Eltern rebellieren:

„Unsere Kinder sind keine Versuchskaninchen“

Ausland
16.04.2020 12:55

Die Wiedereröffnung von Schulen und Kindertagesstätten in Dänemark sorgt für Aufregung: Angeblich haben sich am Mittwoch Tausende Eltern geweigert, ihre Kinder zurück in die Bildungseinrichtungen zu schicken. Grund dafür seien Bedenken, wonach Schulen und Kindergärten zu einer Brutstätte für eine zweite Infektionswelle werden könnten. „Unsere Kleinen sollten nicht gegen einen unsichtbaren Feind in den Krieg ziehen“, sind sich viele Eltern einig.

Am Mittwoch hatte Premierministerin Mette Frederiksen den auf Empfehlung der Gesundheitsbehörde unternommenen Schritt, den Unterricht bis zur fünften Klasse wieder aufzunehmen, verteidigt. Dies würde es den Eltern ermöglichen, zur Arbeit zurückzukehren und „die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen“, so Frederiksen. Einige Eltern begrüßen diesen Schritt, andere jedoch scheinen der Situation nicht zu trauen.

Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen (Bild: AFP)
Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen

„Warum sollte ich die Kleinsten zuerst rausschicken?“
„Ich werde meine Kinder unter keinen Umständen zurück in die Schule schicken“, schreibt etwa Sandra Andersen auf Facebook, die mit ihrer Gruppe „Meine Kinder sind keine Versuchskaninchen für Covid-19“ in kurzer Zeit Tausende Follower überzeugt hat. Die Mutter zweier Mädchen im Alter von fünf und neun Jahren ist sich sicher, dass sich viele Eltern fragen: „Warum sollte ich die Kleinsten zuerst nach draußen schicken?“

„Gefühl, Kinder an die Front zu werfen“
„Plötzlich haben diese Mütter das Gefühl, dass sie ihre Kinder einfach an die Front werfen müssen“, erklärt auch Esme Emma Sutcu, Gründerin und Chefin von „Momster“, einem Online-Netzwerk von dänischen Müttern - ebenfalls mit mehreren Tausend Mitgliedern. „Sie glauben nicht, dass die Behörden die Dinge unter Kontrolle haben“, erklärt Sutcu gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Facebook-Gruppe „Mein Kind sollte kein Versuchskaninchen für Covid-19 sein“ hat Tausende Mitglieder. (Bild: Screenshot/facebook.com)
Die Facebook-Gruppe „Mein Kind sollte kein Versuchskaninchen für Covid-19 sein“ hat Tausende Mitglieder.

Krankheit bei Jüngeren „weniger gefährlich“
Christian Wejse, Wissenschaftler an der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Aarhus, kann eigenen Aussagen zufolge die Bedenken der Menschen nachvollziehen, „weil wir einen Monat lang versucht haben, Kontakt zu vermeiden“. Neuinfektionen wären bei Jüngeren jedoch unproblematisch, da in dieser Altersgruppe „nur wenige krank werden, und wenn sie erkranken, sind die Folgen nicht so schwerwiegend“.

(Bild: Ritzau/Scanpix)

Wann ist der „richtige“ Zeitpunkt?
Über den „richtigen“ Zeitpunkt bzw. die genaue Ausgestaltung der Öffnung der Schulen nach dem Rückgang der Zahl der Coronavirus-Infizierten sind sich die Experten wie auch Regierungen der europäischen Staaten derzeit uneinig. Der Blickwinkel hängt dabei klarerweise von der jeweiligen Disziplin ab - Bildungswissenschaftler beurteilen dies anders als Epidemiologen, aber auch innerhalb der einzelnen Fachrichtungen gibt es teils divergierende Ansichten. Die Vorgangsweise der einzelnen Staaten unterscheidet sich auch je nach aktuellen Infektionszahlen.

Österreich startet mit Maturanten
Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Strategien: Während viele Länder derzeit ihre Schulen noch geschlossen halten, bereiten andere die Öffnung inzwischen zumindest vor: Neben Dänemark und Norwegen, die etwa mit den Volksschulen beginnen, startet Österreich vorerst lediglich mit Maturanten und Berufs- und BMS-Schülern im Abschlussjahr. Auch Deutschland startet mit den diversen Abschlussklassen bzw. auch jenen, bei denen größere Prüfungen anstehen.

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