
Die steirische Wirtschaft könnte stark aus der Krise kommen, wenn auch mit nicht wenigen Verletzten und Verlierern. Entscheidend ist aber auch die Frage der Qualifizierung. Durch den demografischen Wandel gehen viele Facharbeiter in Pension, sie müssen in ausreichender Zahl nachbesetzt werden. Diese Lücke zu schließen ist nicht einfach.

Noch eine Frage zu einer aktuellen politischen Debatte: Kann eine Arbeitszeitverkürzung die wirtschaftliche Erholung beschleunigen?
Langfristig ist eine Arbeitszeitverkürzung denkbar, wenn die Produktivität weiter zunimmt und sich die Lebensumstände ändern. Als radikalen Schnitt halte ich sie aber nicht für möglich und nicht für realisierbar.

Jakob Traby
Jakob Traby
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