20.03.2020 11:32 |

krone.at-Test

Bombastische Ballerei: Wie gut ist „Doom Eternal“?

27 Jahre ist es her, dass id Software mit „Doom“ einen der einflussreichsten Shooter aller Zeiten veröffentlichte. Jetzt ist mit „Doom: Eternal“ der fünfte Serienteil erschienen und lockt - wie schon der Reboot aus dem Jahr 2016 - mit Bombast-Grafik, reichlich Splatter-Effekten, einem dicken Waffen- und einem noch dickeren Gegnerarsenal Shooter-Fans vor die Bildschirme. Wie sich „Doom: Eternal“ spielt, hat krone.at getestet.

Schon „Doom“ aus dem Jahr 2016 begeisterte Serienfans und Freunde klassischer Shooter mit flottem Gameplay, moderner Grafik und alten Genre-Tugenden. Statt regenerierendem Leben gibt’s Medikits, statt unendlicher Munition wie in manch modernem Online-Shooter musste man mit seinen Ressourcen klug haushalten. „Doom Eternal“ setzt nun sogar noch eines drauf: Hatte man im Vorgänger im Notfall immer noch die Pistole mit unendlicher Munition parat, wurde die nun gestrichen. Stattdessen startet man direkt mit Schrotflinte und Kettensäge.

Dabei drückt „Doom Eternal“ spielerisch von Anfang an auf die Tube. Rennt man in anderen Shootern von Deckung zu Deckung und ballert aus selbiger auf anrückende Feinde, zieht man in „Doom Eternal“ als hochmobiler und schwergepanzerter „Doomslayer“ unter stetem Waffenwechseln eine Schneise des Verderbens durch ein Füllhorn von Dämonen, das sich diesmal statt am Mars auf der Erde breit gemacht hat. Die Feinde sollte man nicht unterschätzen: Der Schlüssel zum Überleben ist, zum richtigen Zeitpunkt die richtige aus gut einem Dutzend Waffen zu zücken, immer in Bewegung zu bleiben und keinen Feind zu nah heranzulassen.

Fesselnder Mix aus Fern- und Nahkampf
Dabei hilft einerseits die Bewaffnung, die gegenüber dem auch schon üppig ausgestatteten Vorgänger sogar noch etwas erweitert wurde, aber auch die Nahkampfkomponente. Kommt ein Dämon zu nah, boxt man ihn weg. Ist der Gegner schon schwer getroffen, kann man ihn per - mitunter ziemlich brutal inszeniertem - Nahkampf-Finisher aus dem Spiel nehmen. Mangelt es gerade an Munition, zerschneidet man die Dämonen effektreich mit der Motorsäge.

Nah- und Fernkampf greifen dabei nahtlos ineinander, ja müssen sogar geschickt kombiniert werden. Der Grund: Nahkampf-Finisher regenerieren Leben, Kettensägen-Attacken „schneiden“ Munition aus den Gegnern, der Spieler muss also stets klug taktieren und den richtigen Angriff zum richtigen Zeitpunkt wählen, um in „Doom Eternal“ zu überleben. Das sorgt für stete Spannung und macht „Doom Eternal“ zu einem rastlos actiongeladenen Titel.

Spannendes Gameplay durch große Gegnervielfalt
Ebenso wie das tolle Gameplay trägt auch die Gegnervielfalt zum guten Eindruck bei. Im Grunde gibt es nichts, das es nicht gibt: Fliegende, kriechende oder rennende Dämonen, mal mit Nahkampf-, mal mit Fernkampfangriffen, im Falle größerer Gegner jeweils mit ganz eigenen Schwachpunkten, manchmal mit Schild geschützt, manchmal das Angriffsmuster wechselnd, riesige Bossmonster. Die Gegnerfülle ist es, die „Doom Eternal“ endgültig zum Fest für Genre-Fans macht und ihnen - gerade in späteren Levels, wenn die Gegner bunt durchmischt auf den Spieler zustürmen - ständiges Taktieren abverlangt.

Oft genug gilt es, präzise den Schwachpunkt eines Gegners unter Beschuss zu nehmen, nebenbei Kleinvieh mit der Kettensäge zu zerlegen, zwischendurch wieder einmal auf eine andere Waffe zu wechseln, schnell einen Dämonen in der Distanz auszuschalten und sich dann wieder dem ganz großen Gegner vom Beginn zuzuwenden. Abwechslungsreich, adrenalinschwanger und fordernd.

Die Abwechslung bleibt auch in anderen Bereichen nicht auf der Strecke. Über ein Skill-System darf der Spieler seinen „Doomslayer“ mit neuen Fähigkeiten ausstatten, außerdem gibt es wechselbare Klamotten und spaßige Waffen-Modifikationen, mit denen das ohnehin schon mehr als ordentliche Arsenal noch einmal um verschiedenste alternative Feuermodi aufgerüstet wird.

Bunter als der Vorgänger, aber alles andere als kindgerecht
Grafisch ist „Doom Eternal“ etwas bunter als der Vorgänger aus dem Jahr 2016 gehalten - nicht zuletzt, weil in den Levels bunte und damit gut sicht- und auffindbare Items wie Munition oder Medikits verteilt sind. Im Spielverlauf durchschreitet man nicht nur die obligaten rötlich-finsteren Gänge voller Dämonen, sondern auch größere Außenareale mit Plattformer-Passagen, Sci-Fi-Laboratorien oder alte Ruinen.

Bunt heißt in diesem Fall freilich nicht kindgerecht: „Doom Eternal“ zelebriert Splatter-Effekte und gehört definitiv nicht in Kinderhände, sondern richtet sich durch und durch an ein erwachsenes Publikum. Das merkt man von Beginn an, aber spätestens, wenn man den ersten Dämonen physikalisch nachvollziehbar zerlegt, dass sprichwörtlich die Fetzen fliegen. Und ganz besonders im Nahkampf, wenn Gegner blutspritzend mit der Kettensäge zerlegt werden oder man ihnen beim Finisher ein Messer durch den Kopf rammt.

Spielwelt voller Story-Schnipsel
Eine gänzlich plumpe Gewaltorgie ist „Doom Eternal“ trotz seiner sehr expliziten Gewaltdarstellung nicht. Das Spiel erzählt nebenbei auch eine interessante Geschichte, die etwas mehr Licht in die Hintergründe der Dämonen-Apokalypse am Mars und nun auch auf der Erde bringt, mehr über den „Doomslayer“ selbst und seine Feinde verrät und mit vielen in den Levels verteilten Infohappen und Anspielungen auf ältere Serienteile Genrefans und Entdecker gleichermaßen bei der Stange hält. Story-Shooter ist „Doom Eternal“ deshalb aber keiner, im Vordergrund steht ganz klar das flotte Shooter-Gameplay, die hemmungslose Gewalt und die schiere Abwechslung.

Heavy-Metal-Soundtrack zum Niederknien
Möglicherweise mitentscheidend für das erhabene Gefühl, das sich im Test entwickelte, als wir mit Nah- und Fernkampfwaffen durch die Gegnerhorden pflügten, ist der Soundtrack. „Doom Eternal“ untermalt die Gewaltorgie am Bildschirm mit einem hervorragend passenden Heavy-Metal-Soundtrack, den Fans schwerer Gitarren wohl auch gänzlich losgelöst vom Shooter genießen könnten, der aber in Kombination mit dem Geschehen am Bildschirm in ein unverschämt mächtiges Spielgefühl mündet. id-Software-Shooter waren immer für ihre tollen Rock-Soundtracks bekannt, „Doom Eternal“ führt diese Tradition ausgesprochen wohlklingend fort.

Asymmetrischer Mehrspieler an Bord
„Doom Eternal“ lockt nach Abschluss der - durch Talente und Waffen-Mods auch beim zweiten Durchgang noch interessanten - Haupthandlung mit einem asymmetrischen Multiplayer-Modus, in dem ein „Doomslayer“ mit schwerer Bewaffnung gegen von anderen Spielern gesteuerte Dämonen ins Feld zieht. Leider waren zum Zeitpunkt unseres Tests die Server noch nicht aktiv, die Mehrspieler-Dreingabe könnte sich, wenn sie so gut wie das Hauptspiel ist, aber als herrlicher Zeitvertreib entpuppen.

Eingängige Steuerung, bombastische Grafik
Die Steuerung von „Doom Eternal“ stellt Kenner früherer Serienteile oder Shooter-Spieler allgemein vor keine nennenswerten Herausforderungen, lediglich an den hohen Nahkampfanteil muss man sich ein wenig gewöhnen. Die Grafik ist in jeder Hinsicht opulent: Detaillierte Charaktermodele, scharfe Texturen, realistische Lichteffekte, tolle Waffenmodelle und - sicher auch ein wenig durch die gut sichtbaren Spuren am Gegner - realistisches Treffer-Feedback, hier gibt es wahrlich nichts zu bemängeln.

Höchstens die Hardware-Anforderungen: Wer „Doom Eternal“ in seiner ganzen Pracht erleben will, braucht ein entsprechend potentes Gaming-System mit teurer High-End-Grafikkarte. Wer mit leicht reduzierten Details leben kann, bringt „Doom Eternal“ aber auch auf älteren Systemen zum Laufen: Auf unserem Ryzen-5-Testsystem mit einer nicht mehr ganz taufrischen Geforce GTX 960 und vier Gigabyte Video-RAM lief der Titel in Full-HD-Auflösung bei hohen Details jederzeit flüssig.

Fazit: Knappe Munition, kein regenerierendes Leben, der Stillstand bringt den Tod. „Doom Eternal“ ist ein Shooter wie früher, und genau das gefällt uns so an ihm. Er strotzt nur so vor Gewalt und optischem Bombast, ist schnell, fordernd, toll vertont und vor allem in der Kombination all seiner abwechslungsreichen Einzelteile ein ausgesprochen rundes Ding geworden. Wer Shooter klassischer Machart mag, sollte sich diesen spielerisch wie grafisch opulenten Leckerbissen nicht entgehen lassen.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: Bethesda
krone.at-Wertung: 9/10

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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