12.07.2020 07:39 |

Volks-Rock‘n‘Roller

Gabalier: „Ich will den Leuten nicht wurscht sein“

Volksmusiker Andreas Gabalier spricht im Interview mit Oliver Pokorny über Bundeskanzler Kurz, Corona, seine Kritiker, eigene Fehler und private Zukunftspläne.

„Krone“: Herr Gabalier ...
Andreas Gabalier:
Du kannst mich duzen. Mit dem Volks-Rock’n’Roller sind alle per du.

Muss das sein?
Ja, bitte. Du kannst ja trotzdem kritische Fragen stellen.

Na gut, probieren wir es. Du darfst dank Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz heute vor dem F1-Start wieder vor Hunderttausenden TV-Zusehern auftreten. Mateschitz und Gabalier - wie passt das zusammen?
Didi hat mich vor zehn Jahren in seinen „Hangar 7“ eingeladen, das war ein netter Nachmittag. Offenbar gefallen ihm meine Lieder. Gleich von Beginn an hat die Chemie zwischen uns gestimmt - und so haben wir in unterschiedlichen Projekten immer wieder Tolles miteinander angestellt. Für den heutigen Grand Prix der Steiermark wollte der Didi die steirische Landeshymne haben. Ich habe zu Hause ein Demo eingespielt, meine Interpretation des Dachstein-Lieds. Die scheint ihm wieder gefallen zu haben.

Andreas Gabalier ist die Antipode zum Leben mit Corona, zum Abstandhalten und Lockdown. Du bist immer viel unterwegs, mischst dich unter die Leute, feierst viel und singst gerne in geselligen Runden an der Bar. Wie sehr hat dich Corona getroffen?
Gar nicht. Ich hatte nach den anstrengenden letzten Jahren eine Pause eingeplant, mit Corona kann ich diese Pause noch strenger einhalten. Eigentlich genieße ich den Abstand. Ich mache viel Sport, arbeite an neuen Songs und Projekten.

Wirtschaftlich wird Corona dich wohl auch nicht vom Schlitten werfen ...
Noch nicht. Wir mussten unser in München geplantes Festival für 170.000 Fans leider absagen. Der Wahnsinn dabei: Wir hatten schon 100.000 Tickets verkauft, und bis heute hat kein einziger Fan sein Ticket zurückgegeben. Die Leute harren aus, meine Fans sind wohl fanatisch-euphorisch. Sollte die Show allerdings auch nächstes Jahr nicht stattfinden können, würde uns das wirtschaftlich extrem hart treffen. Wir investieren in ein Festival, das es so weltweit noch nicht gegeben hat - das kostet sehr viel Geld.

Wir sitzen gerade in Velden am Wörthersee - sehr viele Menschen hier reden von einer drohenden zweiten Corona-Welle. Bist du Corona-Optimist oder -Pessimist?
Es wäre mir bisher nicht eingefallen, mich testen zu lassen, ich habe ein super Immunsystem. Für meinen Auftritt in Spielberg muss ich nun einen Test machen. Grundsätzlich habe ich keine Angst: Ich bin nach wie vor viel unter Leuten, Abstand halte ich vor allem zu älteren Semestern, damit ich keinen Schaden anrichte. Die aktuellen Cluster sehe ich nicht als zweite Welle, eher werden wir wohl dauerhaft mit regelmäßigen Wellen leben müssen - insofern bin ich kein Optimist oder Realitätsverweigerer.

Waren die Corona-Maßnahmen der Regierung zu hart oder wohldosiert?
Der Anfang war gut, die nachhaltigen wirtschaftlichen Schäden kommen noch. Jedenfalls möchte ich nicht in der Haut von Politikern stecken, du kannst da nur verlieren. Egal, welche Maßnahmen du triffst, du wirst es nie jedem recht machen können. Ich bewundere Sebastian Kurz für seine Haltung und Ruhe bei all der Kritik, die er einsteckt.

Auch du musst immer wieder heftige Kritik einstecken. Hast du über die Jahre mehr Gelassenheit entwickelt, damit umzugehen?
Es ist wahrlich nicht witzig, wenn man als Zielscheibe von Neidern ungerechtfertigter Kritik ausgesetzt ist. Ja, ich ecke oft an und spitze vieles zu - aber so bin ich nun mal, und vielleicht ist das auch ein Mosaikstein meines Erfolgs. Ich will nicht oberflächlich ein paar fröhliche Lieder in die Welt hinausposaunen. Ich will nicht, dass ich den Leuten wurscht bin. Gegenwind ist okay, unfair finde ich es aber, wenn einige links ausgerichtete Medien wie der „Standard“ oder der „Falter“ Dutzende negative Artikel über mich veröffentlichen, aber kein einziges Mal ein Interview mit mir gemacht haben. Das finde ich unprofessionell. Ich sehe das alles aber zunehmend gelassener, weil ich eine große Masse an Fans hinter mir weiß.

Welche Kritik schmerzt am meisten?
Wenn man Heimatverbundenheit und Traditionsbewusstsein verteufelt. Ich bin so erzogen worden, diese Werte zu leben und zu pflegen. Das mache ich, weil beides wichtig und schön ist, weil beides erdet und festigt. Trotzdem kann man, so wie ich, mit der Zeit gehen. Ich verstehe nicht, warum für einige Tradition und Heimat automatisch hinterwäldlerisch, ewiggestrig und frauenfeindlich sind.

Was entgegnest du deinen Kritikern?
Du kannst mich als Mensch, du kannst meine Musik und Konzerte mögen - oder auch nicht. Aber ziehe nicht alles, was ich mache, durch den Dreck.

Hast du die Pause auch für Selbstreflexion genutzt? Was hast du in der Vergangenheit nicht so gut gemacht?
Selbstkritisch gesehen ist klar: Ich habe oftmals einige Dinge aus einer Emotion heraus zu provokant gesagt. Auch ich werde älter und ruhiger, vieles würde ich heute nicht mehr so formulieren wie in der Vergangenheit. Ich wollte aber nie irgendjemanden beleidigen oder wem persönlich wehtun. Sollte ich das je gemacht haben, tut es mir leid.

Du bist 35 Jahre alt - wirst du in fünf Jahren immer noch als Volks-Rock’n’Roller auf der Bühne stehen und/oder glücklich verheiratet schon fünf Kinder haben?
Eine spannende Frage. Ich bin mit drei Geschwistern auf engstem Raum aufgewachsen, und ich habe immer gesagt, dass ich einmal ganz viele Kinder haben will. Nach dem Tod meiner kleinen Schwester hat sich das geändert. Aus einer Angst heraus habe ich das Thema wohl verdrängt und mich nur noch ausschließlich auf meinen Beruf und den Erfolg konzentriert. Wenn du deinen Job so intensiv machst wie ich, bleibt nicht viel Raum für privates Glück. Gerade jetzt in der Pause habe ich Abstand gewonnen. Ich lebe im Hier und Jetzt, genieße die Bilder des Erfolgs der letzten zehn Jahre. Ich male mir derzeit keine Zukunft aus - es kommt ohnehin immer anders, als man denkt.

Ich danke Ihnen - dir - für das Gespräch.

Oliver Pokorny, Kronen Zeitung

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