Konkrete Hinweise

Commerzialbank: Informant warnte vor 5 Jahren

Burgenland
20.08.2020 21:06

Ein Informant aus dem Inneren der Commerzialbank Mattersburg soll bereits vor fünf Jahren konkrete Hinweise an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) weitergegeben haben, wonach Ex-Chef Martin Pucher seit „Jahren Millionen zur Seite schafft“. Der Whistleblower gab dabei auch an, dass Pucher das Geld zur persönlichen Bereicherung sowie für den Fußballverein SV Mattersburg verwendet habe. Brisante Details, die sich im Juli 2020 schließlich als gesichert herausgestellt haben.

Wie ORF Burgenland am Donnerstagabend in „Burgenland heute“ berichtete, reagierte die Staatsanwaltschaft bereits einen Tag nach der Meldung des Whistleblowers mit Rückfragen, die der Informant auch umgehend beantwortete und dabei die Behörden zum Handeln aufforderte: „Es sollte doch mit meiner Information ein Leichtes sein, [...] die Konten zu finden und die ,Kontoinhaber‘ zu kontaktieren?“ Der Skandal um die Mattersburger Bank flog allerdings bekanntlich erst im Juli 2020 auf.

(Bild: APA/Robert Jäger)

Mitarbeiter „bedingungslos“ auf Pucher gehört
Das Dokument mit den detaillierten Informationen fand sich demnach im Strafakt zum Kriminalfall Commerzialbank Mattersburg. Die Meldung an die WKStA bringt auch ans Licht, wie sehr die Bank auf die Person des Martin Pucher ausgerichtet war: „Herr Pucher braucht keinen Vorwand, um sich dieses Geld schicken zu lassen. Er ist der Chef und in der Bank wird gemacht, was er sagt - bedingungslos.“

Ex-Chef verteilte erfundenes Geld
Üblicherweise habe sich Pucher ein paar Mal im Monat einige 100.000 Euro von einem Schalterbeamten in sein Büro schicken lassen, von wo aus er die Gelder schließlich verteilte. Das Geld sei von gefälschten Bankkonten gekommen, die auf die Namen von real existierenden Personen angelegt wurden. „Diese haben jedoch keine Ahnung, dass diese Konten eröffnet wurden. Und natürlich wissen diese Leute auch nicht, dass ,ihre‘ Konten heillos überzogen sind mit 6- oder 7-stelligen Beträgen“, heißt es weiter in der Originalmeldung aus dem Juli 2015.

Betrug über viele Jahre nicht aufgefallen
Dass dieser Betrug im großen Stil den Behörden - also der Finanzmarktaufsicht, der WKStA oder der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) - über so viele Jahre nicht aufgefallen ist, sorgt nach wie vor für Kopfschütteln. Am Ende dürften lediglich die durch die Einlagensicherung gesicherten Spareinlagen in der Höhe von bis zu 100.000 Euro pro Sparer erhalten bleiben. Jegliche weitere Forderung könnte lediglich mit dem Geld bezahlt werden, das nach dem Konkursverfahren noch übrig ist.

Rolle der Wirtschaftsprüfungskanzlei
Der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Pichler von der WU-Wien erachtete es im Gespräch mit dem ORF Burgenland jedoch als verfrüht, über ein Komplettversagen der heimischen Bankenaufsicht zu sprechen. „Es wundert mich, dass der Schaden so lange nicht aufgefallen und dadurch auch so groß geworden ist.“ Auffallend sei es jedoch, dass die Wirtschaftsprüfungskanzlei, die mit der Bilanzprüfung der Bank betraut war (TPA-Gruppe, Anm.), nicht früher draufgekommen sei.

Laut Pichler hätte sich die TPA bei auffällig großen Saldenbewegungen nicht nur mit den - offenbar gefälschten - Dokumenten der Commerzialbank zufriedengeben dürfen, sondern auch nachtelefonieren sollen. „Die beste Maßnahmen ist einfach stichprobenartig anzurufen bei der betreffenden Bank und zu fragen, gibt es diese Einlage überhaupt“, so der WU-Professor. 

Pucher und seine in den Kriminalfall verwickelte Ex-Vorständin sind geständig, was die gefälschten Bilanzen und die Hunderten Millionen Euro von verschwundenem Geld angeht. Pucher habe „aufgrund des massiv gestiegenen Ergebnisdrucks“ gehandelt. Deshalb habe er Kredite erfunden, Jahresabschlüsse, Guthaben bei Fremdbanken oder Saldenbestätigungen gefälscht.

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