22.07.2020 11:01 |

Trilogie abgeschlossen

Herzkino: „Die schönsten Jahre eines Lebens“

Das Seelenleben eines Liebespaares gehört zu den ältesten Stoffen der Filmwelt. Erste Küsse und späte Probleme, wilder Sex oder dumpfe Niedertracht sind meist auf handelsüblichen 90 Minuten verteilt. Der französische Regisseur Claude Lelouch schließt nun mit „Die schönsten Jahre eines Lebens“ (Kinostart: 24. Juli) eine mehr als fünf Jahrzehnte umfassende Trilogie ab.

Zum Glück für die Filmbesucher kann er dabei auch in diesem dritten Kapitel der Liebe von Anne und Jean-Louis auf die in sehenswerter Würde gealterten Stars Anouk Aimee (88) und Jean-Louis Trintignant (89) zurückgreifen.

Mit „Ein Mann und eine Frau“ hatte Lelouch 1966 einen Klassiker der Nouvelle vague gedreht, während der französische Autorenfilmer neue Ästhetiken entwickelte. Die Story um eine Schauspielerin und einen Rennfahrer, die nach Schicksalsschlägen nur langsam zueinander finden, räumte international ab: die Goldene Palme in Cannes, einen Oscar für das Originaldrehbuch, Oscar und Golden Globe als bester ausländischer Film, für Aimee noch Golden Globe und britischen Film Award. In vielen Ohren zudem bis heute präsent: die traumhafte Titelmelodie „Un homme et une femme“ von Francis Lai.

1985 drehte Lelouch ebenfalls mit Aimee und Trintignant die Fortsetzung „Ein Mann und eine Frau - Zwanzig Jahre später“. Der Film sollte allerdings hinter dem Erfolg des ersten Teils zurückbleiben. Für „Die schönsten Jahre eines Lebens“ lässt Lelouch nun Anne und Jean-Louis noch mal in die Normandie zurückkehren, wo einst ihre jeweiligen Kinder dasselbe Internat besuchten. Diese wollen der einen Mutter und des anderen Vater wieder zusammenbringen - eher aus therapeutischen, denn aus romantischen Gründen.

Dafür besucht Anne den inzwischen von schwerer Demenz gezeichneten Greis in einem luxuriösen Altersheim. Es entwickeln sich zunächst zögerliche Gespräche zwischen Anne und Jean-Louis, später folgen kleine Ausflüge in die gemeinsame Vergangenheit. Während Anne sich eigener Erinnerungen und lang verdrängter Gefühle gewahr wird, vertieft Jean-Louis das Gefühlschaos durch unberechenbare Wechsel zwischen hellen Momenten und haltlosen Fantasien.

So ergeben sich immer wieder überraschende Exkursionen des inzwischen so ungleichen Paares zwischen Erinnerungsfetzen, gefühlten Momenten, kurzen Realitätsschüben, romantischen Tagträumen, groteskem Humor. Das Schönste dabei: Lelouch, Aimee und Trintignant gelingt es, die wunderbar melancholische Stimmung der ersten filmischen Begegnung auch mehr als 50 Jahre später wieder einzufangen.

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