14.08.2020 09:00 |

In Dölsach

Neue archäologische Erkenntnisse in Aguntum

In der Römerstadt Aguntum mussten die Bewohner vor 18 Jahrhunderten mit einer harten wirtschaftlichen Krise leben: Dass im dritten Jahrhundert aber die öffentliche Hand pleite war, die Handwerker hingegen wohlhabend, hat Michael Tschurtschenthaler mit 21 Mitarbeitern gerade herausgefunden. Nach einer siebenwöchigen Grabungsarbeit folgt die wissenschaftliche Aufarbeitung.

„Beim Forum in Aguntum gab es im dritten Jahrhundert nach Christus einen Brand; die Ruine wurde nie mehr aufgebaut“, weiß Michael Tschurtschenthaler. Der Archäologe von der Universität Innsbruck leitet seit 1991 die Ausgrabungen in der einstigen Römerstadt und war gerade mit 21 jungen Archäologen und Studenten in Osttirol.

Neue Erkenntnisse
„Damals litten alle im gesamten römischen Reich unter einer wirtschaftlichen und sozialen Krise. Alles Geld musste aus den Provinzen nach Rom gebracht werden. Die Städte draußen wurden ausgeblutet. Aguntum konnte sich den Aufbau der Ruine nicht leisten“, erklärt Tschurtschenthaler. Im Handwerkerviertel aber entdeckten die Archäologen aus der gleichen Zeit Zu- und Neubauten. „Im privaten Bereich gab es also im Gegensatz zum öffentlichen sehr wohl Geld“, meint Tschurtschenthaler.

Das Handwerkerviertel war ja bereits in den 1950er und 1960er Jahren ausgegraben worden, was damals kaum dokumentiert wurde. Dies nachzuholen, war nun eine der Aufgaben. Zudem mussten die teils desolaten Mauern restauriert werden. In einem verschütteten Keller entdeckten die Forscher Messer, Schreibstift, Haar- und Nähnadeln aus Bein, eine Schmuckperle aus Knochen, eine erhaltene Amphore und eine ebenso intakte Bronzekleiderfibel. „Die Funde werden in Innsbruck inventarisiert und untersucht, wissenschaftliche Publikationen werden verfasst“, erklärt Michael Tschurtschenthaler, der nach fast 30 Jahren die Grabungsleitung an Martin Auer übergibt.

Christina Natascha Kogler
Christina Natascha Kogler
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