14.04.2020 12:47 |

Von NY nach LA gerast

Coronavirus ermöglicht extremen Cannonball-Rekord

Wohl das höchste Ziel in der Raser-Szene der USA ist es, einmal den Rekord für die Fahrt von New York nach Los Angeles zu brechen. Oder anders ausgedrückt: Das Cannonball race zu gewinnen. Das ist nun offenbar einem bisher unbekannten (oder nur einem kleinen Personenkreis bekannten) Team in einem präparierten Audi A8 L gelungen. Hilfreich dabei waren die wegen des Corona-Shutdowns teils menschenleeren Straßen.

Der alte Rekord wurde um beinahe eine Stunde unterboten: Der Audi A8 L absolvierte die Strecke von New York nach Los Angeles mit der geradezu unglaublichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 170,7 km/h. Gerade mal 26 Stunden und 38 Minuten brauchte die Luxuslimousine für die Distanz von 4547 Kilometern.

Audi A8 Cannonball
Der weiße Audi startete am 4. April um 23:15 Uhr traditionell an der Red Ball Garage in Manhattan und traf nach 26:38 Stunden - ebenso traditionell - vor dem Portofino Inn im kalifornischen Redondo Beach ein.

Im Kofferraum waren sich riesige Kunststofftanks festgezurrt, um die Zahl der Tankstopps zu minimieren. Die Rückleuchten wurden teilabgeklebt, um potentiellen Informanten der Polizei die Identifikation der vorbeirauschenden Limousine zu erschweren.

Ed Bolian, der den Cannonball-Rekord von 2013 bis 2019 innehatte, erläutert hier Hintergründe und Kritikpunkte der aufsehenerregenden Fahrt:

Von Küste zu Küste
Es begann als Protest gegen die zunehmende Reglementierung und Überwachung der Highways und Freeways in den USA: Das so legendäre wie illegale Cannonball-Rennen, ersonnen von Motorjournalisten-Legende Brock Yates und mit mehreren Kino-Streifen, darunter „Auf dem Highway ist die Hölle los“, zu filmischen Ehren gekommen.

Die Historie begann 1971, als Yates und der Rennfahrer Dan Gurney auf einem Ferrari 365 GTB/4 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 128,9 km/h gegen ein Feld von sieben weiteren Fahrzeugen den Gesamtsieg davontrugen. Dreimal wurde das illegale Rennen noch durchgeführt, wobei es stets darum ging, die Polizei zum Narren zu halten und die Tankstopps auf ein Minimum zu reduzieren.

Im Pulk treten die Cannonball-Fahrer schon lange nicht mehr auf: Im Jahr 2006 legte Alex Roy auf BMW M5 mit 31:04 Stunden einen neuen Rekord vor, der wiederum 2013 von Ed Bolian auf Mercedes-Benz CL 55 AMG mit 28:50 Stunden und 2019 von Arne Thoman auf Mercedes-AMG E 63 mit 27:25 übertroffen wurde.

Rekord für die Ewigkeit? Oder kein echter Rekord?
Es dürfte schwierig werden, den neuen Cannonball-Rekord nochmals zu toppen: Die Rekordfahrt fand unter den ungewöhnlichen Bedingungen der Corona-Krise statt. Die Straßen sind deutlich leerer als gewöhnlich, die Polizeikontrollen spärlicher. Dementsprechend mischt sich in die Bewunderung für die fahrerische Leistung in der Szene gerade eine gehörige Dosis Kritik, nicht zuletzt weil das Einhalten von Ausgangsbeschränkungen einen Sinn für das Gemeinwohl haben.

In seinem YouTube-Video (siehe oben!) bringt Cannonball-Legende Ed Bolian die teilweise aufbrandende Kritik auf den Punkt: „Don‘t break the law, while you are breaking the law.“ Zu Deutsch: Brich nicht das Gesetz, während du das Gesetz brichst.

(ampnet/Jens Meiners)

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