Gastkommentar

Hopp-Transparente, 50+1, Rapid: So denkt Peschek

Beleidingende Transparente gegen Hoffenheim-Macher Dietmar Hopp in halb Deutschland, ein Transparent der Rapid-Fans , die Frage nach angemessenen Reaktionen und über allem das Thema 50+1-Regel und die Frage nach der Bedeutung von Investoren im Fußball. Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek nimmt auf krone.at-Anfrage zu diesem Themenkomplex Stellung. Hier sein Gastkommentar.

Die aktuelle öffentliche Debatte ist Ergebnis einer Eskalationsspirale der letzten Jahre, wie beispielsweise die regelmäßigen persönlichen Beleidigungen gegenüber Dietmar Hopp sowie auch Ton-Attacken gegen Auswärtsfans und die emotional enorm aufgeladenen Diskussionen verdeutlichen. Umso wichtiger ist die Rückkehr zu einer vernünftigen Auseinandersetzung mit komplexen Thematiken, denn Vergleiche mit verbrecherischen Rassismus-Attentaten, wie sie vereinzelt gezogen wurden, sind hinsichtlich der Transparente in deutschen Stadien ebenso wenig nachvollziehbar wie persönliche Diffamierungen und Beleidigungen. Auch Pauschal-Verurteilungen von Fans dienen der Sache nicht.

Rassismus wird bei Rapid bekämpft
Aus meiner Sicht muss zwischen zwei Ebenen unterschieden werden, nämlich der sachlichen und der persönlichen. Selbstverständlich ist die Verunglimpfung und grobe Beleidigung von Personen samt Familien abzulehnen. Rassismus, der beispielsweise von aktiven Fangruppen des SK Rapid seit Jahrzehnten bekämpft wird - was von Experten auch anerkannt wird - ist ohnehin völlig inakzeptabel.

Wortbruch des DFB
Offenbar solidarisierten sich derzeit verstärkt zahlreiche deutsche Fanszenen und es sollte auf provokante Art und Weise mit dem verursachenden „Wortlaut“, der zum Wortbruch des DFB geführt hat, nämlich Kollektivstrafen nicht mehr anzuwenden, protestiert werden. In diesem Zusammenhang interpretiere ich das Spruchband im Block West am vergangenen Sonntag als zugespitzten Aufruf zu einer Versachlichung der Diskussionen und für weniger Polemik. Auf der sachlichen Ebene geht es letztlich um die Sorge und um die Frage, wohin entwickelt sich der Fußball? Es gibt Anliegen, die ich teile: Die Ablehnung vieler Fans gegen die Abschaffung von 50+1 und von Investoren, die letztlich immer an Rendite interessiert sind und dabei oftmals auf die Identität und Kultur eines Vereins keine Rücksicht nehmen, sowie von Kollektivstrafen. Auch die Forderung nach fanfreundlichen Ankickzeiten, der Beibehaltung von Stehplätzen und leistbaren Tickets, einer legalen und sicheren Verwendung von Pyrotechnik, sowie die Bewahrung der Traditionen und Werte auf Basis der Sicherstellung der Mehrheitsanteile in den Kapitalgesellschaften der Klubs. Diese Sorgen müssen ernstgenommen werden, persönliche Beleidigungen sind selbstverständlich abzulehnen, eine differenzierte Diskussion ist notwendig.

Das Fußballstadion ist seit jeher ein Spiegel der Gesellschaft, kritische Auseinandersetzung muss möglich sein, denn Meinungsfreiheit endet nicht an den Stadiontoren. Auch wenn möglicherweise nicht jeder Inhalt geteilt wird, die gesetzlichen Bestimmungen bilden dabei den Rahmen. Prinzipiell halte ich es aber nicht für angebracht, die emotional enorm aufgeladene Debatte aus unserem Nachbarland mit dem SK Rapid zu vermengen.

Christoph Peschek, Geschäftsführer Wirtschaft des SK Rapid

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