19.02.2020 17:00 |

„Operation Aderlass“

Dürr: So liefen Blutdoping-Behandlungen bei Mayer

Der im Zusammenhang mit der „Operation Aderlass“ bereits zu 15 Monaten bedingter Haft verurteilte ehemalige Langläufer Johannes Dürr belastete Walter Mayer vor Gericht. Der als Zeuge geladene 32-jährige Niederösterreicher sprach von insgesamt vier Blutdoping-Behandlungen, die an ihm bei Mayer zu Hause durchgeführt worden seien - und zwar in den Jahren 2012 und 2013. Der Prozess gegen den ehemaligen ÖSV-Trainer wegen Dopingvergehen und Beitrags zum Sportbetrug ist am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Sowohl die Richterin, als auch der Staatsanwalt wollten zusätzliche Zeugen hören. Die Verteidigung ließ noch offen, weitere Beweisanträge zu stellen.

Dürr habe Mayer über seinen damaligen Trainer Gerald Heigl kennengelernt, schilderte Dürr. Ihm sei dann in Mayers Keller zwei Mal Blut abgenommen und zwei Mal Blut rückgeführt worden. Die Blutbeutel seien seines Wissens nach auch beim Salzburger gelagert worden. Mitgenommen habe er sie jedenfalls nicht, betonte Dürr.

Damals habe er nach den Blutabnahmen, quasi zum Ausgleich, auch immer Erythropoetin (EPO) genommen. Das EPO habe er von Heigl bekommen. Ob es ursprünglich von Mayer kam, könne er nicht genau sagen, er vermute es aber, meinte Dürr. Der Plan, wie viel EPO er nehmen soll und auch wann, stammte aber definitiv vom Salzburger, erklärte der ehemalige Langläufer.

Trainer bei Rückführung dabei
Der als Zeuge geladene ehemalige Trainer Gerald Heigl gab an, dass er teilweise gemeinsam mit Walter Mayer Wachstumshormone besorgt bzw. über Mayer EPO bezogen hat. Auch zu Blutdoping sei es im Haus des Salzburgers gekommen. Bei der ersten Abnahme und bei der ersten Rückführung von Blut bei Johannes Dürr sei er selbst sogar dabei gewesen, schilderte Heigl vor Gericht.

Heigl untermauerte erneut seine Aussagen, die er bereits bei seiner eigenen Verhandlung getätigt hatte, nämlich, dass ursprünglich der ehemalige Langläufer Harald Wurm den Kontakt zu Mayer hergestellt hatte. Er habe sich dann in weiterer Folge mit Mayer getroffen und dabei das Eigenblutdoping für Dürr und Wurm vereinbart.

Wurm, der selbst als Zeuge geladen war, stritt dies jedoch vehement ab. Er habe Mayer zwar gekannt, weil dieser damals Cheftrainer im ÖSV war, sein direkter Trainer sei er aber nicht gewesen. Außerdem habe er niemals EPO oder Wachstumshormone genommen und auch niemals Blutdoping praktiziert, beteuerte Wurm. „Ich habe Mayer das letzte Mal vor zehn Jahren gesehen“, sagte der ehemalige Langläufer.

Ihm darf man nicht glauben
Mayer selbst hatte vorerst von seinem Entschlagungsrecht Gebrauch gemacht. Er wollte zunächst nur Aussagen zur mitangeklagten 37-jährigen ehemaligen Leichtathletin machen. Sein Verteidiger Hans-Moritz Pott kündigte jedoch an, dass sein Mandant beim nächsten Prozesstermin nach Anhörung der Zeugen, die Mayer belasten, darunter der ehemalige Langläufer Johannes Dürr, auch zu den restlichen Vorwürfen Stellung nehmen will. „Wenn man sich Dürr anschaut, ist er das Paradebeispiel eines Zeugen, dem man nicht glauben darf. Und genau auf seine Aussage baut man jetzt eine Anklage auf“, empörte sich Pott.

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