05.02.2020 10:33 |

Unmut über Neuregelung

Streit um Ziffernnoten an Volksschulen entbrannt

Dieses Schuljahr bringt wieder verpflichtende Ziffernnoten in der zweiten Klasse Volksschule. Schlagend wird die - von Türkis-Blau beschlossene - Regelung aber erst beim Jahreszeugnis. In der Schulnachricht, die Kinder jetzt in Wien und Niederösterreich bekommen haben und in den nächsten zwei Wochen in den anderen Bundesländern bekommen, kann noch alternativ benotet werden. Gegen den Notenzwang im Zeugnis regt sich aber schon teils heftiger Widerstand. So schlägt der Protest einer Vorarlberger Volksschule in ganz Österreich hohe Wellen. Die brennende Frage: Sind Ziffernnoten als Leistungsbeurteilung in der Volksschule längst überholt?

Die Lehrerinnen von zwei dritten Klassen der Volksschule Kirchdorf in Lustenau hatten angekündigt, ihre 40 Kinder im Semesterzeugnis alle mit „Gut“ zu benoten - um gegen den Notenzwang zu protestieren. „Das Ziel ist es nicht, destruktiv zu sein, sondern noch einmal ein Nachdenken auszulösen“, pocht Schulleiter Christoph Wund im Gespräch mit der Austria Presse Agentur auf Wahlfreiheit.

Indessen sammelt die Elterninitiative „Gemeinsam Zukunft Lernen“ weiter Unterschriften für ihre Petition „Nein zum Notenzwang“, schon mehr als 7800 Personen haben sie bisher unterstützt. Damit nicht genug, stellte sich nach Lustenau mittlerweile auch eine zweite Volksschule in Vorarlberg gegen den Notenzwang, wie der ORF berichtete. So wolle in der Volksschule Frastanz Hofen ein Teil der Eltern das Ziffernnotenzeugnis gar nicht in Empfang nehmen.

Zur Erinnerung: In der ersten Klasse sowie im ersten Semester der zweiten Klasse Volks- und Sonderschule kann sich das aus Eltern und Lehrern gebildete Klassenforum für eine alternative Beurteilung anstelle von Ziffernnoten entscheiden. Eltern können zusätzlich zur alternativen Beurteilung auf einer Beurteilung mit „Sehr gut“ bis „Nicht genügend“ bestehen. Ab dem Jahreszeugnis der zweiten Klasse müssen nun aber wieder verpflichtend Ziffernnoten vergeben werden - beschlossen wurde das von der vergangenen ÖVP-FPÖ-Regierung. Bereits die Ankündigung, dass es in der Volksschule wieder überall Noten im Zeugnis geben soll, hatte damals für große Aufregung gesorgt.

Lehrervertreter: Stimmung an Volksschulen „nicht so gut“
An den Volksschulen sei die Stimmung angesichts der neuen Vorgaben des Ministeriums „nicht so gut“, berichtete der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) Ende Jänner. „Das Ministerium glaubt, durch Standardisierung und Kontrolle Leistung erzeugen zu können, und das ist ein fataler Irrtum. In Wirklichkeit bräuchten wir mehr Autonomie und mehr Vertrauen in die Lehrerinnen und Lehrer.“

Er hätte sich für die ersten beiden Klassen komplette Autonomie bei der Entscheidung gewünscht, so Kimberger. Dazu komme der enorme bürokratische Aufwand durch die Neuregelung, dabei seien die Volksschulen aktuell ohnehin durch die neue Schuleinschreibung und die neuen Tests für die Zuweisung zu Deutschförderklassen schon an ihrer Belastungsgrenze.

Kritik an Notenregelung auch aus Wien
Kritisch sieht die neue Notenregelung auch der Wiener SPÖ-Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky. „Diese Zwangsbeglückung war laut Aussagen des jetzigen Bildungsministers der politische Wunsch des ehemaligen Koalitionspartners“, so der Stadtrat im ORF-Gespräch. „Ich hoffe, dass sich in der neuen Konstellation auf Bundesebene vielleicht neue Mehrheiten für die Stärkung der Schulpartnerschaften finden.“

Faßmann sieht Noten als „wichtige Rückmeldung“
Die Regierung bleibt allerdings trotz des wachsenden Protests hart auf Linie: Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) ließ wissen, dass er Ziffernnoten für wichtig halte und eine neue Diskussion auf Regierungsebene ausschließe: „Die Ziffernnote ist so etwas wie eine Rückmeldung an Schüler und Schülerinnen, aber natürlich auch an Eltern, wie die Lernerfolge des Kindes sind. Zusätzlich gibt es eine verbale Beurteilung, die eine Ziffernnote noch einmal zusätzlich interpretiert. Ich glaube, das ist eine vernünftige Regelung.“

Wie brisant das Thema ist, zeigen die Reaktion in Vorarlberg, wo den Lehrern der Volksschule Kirchdorf in Lustenau - sollten sie wie angekündigt im Halbjahres-Zeugnis allen Kindern tatsächlich einen Einheits-Zweier geben - laut Bildungsdirektion Konsequenzen drohen. Die disziplinarrechtlichen Konsequenzen würden dann laut ORF vom einfachen Verweis über Geldstrafen bis zur Kündigung reichen. Jetzt sei Halbzeit, die Noten nur eine Schulnachricht. Wäre Schulende im Sommer, wäre es ein Zeugnis und damit eine Urkunde. Dann könnte den Lehrerinnen auch noch ein strafrechtliches Verfahren wegen Urkundenfälschung drohen …

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