13.11.2019 19:29 |

Kaltstart für „Adler“

Kehrt „Schlieri“ zu Kraft in die Weltelite zurück?

Der Wintereinbruch hat für Österreichs Skispringer eindrücklich die bald beginnende neue Weltcup-Saison eingeläutet. Dass die geplanten Trainingssprünge auf der Innsbrucker Bergisel-Schanze zur Beute des Schnees wurden, machte die Ungewissheit vor dem Saisonstart nicht kleiner. Das ÖSV-Team aber will Schritte nach vorn gemacht haben. Vor allem Stefan Kraft und Gregor Schlierenzauer sollen in der Vorbereitung aufgezeigt haben …

Wie gut Österreichs Adler heuer tatsächlich fliegen werden, wird sich ab 22. November im polnischen Wisla zeigen. Dort heißt es bei Team- und Einzelbewerb erstmals Karten auf den Tisch. „Ich würde schon sagen, dass wir mannschaftlich einen Schritt weiter sind“, sagte ein wieder fitter Michael Hayböck am Mittwoch in Innsbruck. Das jüngste Zusammentreffen eines Teams, in dem im Vorjahr nur Kraft glänzte, verlief nicht ganz wunschgemäß. Denn aus den für Mittwoch und Donnerstag geplanten, in dieser Phase raren Eisspur-Sprüngen, wurde wetterbedingt nichts. „Aber wir haben gut und viel trainiert“, so Cheftrainer Andreas Felder. „Wir sind bereit und haben bestimmt ein konkurrenzfähiges Team beisammen.“

Gerade Stefan Kraft, aus österreichischer Sicht der Überflieger der vergangenen Jahre, hätte gern noch ein paar Sprung-Meter gesammelt. Dem 26-jährigen Salzburger, der in der Vorsaison Weltcup-Zweiter war, stehen noch einige Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Das Experiment, mit neuer Bindung zu springen, gilt als gescheitert. „Ich bin wieder zur alten Bindung retour“, sagte Kraft. „Bis gestern, wo wir in Garmisch-Partenkirchen trainiert haben, war ich mir wegen der Bindung noch nicht sicher, deshalb ist auch das Selbstvertrauen noch nicht bei 100 Prozent.“ Die Vertrautheit mit dem bewährten Stabsystem soll sich rasch wieder einstellen. „Ich bin schon fünf, sechs Jahre damit gehüpft, das sollte ich wieder sehr schnell intus haben.“

Neben den erfahrenen Kraft und Hayböck (28) sind Philipp Aschenwald (24 Jahre), Jan Hörl (21), Daniel Huber (26) und Gregor Schlierenzauer (29) für die sechs Startplätze in der ersten Weltcup-Periode nominiert worden. Manuel Fettner (34) und Clemens Aigner (26) müssen sich vorerst über den Continental-Cup zurück ins Weltcup-Team arbeiten beziehungsweise dort einen siebenten Startplatz erspringen. „Gute Sprünge haben alle drauf“, sagte Kraft über das Team. „Aber wer es dann auch im Wettkampf rüber bringt, werden wir sehen.“ Einschätzungen von Teamkollegen, wonach Kraft und Schlierenzauer zuletzt den besten Eindruck machten, relativierte der Cheftrainer ein wenig. „Es sind mit Hörl und Aschenwald auch junge Leute dabei, die auf Augenhöhe mitspringen können“, sagte Felder.

Schlierenzauer sieht sich nach einem guten Sommer (2. Hinterzarten, 4. Hinzenbach) in seiner Idee vom Skisprung bestärkt, auch wenn er die Topsprünge noch nicht aus dem Ärmel schüttle. „Jetzt heißt es geduldig zu sein und sich an den Top Ten festzubeißen. Dann ist auch der Schritt wieder nach ganz vorne möglich.“ Eine Schlüsselrolle auf dem Weg zurück an die Spitze soll Werner Schuster einnehmen. Der langjährige Chef des deutschen Teams hat Schlierenzauer einst in Stams auf Schiene gebracht. Als Neo-Berater „in mentalen und technischen Dingen“ soll er mit Überzeugungskraft wirken. „Werner war für mich immer ein spezieller Mensch“, so Schlierenzauer. „Skispringen hat viel mit Vertrauen zu tun. Da braucht man jemanden im Hintergrund, dem man alles offenlegt, mit dem man harmoniert und auch kann.“

Mit Saisonprognosen halten sich die Akteure zurück. „Was rauskommt, werden wir sehen. Aber wir haben analysiert und versucht, die Hebel anzusetzen“, sagte Felder. „Das ist aber bei jedem anders: Beim einen brauchte es eine Materialadaptierung, beim anderen die Technik - oder nehmen wir den Gregor: Der versucht sich wieder in ein altes Feeling hineinzubringen und hat damit einen wichtigen Schritt gesetzt.“ Der an Siegen (53) gemessen erfolgreichste Skispringer der Weltcup-Geschichte sei dabei, so Felder, das Vertrauen in sich selbst wiederzufinden. „Heuer habe ich das Gefühl, dass da mehr Konstanz drinnen ist.“

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