18.05.2020 11:22 |

Coronavirus-Taskforce:

„Eine zweite Welle lässt sich verhindern“

Am Montag sind Hunderttausende Schüler wieder in die Schulen zurückgekehrt, am 29. Mai öffnen die Fitnesscenter und auch die heimische Gastronomie empfängt seit vergangenem Freitag wieder Gäste. Während der Alltag in Österreich schrittweise wieder der Normalität ähnelt, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Mitgliedern der Coronavirus-Taskforce, dass es im Juni eine große Evaluierung darüber geben soll, wie Großveranstaltungen im Herbst wieder stattfinden können, und nannte dabei die großen Opernhäuser als Beispiel. Der Tropenmediziner Herwig Kollaritsch überraschte mit der „optimistischen Aussage“, dass sich eine zweite Infektionswelle verhindern lasse, wenn man mit einer geringen Zahl an Neuinfektionen in den Herbst gehe.

„Wir sind bei Weitem noch nicht durch. Es ist noch sehr, sehr viel zu tun“, eröffnete Anschober die Pressekonferenz. Derzeit halte man bei 1026 am Coronavirus erkrankten Personen in Österreich. Die „gravierenden Maßnahmen“ zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus hätten diese erfolgreiche Entwicklung möglich gemacht.

Eigenschaften des Virus unverändert
Der Facharzt für Tropenmedizin, Herwig Kollaritsch, erinnerte daran, dass sich die Eigenschaften des Virus nicht verändert hätten. „Stellen Sie sich vor, sie fahren auf einer Landstraße mit 100 Kilometern pro Stunde und vor Ihnen liegt eine gefährliche Kurve. Sie werden sicher nicht das Tempo erhöhen, sondern Ihre Geschwindigkeit anpassen.“ So einfach wie das Beispiel aus dem Straßenverkehr sei auch der Fahrplan für die weiteren Lockerungen in Österreich.

Gleichgewicht zwischen Genesenen und Neuinfektionen
Eine zweite Welle lässt sich nach der Ansicht des Tropenmediziners verhindern, wenn man mit einer geringen Zahl an Neuinfektionen in den Herbst gehe und bei der Achtsamkeit und den Bemühungen nicht nachlasse. „Die zweite Welle wird dann kommen, wenn wir nicht dazu in der Lage sind, das Gleichgewicht zwischen Genesenen und Neuinfektionen zu halten.“ Die Herbstsituation stelle auf jeden Fall eine große Herausforderung dar.

Bei den Tests im internationalen Spitzenfeld
Die hohe Testdichte in Österreich lasse sich daran erkennen, dass man nur fünf positive Ergebnisse pro 1000 Tests habe. Damit sei man international im absoluten Spitzenfeld. „Jetzt kennen wir den Feind und wissen, wie er sich verhält“, sagte Kollaritsch. Er sprach sich auch gegen eine Abschaffung der Maskenpflicht aus, auch wenn der Handel das nicht befürworte: „Wir sind weiterhin in einer Pandemie, auch wenn wir nicht viel davon merken.“

Risikogruppen: „Richtig ist, was wichtig ist“
Bundesrettungskommandant Gerry Foitik sagte, dass man das Ziel habe, keinen einzigen Corona-Fall unentdeckt zu lassen. Das bedeute auch viele falsch positive Verdachtsfälle. Bei Erkrankten würde man auch das gesamte Umfeld testen, um dem Virus auf der Spur zu bleiben. „Richtig ist, was wichtig ist“, gab er Risikogruppen ab 65 Jahren als Empfehlung für die weiteren Verhaltensregeln zur Kontaktbeschränkung mit auf den Weg.

Kurs hat sich als richtig erwiesen
Der Kurs habe sich als genau richtig erwiesen und zu einer Abflachung der Kurven geführt. Der Beginn der „Phase 2“ am 14. April mit der Öffnung der Baumärkte habe sich nicht negativ auf die Infektionszahlen ausgewirkt. Auch der 1. Mai mit dem Ende der Ausgangsbeschränkungen und der Öffnung der meisten Dienstleistungsunternehmen mache sich zwei Wochen später nicht signifikant in der Statistik bemerkbar.

In der ersten Junihälfte wolle man sich zusammensetzen und eine Prognose abgeben, ob etwa große Opernhäuser im Herbst öffnen können. Auch die Frage, ob man das Tempo der Öffnungen beschleunigen könne, soll dann beantwortet werden können. 

Breiter internationaler Konsens bei den Lockerungen
Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH, sagte, dass Österreich in guter Gesellschaft sei, was die internationale Entwicklung angehe. „Wir haben in letzter Zeit viel über Zahlen diskutiert. Seit einigen Wochen schauen wir viel mehr auf die Zahl der Neuerkrankten.“ Einen breiten Konsens gebe es darüber, in welchen Bereichen Lockerungen sinnvoll seien, wie zum Beispiel Schulen, Universitäten, Gaststätten und Kultur- und Freizeitveranstaltungen.

Verstörende Bilder aus den USA und Brasilien
Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethikkommission, sagte: „Das Gebot der Stunde ist Eigenverantwortung.“ Die erste Phase habe man „sehr gut“ gemeistert. Das Virus sei jedoch nach wie vor existent und man sehe das etwa auch an den verstörenden Bildern aus den USA oder Brasilien

Am Montag machten einige EU-Staaten ihre Grenzen wieder auf und somit einen Schritt zurück in Richtung Reise-Normalität. Bereits am Freitag hatte die Gastronomie in Österreich wieder ihre Türen für Gäste mit jeweils maximal vier Personen pro Tisch plus minderjährige Kinder geöffnet. Fitnessstudios dürfen ab dem 29. Mai wieder öffnen.

Im Kultur-Bereich hatte der zuständige Minister Werner Kogler (Grüne) nach dem Rücktritt von Ulrike Lunacek als Kulturstaatssekretärin am Freitag einen vierstufigen Fahrplan präsentiert. Ab 29. Mai werden In- und Outdoor-Veranstaltungen mit bis zu 100 Besuchern wieder erlaubt. Die möglichen Besucherzahlen werden bis zum 1. August schrittweise auf bis zu 1000 Personen erhöht.

Außerdem kehrten am Montag rund 700.000 Schüler an den Volksschulen, AHS-Unterstufen, Neuen Mittelschulen (NMS) und Sonderschulen in ganz Österreich wieder in die Klassenzimmer zurück.

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