09.08.2020 06:01 |

Mobil-Apps am PC

Wieso Samsung-Handys so stark auf Microsoft setzen

Samsungs Aufstieg zu einem der führenden Smartphone-Hersteller ist zu einem guten Teil Google und seinem Mobilbetriebssystem Android zu verdanken. Doch bei der Enthüllung der neuen Galaxy-Note-20-Reihe vor wenigen Tagen fiel der Name Google selten, stattdessen räumte Samsung dem Rivalen Microsoft reichlich Platz ein und berichtete von fruchtbaren Kooperationen. Die Partnerschaft hat einen Grund: Will Samsung langfristig gegen den großen Rivalen Apple bestehen, muss der Konzern seine Handys enger mit dem PC verzahnen. Und dort hat Microsoft das Sagen.

Microsoft, Microsoft und noch mal Microsoft: Bei Samsungs „Unpacked“-Show hätte man meinen können, das Betriebssystem auf dem neuen Galaxy Note 20 (Ultra) stamme von Samsung und Microsoft, nicht von Google.

Samsungs „Unpacked“-Show zur Nachschau:

Für Gamer wurde Microsofts Spiele-Streamingdienst Xcloud angepriesen, für die tägliche Arbeit haben Samsung und Microsoft geräteübergreifende Features wie Android-Apps am Windows-Computer, verbesserte Synchronisierung und Direktzugriff in Windows-Programmen auf Inhalte am Smartphone präsentiert. Samsung zeigte auch, wie das neueste Android-Tablet der Koreaner als Zweitbildschirm für Windows-PCs genutzt werden kann - ein Trick, den Apples iPads und Macbooks schon lange können. Alles Features, die es vorerst nur auf Samsung-Smartphones gibt, wie Microsofts Kompatibilitätsliste der neuen „Begleiter für Ihr Smartphone“-App zeigt.

Samsungs und Microsofts Allianz gegen Apple
Wie das IT-Portal „The Verge“ analysiert, bereiten sich Microsoft und Samsung mit ihrer Kooperation auf eine neue Runde im Wettkampf der Mobilbetriebssysteme vor. Ging es bislang vor allem darum, wer das umfassendere Software-Angebot zur Verfügung stellt, werde es in Zukunft vermehrt darum gehen, wie gut das Smartphone mit den anderen Computern im Haushalt, Spielkonsolen und anderen smarten Geräten zusammenspiele. Bei diesem geräteübergreifenden Arbeiten hat zuletzt Apple massiv vorgelegt - und damit sowohl die PC-Konkurrenz bei Microsoft, als auch die Rivalen am Smartphone-Markt unter Zugzwang gesetzt.

Apples Geräte rücken bald näher zusammen
Apple hat nämlich vor einigen Wochen einen großen Strategiewechsel seiner Computersparte verkündet: Setzten Macbooks bisher auf Intel-Prozessoren, wie man sie auch in anderen PCs findet, sollen in Zukunft in Apples Notebooks stromsparende ARM-Prozessoren wie im iPhone zum Einsatz kommen. Auf der Entwicklermesse WWDC präsentierte Apple bereits Demos, bei denen iPhone- oder iPad-Anwendungen nativ auf Macbooks mit ARM-Prozessoren liefen. Dass Apples Smartphones, Tablets und Computer auf die gleiche grundlegende Prozessorarchitektur setzen, macht es möglich, Software geräteübergreifend zu nutzen und könnte auf lange Sicht zu einer besseren Verzahnung der einzelnen Geräte in Apples Ökosystem führen. Mobile Smartphone-Apps am Computer zu nutzen, könnte bei Apple also durchaus üblich werden.

Apple braucht keine Partner, Samsung schon
Während bei Apple Hard- und Software aus einer Hand kommen und entsprechend gut aufeinander abgestimmt werden können, hat die Windows- und Android-Welt beim Zusammenspiel verschiedener Geräte ein Problem. Android-Erfinder Google hat sein Mobilbetriebssystem zwar näher an sein Laptop-Betriebssystem ChromeOS herangerückt und ermöglicht dort die Nutzung von Android-Apps, im Zusammenspiel mit Windows-PCs - und die sind nun einmal am verbreitetsten - ist Android aber bislang kein allzu großer Hit. Manche Smartphone-Hersteller wie nun eben Samsung suchen daher die Zusammenarbeit mit Microsoft, um ihre Handys besser mit den Computern der Kundschaft zu verzahnen - und modifizieren Android so, dass es reibungsloser mit Windows zusammenarbeitet.

Microsoft gewinnt nun doch an Bedeutung am Handy
Bei Microsoft dürfte man sich über das Interesse der Smartphone-Hersteller an einer Zusammenarbeit freuen. Immerhin ist der Windows-Konzern mit seinem eigenen Smartphone-Betriebssystem Windows Phone im Kampf mit Android und iOS unter die Räder gekommen und versucht nun seit Jahren, wieder mehr Präsenz am Handy zu zeigen - etwa mit Android- und iOS-Versionen seines Office-Pakets und anderer Microsoft-Dienste. Dass die Smartphone-Hersteller nun von sich aus auf Microsoft zukommen und den Redmonder Softwarekonzern bitten, seine Dienste tiefer in ihre Android-Smartphones zu integrieren, dürfte bei Microsoft als Erfolg gewertet werden - und wird mittelfristig wohl nicht auf Samsung-Geräte beschränkt bleiben.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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