09.01.2020 06:30 |

Helligkeit halbiert

Riesenstern Betelgeuse lässt Astronomen rätseln

Dass sich die Helligkeit der Riesensonne Betelgeuse (sie wird häufig auch als Beteigeuze bezeichnet) seit Oktober 2019 mehr als halbiert hat, stellt Astronomen weltweit vor ein Rätsel. Die Ursache für die außergewöhnliche Schwächeperiode des Roten Riesen sei noch nicht bekannt, erläuterte der Sternforscher Thomas Janka vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München. Als Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Supernova-Explosion des Sterns, wie im Netz spekuliert wurde, sieht er das Phänomen nicht.

Betelgeuse bildet die Schulter des Himmelsjägers Orion (Bild unten) und ist der zweithellste Stern dieser Konstellation. Der Riesenstern, der etwa die zwanzigfache Masse und rund den tausendfachen Durchmesser unserer Sonne besitzt, ist von der Erde aus mit bloßem Auge als heller roter Punkt erkennbar.

Leuchtkraft schwankt zyklisch
Die Helligkeit des Roten Riesen schwankt in zwei unregelmäßigen Zyklen, die jeweils knapp sechs Jahre und etwa 425 Tage dauern. „Wir wissen nicht genau, was die Variabilität von Betelgeuse ausmacht“, erläuterte Janka. Möglicherweise schluckten unter anderem vom Stern ins All geblasene Materiewolken vorübergehend das Licht der Riesensonne.

Im Dezember hatten Forscher um Edward Guinan von der Villanova-Universität in den USA die geringste Helligkeit von Betelgeuse seit den ersten derartigen Messungen vor knapp hundert Jahren gemeldet. Die auffällige Schwächeperiode scheine daher zu rühren, dass beide beobachteten Aktivitätszyklen des Sterns gleichzeitig ein teils ungewöhnlich tiefes Minimum erreicht hätten, schrieben die Forscher im „Astronomer‘s Telegram“.

Rund 600 Lichtjahre von Erde entfernt
Weil Betelgeuse seinen Vorrat extrem schnell verbrennt, hat der Rote Riese eine vergleichsweise geringe Lebenserwartung: Obwohl er erst etwa acht Millionen Jahre alt ist, wird er bald als Supernova explodieren. Bald bedeutet in astronomischen Maßstäben allerdings irgendwann in den kommenden 100.000 Jahren. Da Beteigeuze nur etwa 600 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, wird diese Supernova am irdischen Himmel Schätzungen zufolge so hell sein wie der Vollmond und auch am Tag sichtbar sein.

Forscher: Kein Vorbote einer Supernova
Spekulationen hatten den jetzt beobachteten außergewöhnlichen Helligkeitsverlust als möglichen Vorboten einer solchen Supernova gedeutet. Das ist nach Jankas Worten jedoch nicht plausibel. Der Grund sei eine Entkopplung der Sternhülle von seinem Kern. „Die Helligkeit der Hülle ist unabhängig vom Kern“, erläuterte der Astrophysiker.

Wenn sich überhaupt eine Veränderung bemerkbar mache, sei eher zu erwarten, dass der Rote Riese vor einer Supernova-Explosion heller werde. „Betelgeuse ist ein Supernova-Kandidat, aber wann es soweit ist, lässt sich momentan nicht vorhersehen“, erläuterte Janka. „Es kann in ein paar Jahren, in ein paar Jahrhunderten oder in ein paar Jahrtausenden soweit sein.“

Stern hat zahlreiche Autoren inspiriert
Betelgeuse kann - je nach Aktivitätsschwankung - der zehnthellste Stern am irdischen Firmament sein und hat unter anderem zahlreiche Autoren inspiriert. So ist Beteigeuze in der Romanreihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams das Heimatsystem der Protagonisten Ford Prefect und Zaphod Beeblebrox. Auf einem fiktiven Planeten um Betelgeuse spielt zudem Pierre Boulles mehrfach verfilmtes Buch „Der Planet der Affen“. Und der deutsche Schriftsteller Arno Schmidt bezieht sich in den physikalischen Abhandlungen seiner Erzählung „Leviathan“ auf den Roten Riesen.

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